Plamag-Pleite: Über 1000 Plauener auf der Straße

Für den Erhalt von 726 Arbeitsplätzen des insolventen Druckmaschinenbauers Manroland in Plauen sind am Donnerstag mehr als 1000 Menschen in der Innenstadt auf die Straße gegangen.

Plauen - Die Beschäftigten des insolventen Druckmaschinenbauers Manroland sind am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Vor dem Wende-Denkmal im Plauener Stadtzentrum versammelten sich insgesamt rund 1000 Menschen zu einer Kundgebung. Proteste und Demonstrationen gab es auch an den weiteren beiden Standorten in Augsburg und Offenbach.

An der Protestaktion in Plauen beteiligten sich auch viele Mitarbeiter anderer Betriebe wie dem Speziallampen-Hersteller Philips, die den Kollegen Mut machen wollten, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Zu Beginn der Kundgebung wurde ein offener Brief an die Plamag-Belegschaft von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) verlesen, der dem Betriebsrat und der Gewerkschaft vorwirft, dass er zu den Gesprächen am Wochenende und am Montag nicht eingeladen wurde. Von den Treffen der Verantwortlichen habe er erst aus den Medien erfahren, soll es im Brief heißen. Oberdorfer sei verwundert und enttäuscht, dass er nicht informiert wurde. Mehrmals gab es während des Vorlesens laute Pfiffe und Lacher unter den Demonstranten. Viele hatten auch Plakate mit Aufschriften dabei wie: "Last Plauen nicht aussterben", "Eigentum verpflichtet. Allianz und MAN - aber ran!" oder "Kurzarbeit, Verzicht auf Weihnachtsgeld und nun hat der Vorstand uns die Insolvenz bestellt".

"Mit uns geht es noch lange nicht zu Ende", sagte Betriebsratschef Udo Meier zu den mehr als 1000 Teilnehmern der Kundgebung. Stefan Kademann, erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, fordert die Politik auf, Druck auf die Altgesellschafter aufzubauen. "Wir brauchen einen Rettungsschirm für Manroland." Aus Kademanns Sicht, sei die Finanzkrise 2008 an der Pleite Schuld. Der industrielle Kahlschlag im Vogtland geht weiter, so die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südwestsachen (DGB), Sabine Zimmermann: "Stimmen die Rendite nicht, sind die Belegschaften zu teuer."

Für die Plamag-Azubis sprachen die 20-jährige Maxi Döring und der 21-jährige Rico Pickert von der Jugend- und Auszubildendenvertretung. "Wir werden für eine sichere Zukunft der Region kämpfen", so Pickert. Einen Appell an die Plamager richtete auch Marcus Galle, Betriebsratschef beim Busproduzenten Neoplan: "Nehmt die Wut im Bauch mit und hört nicht auf, euch zu wehren." In der Staatskanzlei soll es heute einen Termin am runden Tisch mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) geben. Unterdessen seien die Verhandlungen über einen Kredit für den Konzern offenbar kurz vor dem Abschluss. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat sich Insolvenzverwalter Werner Schneider mit den 15 Gläubigerbanken mündlich auf ein Darlehen in Höhe von 10 Millionen Euro geeinigt. mar