Pilgern zum Borkenkäfer

"Wir wollen alle Möglichkeiten nutzen, um mit der Unterstützung der privaten Waldbesitzer die schlimmste Borkenkäferplage der letzten 50 Jahre einzudämmen", sagte der Revierförster Mehltheuer, Jörg Müller, bei der Begrüßung von etwa 20 Privatwaldbesitzern im Wald zwischen Leubnitz und Schneckengrün.

Rosenbach/Schneckengrün - Der Staatsforst Sachsen hatte eingeladen: Mitten im Revier war ein Informationspunkt aufgebaut, an dem er und seine Kollegin Ines Bimberg, die aktuelle Situation erläuterten und die Waldbesitzer zu einer möglichst breiten Mitarbeit aufforderten. Bedingt durch die Stürme des letzten und im Frühjahr dieses Jahres sowie die über vier Monate währende Trockenphase im Sommer haben sich die Käferbestände explosionsartig vermehrt. Besonders die warme Trockenperiode habe dazu geführt, dass die Generationsfolge der Käfer bis zu vier Populationen entstehen ließ. 
Die in der Rinde auch bei hohen Kältegraden überwinternden Käfer beginnen bei 16 Grad Lufttemperatur auszufliegen und sich auf die Suche nach Opferbäumen zu begeben. Das sind vorwiegend zuvor geschädigte Fichten, in deren Rinde sie sich einnisten und fortpflanzen.
"Um die Ausbreitung so gering wie möglich zu halten, sind auch die Waldbesitzer gefordert; ständige Begehungen ihrer Waldungen mit dem Augenmerk auf einen Käferbefall sowie das nachfolgende kurzfristige Handeln, können die sich anbahnende Katastrophe eindämmen. Mindestens wöchentlich sollte der Bestand auf Bohrmehl und Bohrlöcher am unteren Stammteil sowie sich ablösende Rindenteile untersucht werden. Große Mengen fahlgrüner Nadeln am Boden sowie verfärbte Kronen sind eindeutige Zeichen eines Befalls. Sobald sich die Zeichen in größerer Höhe zeigen sind die Bäume zu fällen und gemeinsam mit dem Reißig aus dem Wald zu bringen, weil sich die Käfer auch im liegenden Holz rasch einbürgern", so die Fostleute. Besonders durch die Stürme aufgerissene Westflanken an Waldrändern sind ideale Brutgebiete für die Käfer. Die Kontrollen sollten durch Käferfallen, in denen die Käfer mit Paarungsdüften (Pheromonen) angelockt, oder liegende Fangbäume, die mit Reißigabdeckung feucht gehalten werden, unterstützt werden. Beide Vorbeugemaßnahmen bergen aber auch das Risiko, den Zeitpunkt der Invasion zu versäumen oder mit den Düften fremde Käfer anzulocken. Die in Fallen aufgefundenen Insekten sollten verbrannt werden.
Benjamin Hering aus Fasendorf, der in Oberpirk fünf Hektar Wald besitzt, folgte den Ausführungen sehr aufmerksam. Susann Landrock aus Ruppertsgrün wollte wissen: "Bei uns sind einzelne Spitzen braun, ohne dass Zeichen für einen Käferbefall sichtbar sind? Was ist zu tun?" "Sind nur die Spitzen gelb oder verfärbt, kann das auch ein Zeichen sein, welches durch die Trockenheit hervorgerufen wurde", entgegnete Müller. 
Bei der Beratung am Ort des Geschehens informierte er auch über die geringen Vermarktungsmöglichkeiten für Holz allgemein und über das im Mai wiederaufgelegte Förderprogramm zur Erstattung von Schäden und zur Wiederaufforstung. Nähere Auskünfte dazu erteilen die Forstreviere.   Jochen Pohlink