Plauen kommt mit blauem Auge davon

Aufatmen und Aufräumen: Plauen erlebte in den letzten Stunden die schlimmste Hochwasserwelle der letzten 60 Jahre und kam mit einem blauen Auge davon. Der Wasserstand der Weißen Elster lag im Stadtgebiet wenige Zentimeter unter der Rekordmarke aus dem Jahr 1954.

Plauen - Plauen schrammte nur knapp an einer Hochwasserkatastrophe vorbei. Dem tagelangen Dauerregen ging genau im richtigen Moment in der Nacht zu Montag die Puste über dem Vogtland aus. Der Pegel der Weißen Elster erreichte gegen 1 Uhr mit 4,32 Meter seinen Höchststand - rund dreieinhalb Meter über normal. Ausnahmezustand. Im Lagezentrum des Katastrophenschutzstabes wird 21.40 Uhr Katastrophenalarm für Plauen ausgelöst. Was in den letzten Jahrzehnten immer nur geübt wurde, war plötzlich Realität.

"Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Es hätte noch viel schlimmer kommen können wenn es noch länger geregnet hätte", sagt der stellvertretende Leiter der Plauener Berufsfeuerwehr, Mario Wetzstein. Einige habe es aber trotzdem ganz schön getroffen. Die Schwerpunkte waren die Mühle in Straßberg, das Stadtbad und viele Straßen, an denen die Keller der Häuser voll liefen. Besonders betroffen waren hier neun Wohnhäuser an der Fabrikstraße. Hier standen die Keller bis zu einem Meter unter Wasser.

Kritisch war die Situation im Stadtbad. Das Wasser drückte massiv ins Gebäude unterhalb der Herrenhalle. Hier befinden sich Technikräume und Bereiche wo chemische Gemische lagern, die keinesfalls hätten ins Wasser gelangen dürfen. Einige Chemikalien konnten aus dem Gefahrenbereich nach oben geschafft werden. Mit tragbaren Pumpen wurde das Wasser nach draußen befördert. Viele Helfer sorgten oben für einen Sandsackverbau des Stadtbades. "Die Technikräume haben wir völlig trocken halten können. Das war schon ein Erfolg. Der Schaden ist gering", sagt Mario Wetzstein.

Die Berufsfeuerwehr Plauen registrierte seit Freitagabend 100 Einsätze im Stadtgebiet. Sandsäcke wurden verteilt, Keller ausgepumpt und Wasser umgeleitet. Die letzten Einsatzkräfte waren bis Dienstagnachmittag unterwegs. Dazwischen kam noch das tägliche Geschäft. So kam es am Sonntag zu einem Brand und auch zu einem Verkehrsunfall wurde die Feuerwehr gerufen. Die Hilfsbereitschaft der Plauener war groß. Dutzende Helfer füllten im Bauhof Sandsäcke oder unterstützen die Feuerwehr bei ihrer Arbeit. "Wir danken allen freiwilligen Helfern und ehrenamtlichen Kameraden von Plauen sowie den Firmen, die ohne Ausnahme geholfen haben. Keiner hat Nein gesagt", so Mario Wetzstein.

Sonst am Wasser, lag der Plauener Stadtstrand am Sonntag im Wasser. Weite Teile des Biergartens wurden überschwemmt. "Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist", sagt Inhaberin Cornelia Schmieder. Wenige Zentimeter unter der Rekordmarke von 1954 machte das Wasser halt. Am Sonntag brachten die Mitarbeiter noch schnell Technik und Lebensmittel in Sicherheit. "Der Strand war bis zur Hälfte überflutet."

Die Holztreppe in die Elster wurde aus der Verankerung gerissen. Sie konnte gerade noch mit einem Band vorm Wegschwimmen gesichert werden. Etwa 30 Tonnen Sand und zehn Tonnen Kies hat das Wasser davongespült. Kein Verständnis hatte das Team beim Ausräumen am Sonntag für die Hochwasser-Touristen. "Die Schaulustigen behinderten die Arbeiten." Am Freitag will der Stadtstrand wieder öffnen.