Plauen: Industriekultur oder Abriss?

Für die Hempelsche Fabrik wäre es der Rettungsanker. Plauen will hier die 4. Sächsische Landesausstellung Industriekultur veranstalten. Der Stadtrat soll über eine Bewerbung im September abstimmen. Vertreter der Landesregierung waren in dieser Woche bereits in dem alten Fabrikationsgebäude. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer warb um den Standort.

Plauen - Plauen will Gastgeberstadt der nächsten Landesausstellung werden. Ausgerichtet werden soll die Schau für Industriekultur 2018 in Westsachsen. Bisher haben sieben Orte ihr Interesse bekundet, darunter sind neben Plauen Zwickau, Aue und Chemnitz. Die Chancen, den Zuschlag für die Ausrichtung einer Landesausstellung in der Elsteraue zu bekommen, schätzt Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer als gut ein.

Vertreter des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst schauten sich den Standort am Dienstag an. Etwa 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche würden die Hallen der Hempelschen Fabrik hergeben, meint Oberdorfer. Für das seit Jahren verfallende Fabrikationsgebäude wäre eine Ausstellung die Rettung. Die Suche nach einem Investor in den letzten 20 Jahren war vergebens. Der Denkmalschutz hat den Verkauf an eine Nutzung der Immobilie geknüpft. Gibt es diesen nicht, droht irgendwann der Abriss des Denkmals der Plauener Industriekultur.

Sollte die Stadt Austragungsort werden, würden umfangreiche Bauarbeiten anstehen. Eine der beiden Hallen müsste wegen ihres schlechten Zustandes vermutlich bis auf die Fassaden zurück- und neu aufgebaut werden, schätzt Oberdorfer ein. Das Dach ist bereits teilweise eingestürzt. Für die Gestaltung des Standortes würde die Stadt Fördermittel vom Land bekommen. Die Sanierung der Gebäude könnte mit Eigenanteilen der Stadt und über Förderprogramme erfolgen, heißt es. Für die Organisation der Landesausstellung könnte sich Ralf Oberdorfer die Gründung eines städtischen Unternehmens vorstellen.

Optimistisch ist der Stadtchef auch bei den Besucherzahlen. Etwa 250 000 Gäste könnte die Ausstellung in Plauen anlocken. Zur letzten Schau in Görlitz kamen jedoch nur rund 180 000 Besucher. Die Strahlkraft von Plauen stuft Oberdorfer aber als Mittelpunkt im Dreiländereck zwischen Bayern, Thüringen und Sachsen höher ein. Durch die industriell geprägte Geschichte der Region wäre mit vielen Interessenten zu rechnen, heißt es. Die Stadt kann in der Elsteraue mit dem Weisbachschen Haus und der Hempelschen Fabrik auf eine 150-jährige Industriegeschichte zurückschauen. Historiker nennen den Ort die Wiege der Plauener Industrialisierung.

Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer informierte in dieser Woche auch das Forum Elsteraue über die aktuelle Entwicklung. Die Gruppe will die geplanten Vorhaben aktiv mit anstoßen. Eine Nachnutzung gebe es für die Hempelsche Fabrik auch im Falle des Zuschlags. Die geplante Spitzenwelt könnte darin mit entstehen. Im Weisbachschen Haus wäre die Präsentation der Stickmaschinen nur durch einen Neubau möglich. Die Hempelsche Fabrik wäre eine Alternative, schlägt Oberdorfer vor. Im November entscheidet die Landesregierung über den Austragungsort der Landesausstellung Industriekultur.