Plauen bald Partnerschaft mit USA?

Die rund 80 anwesenden Vertreter mittelständischer Unternehmen aus dem Vogtland, die am Donnerstagabend in die Plauener Festhalle zum Wirtschaftsdialog kamen, welcher vom Landtagsabgeordneten Frank Heidan (CDU) organisiert wurde, zollten der Äußerung der Konsulin reichlich Applaus. Dr. Helena Schrader, die sonst im US-Generalkonsulat mit Sitz in Leipzig tätig ist, wusste gleich zu Anbeginn, wie sie die vogtländische Seele hinter sich vereinen kann. Mit bedachten Worten warb sie in ihrer Präsentation für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen der Stadt Plauen und dem Vogtland mit Unternehmen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Bereits zum zweiten Mal weilte die Diplomatin nun in der Spitzenstadt.

Frank Heidan, Wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, zeigte sich sichtlich erfreut von der positiven Resonanz auf seine Einladung. Ausschlaggebender Grund für die Durchführung des Dialoges war ursprünglich ein gar historischer: In diesem Jahr hätte sich in Plauen ein 125. Jubiläum angebahnt, wäre das US-Konsulat nicht schon 1917 aus Plauen abgezogen worden. "Auf diesen Bestandteil unserer lokalen Geschichte können wir stolz sein", betonte Frank Heidan.

In der Tat gab es in Plauen über einen Zeitraum von 30 Jahren - seit 1887 - ein Generalkonsulat. Auch in anderen Gebieten der Region war die USA damals omnipräsent: In Markneukirchen befand sich seit 1893 ebenfalls ein solches Konsulat, welches 1916 mit dem hiesigen überging. Ein weiteres befand sich, wenn auch jenseits der vogtländischen Grenzmarkierung, ebenfalls in gar nicht großer Entfernung: Das US-Konsulat in Eibenstock, 1891 dort gegründet, wurde 1908 mit dem Plauener zusammengelegt.

Der Grund für die Ansiedlung gleich mehrerer Konsulate, lag in der starken Spitzen- und Stickereibranche sowie im Musikinstrumentenbau begründet, wie die Stadtarchivarin Martina Röber eindrucksvoll erklärte. Die Niederlassung eines solchen Konsulates sollte einst die nur schwach ausgeprägten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Vogtland und der USA beflügeln - erste Aufzeichnungen eines Waren- und Güteraustausches gehen bis in die 1830er Jahre zurück.

"Während in den Anfangsjahren die hier ansässigen Unternehmen noch mit starken Absatzschwankungen konfrontiert waren, sorgte das US-amerikanische Büro für eine Stabilisierung dieser Zahlen", fügte Röber an. Allein zwischen den Jahren 1901 und 1902 konnte der Umsatz im Spitzen- und Stickereiwesen nahezu verdoppelt werden, ehe in den Jahren 1911 und 1912 eine nie mehr erreichte Blütezeit herrschte: Prosperität in nahezu allen Bereichen, welche die heimische Wirtschaft zu bieten hatte.

Auch Eckhard Sorger, Wirtschaftsförderer der Stadt Plauen, sieht in den gegenwärtigen transatlantischen Bemühungen eine "große Chance für eine neue Wirtschaftstätigkeit", die "die Krisenresistenz der deutschen Ökonomie langfristig stärken wird". Hier soll, wie er erklärte, der Fokus vor allem auf Dialog und Netzwerkbildung gelegt werden, um diese Ziele zu erreichen.

Der Stellvertretende Landrat, Rolf Keil (CDU), stellte auf dem Podium klar: "Der Beginn der Reaktivierung der Wirtschaftsbeziehungen mit den USA vor 22 Jahren tut beiden Ländern gut!"

Dr. Helena Schrader gab derweil noch weitere Einblicke in ihre Tätigkeit und in ihre Zielstellung, die sie mit dem Besuch ihrer Delegation in Plauen verbindet: "Ich bin hier, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was in der Region los ist." Denn: Sehr viel Wirtschaft passiere in kleineren Städten und Regionen, sagte sie. Zusammen mit Frank Heidan möchte sie im Vogtland eine Verbesserung wirtschaftlicher Strukturen voranbringen. Eine neue Städtepartnerschaft, wie jetzt mit den USA angestrebt, könnte dabei der erste Schritt in die richtige Richtung sein.