Plauen auf Spitze

Tanz und Ballett in verschiedenen Facetten anzubieten, sieht Ballettdirektor Torsten Händler als das Anliegen des Tanzwochenendes am Vogtlandtheater.

 

Plauen - Für Ballettdirektor Torsten Händler beginnt der Arbeitstag momentan ziemlich früh. Jedenfalls zu früh für einen Künstler, der eher in den Abendstunden zugange ist. Schon gegen 9 Uhr ist er auf den Gängen, Fluren und den verschiedenen Bühnen des Hauses unterwegs, um dem Großereignis des kommenden Wochenendes quasi den letzten Schliff zu verleihen. Die Rede ist vom Tanzwochende "Plauen auf Spitze" vom 6. bis 8. Mai. Und obwohl Händler bereits im Vorjahr mit einem ähnlichen Projekt in Zwickau nicht nur Erfahrungen sammelte sondern auch überschwängliches Lob erntete, sind die Plauener Highlights bei weitem kein "Abklatsch" der damaligen Veranstaltungen.

Gemeinsam ist beiden Projekten, dass Tanz und Ballett dem Publikum in verschiedensten Facetten angeboten, ihre Symbiotik im Wortsinne veranschaulicht werden soll. Ob das in Plauen ebenso funktioniere wie in Zwickau, müsse man ausprobieren, gibt sich Händler bescheiden. Aber natürlich hofft er auf ein interessiertes Publikum, das sich im Idealfall so viel "Appetit" holt, auch künftig im Parkett Platz zu nehmen. Dabei wird sich das dreitägige Tanzwochenende nicht erst langsam "warm laufen", sondern bereits am Freitag richtig Schwung nehmen - mit der Gala der Staatlichen Ballettschule Berlin. 60 Kinder und Jugendliche, vom zehnjährigen Eleven bis zum Absolventen, präsentieren sowohl klassisches als auch zeitgenössisch-komödiantisches Ballett. Nur ein Mal pro Spielzeit gehen die Schüler auf Reisen, und dass sie das Richtung Vogtland tun, hat wohl auch mit dem guten Draht des hiesigen Ballettdirektors zu tun, der ebenfalls ein "Kind" der Berliner Schule ist.

Dass es zugleich eine logistische Herausforderung darstellt, die zahlreichen Gäste in Plauen unterzubringen, kann auch der Laie nachvollziehen. Aber auch da helfen bereits bewährte Kontakte zur Jugendherberge. Auf genügend jugendliches Publikum darf Händler zu Recht hoffen - dass Kinderballett in Plauen ziemlich verbreitet ist und zahlreiche Jungen und Mädchen in Tanzklassen trainieren, hat er schon kurz nach seinem "Amtsantritt" zufrieden registriert. Und so dürfte auch die Gesprächsrunde vor dem Auftritt der Berliner gut besucht sein. Um Ausbildungswege und eigene dabei gemachte Erfahrungen wird es gehen. Denn vor Applaus und Schweinwerferlicht liegen knüppelharte Ausbildungsjahre. "Wer Tänzer werden möchte, muss sich dafür als Zehnjähriger entscheiden und beendet seine Ausbildung als etwa 19-Jähriger. Da beginnt für viele erst die Phase der Berufsfindung" plaudert Händler quasi aus dem Nähkästchen. Unabhängig vom erhofften Interesse an den kostenlosen Workshops, haben natürlich auch die Theaterpädagogen die "Werbetrommel" gerührt. "Ob mit Erfolg, wird man am Wochenende sehen", gibt sich der Ballettdirektor vorsichtig optimistisch.

Erstmals in Plauen zu erleben sein wird die Deutsche Tanzkompanie mit dem Tanzmärchen "Rotkäppchen". Bei dem Ensemble handelt es sich buchstäblich um "fahrendes Volk" - die Tanzkompanie verfügt zwar über keine feste Spielstätte, wohl aber eine große Fangemeinde. Weshalb es Händler wohl zu Recht freut, sie nach Plauen "gelotst" zu haben. Zugleich hofft er, Rotkäppchen möge gegen den "lieben" Lakomy bestehen, der seinen "Traumzauberbaum" nahezu zeitgleich im Vogtlandtheater pflanzt.

Durchaus keine kleinen künstlerischen Brötchen werden auf der Kleinen Bühne gebacken. Unter dem Titel "tanz+" wird die langjährige Ballett-Chefin des Hauses, Renate Tietze-Friede mit ehemaligen Tänzern über den ganz normalen "Künstlerwahnsinn" ins Gespräch kommen. Mit dabei auch Fotograf Peter Awtukowitsch, dessen beeindruckende Bilder zum Thema "Plauen auf Spitze" gegenwärtig im Vogtlandtheaer und dem Rathausfoyer zu bewundern sind. Wie rasch und unkompliziert sich alle für die Fotoschau angesprochenen Protagonisten zum Mittun entschieden, ist Torsten Händler denn noch ein Extra-Lob wert.

Während die Jüngsten bei einemTanzworkshop nach der Musik von Tschaikowskis "Nussknacker" ihr Körpergefühl beim Tanzen und Improvisieren testen können, besteht dieses Angebot für Erwachsene unter dem Titel "Tanzversuch". Unter professioneller Anleitung geht es im besten Falle darum zu entdecken, was der eigene Körper auch ohne Sprache zu sagen vermag, erklärt Händler das kreative Anliegen des Workshops. Den Höhepunkt des dreitägigen Tanzwochenendes bildet aber natürlich die Premiere von "Drei Welten" am Samstag. Gemeinsam mit Thomas Hartmann und dem Philharmonischen Orchester schuf Händler mit unterschiedlichen Werken der Konzertliteratur verschiedene, eindrucksvolle Tanzwelten, auf die es sich einzulassen lohnt.

Und wenn der Kraftakt gestemmt ist, die verschiedenen Angebote auch von Menschen wahrgenommen wurden, die bisher eher selten das Theater besuchten? "Dann hoffen wir, Tanz und Ballett so ins Gespräch gebracht zu haben, dass sie für den einen oder anderen künftig zum normalen Leben gehören", sagt Händler. Was er nicht erwähnt: Die Sparte Tanztheater des Vogtlandtheaters konnte in der aktuellen Spielzeit im Vergleich zur vorhergegangenen den größten Besucherzuwachs verzeichnen. Oder um ein Fazit mit den Worten des Ballettdirektors zu ziehen: "Wenn man nichts tut, passiert auch nichts."