Plädoyer für Qualitäts-Journalismus

Über das traditionsreiche Medium Tageszeitung sprach der Journalist Wilfried Hub, Herausgeber des Vogtland-Anzeigers, bei der jüngsten Veranstaltungsausgabe von "VertriebsVrühstück" im Best Western Hotel Am Straßberger Tor.

Plauen - "Trotz allem, die Zeitung ist nicht totzukriegen", sagte Wilfried Hub beim Vertriebsfrühstück über das Jetzt und die Zukunft der gedruckten Worte. Egal ob auf Papier oder auf der Bildfläche eines elektronischen Mediums, die Menschen wollen und sollen informiert werden, und dies mit Qualitätsjournalismus, welcher bei Zeitung, Rundfunk und Fernsehen von ausgebildeten Journalisten gesichert werde, so der Herausgeber des Vogtland-Anzeiger, der die Zeitung im Jahr 2005 übernahm, in einer für das Blatt äußerst schwierigen Phase. Es sei die einzige heute noch verbliebene, nach 1990 in Ostdeutschland neu gegründete, unabhängige Zeitung.

Hub beschrieb die Tageszeitung als ein Lese- und Informationswerk für alle, die nicht den Anspruch erheben, dass jeder Artikel, jedes Foto einer Ausgabe jeden Leser gleichermaßen interessiere. "Wie sieht es mit persönlich zugeschnittenen Zeitungsausgaben für Leser aus", wollte einer der 30 Gäste des Treffens wissen. Hub zeigte Verständnis für diese Form der Individualisierung, aber eine Zeitung für einzelne Nutzer zusammenzufassen, bei der beispielsweise der Kultur- oder Wirtschaftsteil fehle, brächte ein Schrumpfen des Mediums mit sich. Vielseitig ein Angebot zu offerieren und zu nutzen, sollte auch für den Individualisten eine richtige Entscheidung sein.

Hub verhehlte nicht, dass sich die Informationsmengen gerade im Internet derzeit geradezu überhäufen, der "Overkill der Infos" sorge für viele Nachrichten, die im Besonderen im Netz mitunter nicht seriös und gut recherchiert an die Öffentlichkeit gelangten. "Man brauchte sich nur manche Veröffentlichungen über Plauen während des letzten Hochwassers anzusehen. Da war die Elster am Stadtbad schon über die Ufer getreten und das E-Werk war kurz vorm Abschalten." Hub forderte ordentliche Recherche, sauberes Arbeiten und gutes, kompaktes Schreiben der Nachrichten und Zeitungstexte ein. Die Zeitung sei in der Flut der Informationen ein regulierender Weg weisender Kompass, den der Leser gern nutzt.

Auch das Thema "Anzeigen, Annoncen, Werbung" streifte der Herausgeber. In guten Zeiten zu werben, wenn Geld dafür da sei, wäre für einen Unternehmer ein Leichtes, in schlechteren Zeiten indes sollte nicht darauf verzichtet werden, so Hub. Wenn annonciert werde in der Zeitung, befände sich die Werbung in einer guten, anerkannten, sehr glaubwürdigen Umgebung. "Vieles an Werbung läuft bei uns in der Region über Zeitung und Radio." Das Internet spiele (noch) keine große Rolle bei Image-Kampagnen, Reklame für Produkte und Firmen in der Region, beobachtet der Herausgeber des Vogtland-Anzeigers.

"Was sagen Sie zum Thema Abonnenten, die eine Zeitung ja braucht?", lautete eine weitere Fragestellung. "Abonnenten zu gewinnen ist aufwändig und teuer", sagte Hub. Die Leserschaft zu binden, neue Leser zu interessieren, geschehe beim Vogtland-Anzeiger nicht nur im Bereich der gedruckten Zeitung - auch im Bereich Internetportale arbeite der Verlag an neuen Konzepten.