Platz ist in der größten Kirche...

Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, ließe sich etwas despektierlich sagen angesichts der Tatsache, dass Gotteshäuser nach der bisherigen Schließung wieder öffnen dürfen - allerdings nur für maximal 15 Personen. Wie gehen Plauener Pfarrer damit um?

Von Torsten Piontkowski

Plauen Das Fazit zuerst: Pfarrer sind ganz offenbar vernünftige Menschen und vor allem nicht von ausufernder Ungeduld geplagt. Es könne keine Regelungen für große, mittlere und kleinere Kirchen geben. Die Grundlage müsse eine Lösung für alle sein, sagt Andreas Vödisch, Pfarrer der Markus-Paulus-Kirchgemeinde.
"Wir müssen damit umgehen", sagt der Pfarrer und sieht die moderate Öffnung der Kirchen als "gutes Zeichen". Auf alle Fälle bleibe Vorsicht geboten, heiße es, besonnen zu bleiben. "Es wäre doch totaler Mist, alles sofort wieder hochzufahren", sagt Vödisch in gewohnt offener Art.
Wie aber nun könnte ein Gottesdienst am kommenden Sonntag, dem 26. April, konkret aussehen? - auch vor dem Hintergrund, dass durchschnittlich circa 100 Christen die sonntäglichen Veranstaltungen besuchen? Vödisch stellt eine fast schon verblüffende Variante in Aussicht. "Bei schönem Wetter könnten wir sechs Gottesdienste parallel anbieten", sagt der Pfarrer. Die Markuskirche verfügt über zwei große Säle, das Paulushaus ebenfalls über einen großen Raum. Auf der Terrasse vor der Markuskirche, im Freigelände des Paulushauses und im Kindergarten Garten wären weitere Gottesdienste denkbar. "Was uns bisher zuweilen eine Last war, gerät jetzt zur Lust", spielt Vödisch auf die zahlreichen Räumlichkeiten an, die zu unterhalten eine nicht ganz problemlose Ganzjahresaufgabe ist. Es wäre schön, so Vödisch, die Leute brächten ihren Mundschutz mit. Wenn nicht, sei man gerüstet und werde Masken am Eingang verteilen, avisiert er. Desinfektionsmittel werde ausreichend zur Verfügung stehen und auch Menschen, die die Gottesdienstbesucher "einweisen" - denn natürlich gilt der gebotene Abstand.
Wer aber, mit Verlaub, soll eigentlich predigen? Zum einen habe man Menschen, die Musik anbieten können und darüber hinaus auch Leute, die verkünden können ohne natürlich selbst Pfarrer zu sein. "Ich denke für den kommenden Sonntag an eine Art Gottesdienst-Session" lacht Vödisch, der kurz darüber nachdenkt, ob er sich diesen Begriff nicht patentieren lassen könnte.
"Wenn wir merken dass es funktioniert, ist alles okay. Wenn nicht, müssen wir weiter nachdenken. Ein Gottesdienst um des Gottesdienstes willen macht keinen Sinn."
Auf alle Fälle werden sich die Pfarrer der Stadt nochmals miteinander ins Benehmen setzen und Ideen austauschen. Und außerdem, fügt Vödisch an, werde ja auch die Online-Andacht weiter angeboten.
Auf dem Schreibtisch von Pfarrer Hansjörg Rummel liegt ein gerade eingegangenes Schreiben, aus dem er zitiert: An Gottesdiensten können maximal 15 Personen teilnehmen, - das gilt auch für Trauerfeiern. Ein entsprechendes Schutzkonzept müsse umgesetzt und von den Verantwortlichen überprüft werden. Auf gemeinsames Singen sei zu verzichten, die Türen sollten geöffnet bleiben, der Gottesdienst selbst sei kurz zu halten, Gruppen und Kreise dürfen derzeit nicht stattfinden.
Doch trotz all dieser Einschränkungen sagt auch Pfarrer Rummel: "Unter den gegebenen Umständen können wir froh sein, zu Dankbarkeit und Gebet zusammenzukommen." Unter den Gläubigen sei der Wunsch groß, den Gottesdienst gemeinsam feiern zu können, fügt Rummel an.
Die Johanniskirche verfügt über knapp 1000 Plätze. "Sicher fänden auch unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorkehrungen 150 Menschen Platz", sagt Rummel, der sein Verständnis für die getroffenen Maßnahmen wiederholt. Zu "normalen Gottesdiensten", sagt er auf Nachfrage, fänden etwa 50 Leute den Weg ins sein Gotteshaus, bei größeren Veranstaltungen wie Konfirmationen auch mal 200.
Wie man dann die vorgegebenen 15 "auswählen" wolle? Das wisse man ehrlich gesagt noch nicht, sagt Rummel, verweist aber auf die Möglichkeit, mehrere Gottesdienste über den Tag verteilt an verschiedenen Orten anzubieten - beispielsweise in der Kapelle Neundorf.
So genannte Lektoren mit einer entsprechenden Ausbildung könnten durchaus Gottesdienste abhalten. Ansonsten, so Rummel, seien auch noch Durchführungsbestimmungen von der Landeskirche zu erwarten - salopp gesagt, also Beistand von oben.
Generell rät Rummel aber den Gläubigen, vorab in ihrer Gemeinde anzurufen, um sich über die Modalitäten am kommenden Sonntag zu informieren.
Und fast unerwartet fügt er an: "Wir haben als Menschen das Leben nicht im Griff. Das wird uns gerade schmerzlich vor Augen geführt."