Planungen für Campus in Plauen beginnen

Plauen - Das ehemalige Gefängnisgebäude auf dem Amtsberg in Plauen wird bis Ende 2012 zu einer Hochschule umgebaut. In diesem Jahr nimmt das Vorhaben kräftig Fahrt auf.

 

Eine neue Zeit scheint in Plauen für zwei herausragende und stadtprägende Immobilien anzubrechen. Sowohl das ehemalige Warenhaus am Postplatz als auch die einstige Justizvollzugsanstalt (JVA) auf dem Amtsberg bekommen in den nächsten Jahren eine neue Funktion zugeschrieben. Während aus dem Ex-Horten nach langjähriger Debatte ein zentrales Landratsamt wird, soll das seit August 2007 leer stehende Gefängnisgebäude für mehrere Millionen Euro zu einem Hochschulgebäude umgebaut werden. Spätestens Ende 2012 könnten dann erstmals anstatt Häftlinge Studenten aus dem ehrwürdigem Gebäude schauen. Dieses Ziel hat Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) vor Augen, sagt er im Gespräch mit Vogtland-Anzeiger.

Projekt nimmt Fahrt auf

Die Zukunft des gesamten Areals war lange Zeit unklar. Nach der Schließung vor vier Jahren ging die Immobilie in den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) über. Die intensive Suche nach einem möglichen Investor und einer sinnvollen Nachnutzung blieb erfolglos. Die Idee, das Gebiet zu einem Campus und als neuen Standort für die Staatliche Berufsakademie Plauen (BA) umzugestalten, kam da bei allen Seiten sehr gut an.

In diesem Jahr nimmt das Projekt nun richtig Fahrt auf. So gut wie noch nie sehe es aus, sagt Oberdorfer. Nach der Zusage der sächsischen Regierung, im Doppelhaushalt für 2011 und 2012 insgesamt vier Millionen Euro für den Umbau zur Verfügung zu stellen, sollen in den nächsten Monaten die Planungen der Architekten und Ingenieure beginnen und die nötigen Ausschreibungen vorbereitet werden. Die ersten Planungen des Haushaltes sahen keine finanzielle Unterstützung vor. Oberdorfer begrüße das Umlenken in Dresden. Dies sei auch Dank der persönlichen Einflussnahme geschehen, meint der Stadt-Chef. Die Zuwendung sei "zwingend geboten". Von den sieben sächsischen Berufsakademien sei nur der Standort Plauen in einem kommunalen Gebäude untergebracht.

Als ein Geschenk sieht der OB die Geldspritze aber nicht. Im Gegenteil. Bisher habe die Stadt immer geschenkt. Das Gebäude auf der Melanchthonstraße, wo derzeit die BA ihr Domizil hat, werde mietfrei zur Verfügung gestellt, heißt es zur Begründung. Die Stärkung des Plauener BA-Standortes sei bereits eine langjährige Forderung.

Hörsäle sind schon da

Das aktuelle BA-Gebäude platze inzwischen aus allen Nähten und sei vom Keller bis unters Dach voll mit fast 400 Studenten. Bei der nächsten Immatrikulation werde der Platz nicht mehr ausreichen, schätzt Oberdorfer. Vier Studienrichtungen werden momentan angeboten, eine fünfte soll im Herbst dazukommen.

Den Umbau im Gebäude des ehemaligen Amtsgerichtes beschreibt der OB als einen ersten Bauabschnitt, dem in den nächsten Jahren weitere folgen könnten. Das Gebäude an sich sei vor allem äußerlich in einem noch guten Zustand. Auch innen würde die Immobilie beste Voraussetzungen für höhere Bildung bieten, wovon sich viele Plauener bereits mehrmals auf Schautagen überzeugen konnten, sagt Oberdorfer. Die vielen Amtsgerichts-Säle seien von ihrer Größe sehr gut für Hörsäle geeignet. Auch die Gänge im Gebäude seien bereits wie in einer Schule angerichtet, heißt es. Für die Arbeiten schlägt Oberdorfer die Bauplanung Plauen vor.

 

Mit dem Architektur- und Ingenieurbüro habe man bereits beim Umbau des Gebäudes auf der Melanchthonstraße gute Erfahrungen gemacht. Sie kennen die Standards und hätten sich dadurch bereits gewisse Kompetenzen bei der SIB erarbeitet, wirbt Oberdorfer und verspricht, dass auch andere regionale Firmen von dem Umbau profitieren würden. Für den ersten Bauabschnitt werden ausschließlich Landesmittel verbaut. Das Geld sei ausreichend und eventuell könnte damit sogar mit in die alten Kelleranlagen investiert werden. Oberdorfer könnte sich hier bereits einen Studentenkeller vorstellen.

 

Unklar ist noch, ob die BA komplett auf den Amtsberg ziehen wird oder beide Gebäude in Anspruch nimmt. Bei einem kompletten Umzug würde die Melanchthonstraße Platz für andere Bildungseinrichtungen in Plauen machen. Dies müsse der Bedarf an Studienplätzen in den nächsten Jahren zeigen. Im Gespräch war bereits einmal, dass auf dem Amtsberg etwa 600 Studenten lernen sollen. Der Berufsakademie-Standort Plauen werde mit der Investition deutlich aufgewertet. Kritisch beobachtet werde der Schritt in Reichenbach. Es wird befürchtet, dass die Außenstelle der Westsächsischen Hochschule Zwickau damit in Gefahr sei.

Vision bleibt bestehen

Die Vision vom Wiederaufbau des gesamten Areals bleibt weiter im Kopf von Ralf Oberdorfer. Er teilt das rund 2,2 Hektar große Gebiet in die drei Bereiche ehemalige JVA, Amtsgericht und das 1945 zerbombte Schloss ein. Anvisiert werde eine moderne Bauweise - man wolle keine Steine in der Erde suchen. Konkret ist aber nichts. Das Projekt müsse langsam wachsen. Von dem zwischenzeitlichen Vorschlag, auch ein Internat auf dem Campus mit zu errichten, rät der OB ab. Dafür sollten die dahinterliegenden Wohngebiete genutzt werden. Diese würden sich in einem Sanierungsgebiet befinden.