Plauen: Alltagstraining in Tagesklinik

Eine Klinik für ältere Patienten über 70 Jahre gibt es mit der Geriatrie im Helios Vogtland-Klinikum bereits seit zwei Jahren. Neu ist im gleichen Haus 3 eine Geriatrische Tagesklinik, in der die Patienten untersucht, trainiert und behandelt werden - und abends wieder in ihre eigenen vier Wände zurückkehren können.

Plauen - Die Hausärztin ist mit ihren Überredungskünsten am Ende. Eigentlich müsste Oma Erna mit ihren zahlreichen Beschwerden ins Krankenhaus, doch die alte Dame weigert sich. Da kommt der Medizinerin das neue Angebot der Geriatrischen Tagesklinik im Vogtland-Klinikum ganz recht: Oma Erna wird da tagsüber von einem Experten-Team des Zentrums für Geriatrie und Frührehabilitation behandelt und kann abends in die gewohnte Umgebung zurück. Und kann selbst mit entscheiden, wie oft sie Behandlung und Training in der Tagesklinik in Anspruch nehmen will.

"Zwei bis drei Mal pro Woche ist sinnvoll", weiß der Chefarzt der Geriatrie, Dr. Michael Borchers, der in Plauen nicht zum ersten Mal eine Tagesklinik verwirklicht. "Bereits zu meiner Zeit in der Uniklinik in München habe ich eine Tagesklinik, damals für Arthrose-Patienten, aufgebaut", sagte der 42-jährige Geriater, der im Mai 2011 von Berlin nach Plauen kam. Mit ihm wurde die Geriatrie als 15. Klinik gegründet, in der Patienten mit akuten und chronischen Erkrankungen behandelt werden. 53 Betten stehen für den stationären Aufenthalt zur Verfügung. Hinzu kommen derzeit fünf Plätze in der integrierten aber separaten Tagesklinik.

Über 70-jährige Patienten haben neben der eigentlichen Grunderkrankung oft noch Begleiterkrankungen und Funktionseinschränkungen im täglichen Leben. Die Geriatrie will verhindern, dass sie durch einen Klinikaufenthalt ihre Fähigkeiten für den Alltag nicht verlieren. Im Durchschnitt sind die Patienten von Dr. Borchers 82 Jahre alt und kommen von Gera bis Hof. "Für geriatrische Patienten, die zwar einer Krankenhausbehandlung bedürfen, aber nur teilstationär aufgenommen werden müssen, gibt es die Tagesklinik.

Ihnen steht das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum des Krankenhauses zur Verfügung, von EKG bis MRT, von Knochendichtemessung bis Physio- und Ergotherapie. Die Patienten werden spielerisch auf Gedächtnis- oder Bewegungsstörungen getestet und je nach Bedarf behandelt und trainiert, auch um das Sturzrisiko zu mindern", schildert der Chefarzt und hebt besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte hervor.

Die Patienten der Tagesklinik werden am Morgen durch einen Transportdienst zu Hause abgeholt und nach Therapie-Ende im Laufe des Nachmittags wieder bis zur Wohnung gebracht. Voraussetzung für eine teilstationäre Behandlung sei eine ausreichende Mobilität, das heißt, der Patient muss allein den Transport erreichen können. "Die Frauen und Männer werden in einer Gruppe im Taxi zur Klinik gebracht und haben sich dabei schon kennen gelernt. Das nimmt die Scheu vor der Gruppentherapie.

Nach einem Gespräch mit dem Arzt, der sich auch die täglich einzunehmenden Medikamente zeigen lässt, gibt es Untersuchungen und Behandlungen die Gedächtnis, Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer trainieren. Nach Mittagessen und einem Mittagsschlaf im Schlafsessel, gibt es am Nachmittag noch ein Trainingsprogramm bevor es nach Hause zurückgeht", beschreibt Dr. Borchers.

Je nach Bedarf kommen die Patienten in die Tagesklinik, in der ärztlich geführt fünf bis sieben Team-Mitglieder sich um ihn kümmern: Logo-, Ergo-, Physiotherapeuten, Pfleger und Sozialarbeiter. Nach Abschluss ist eine ambulante Nachsorge und Weiterbehandlung im Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation, das auch eine Außenstelle in der Oheim- Passage in Plauens Innenstadt hat, möglich.

"Für uns ist es wichtig, eine solche Geriatrische Tagesklinik mit einem eigenen Konzept und eigenen Räumlichkeiten zu haben", bekräftigte Geschäftsführer Marcus Sommer, "denn es gibt auch negative Beispiele". Die Geriatrische ist die dritte Tagesklinik am Vogtland-Klinikum. va