Pflege für Jüngere fast einmalig

An der Ecke Bergstraße/Heinrichstraße will die Aspida GmbH ab Herbst 2020 einen Pflegecampus betreiben. Das Besondere: Versorgt werden in eigenen Wohngruppen bis zu 44 jüngere Pflegebedürftige. Gestern war Spatenstich.

Von Cornelia Henze

Plauen - Steffen Marquardt hat es ganz schön schwer, mit dem Rollstuhl bis zu dem Fleckchen Erde zu kurven, wo Bauherren, Betreiber und Architekten unter dem Segen der Pfarrer Claus Bahmann (Katholische Kirche) und Beatrice Rummel (ev. Kirche) den Spaten kräftig ins Land hineinstoßen. Immer wieder klemmt sich ein Geröllbrocken unter das Rad des Rollis. Doch Marquardt, den viele als blickigen Streiter für Behindertenarbeit und -rechte kennen, will von Anfang an dabei sein, will alles mit dem Handy filmen. Denn: "Ich möchte hier einziehen", sagt der noch bei den hochbetagten Eltern wohnende Plauener, der mit seinen 57 Jahren bestens ins Konzept des sozialen Trägers, der Aspida GmbH, passt. 
Wenn von Pflege die Rede sei, dann meist von alten bis sehr alten Menschen. Dabei gebe es auch Jüngere , die auf professionelle Pflege angewiesen seien, aber mit all ihren Bedürfnissen zwischen den ganz alten Heimbewohnern fehlplatziert seien, so Aspida-Geschäftsführer Udo Pohler. Deutschlandweit gebe es vielleicht ein halbes Dutzend Heime, die sich auf die Pflege jüngerer spezialisiert haben. Sachsenweit ist das in Plauen entstehende Heim das erste. Deshalb ein Modellprojekt, für das sich auch die Kassen begeistern hätten lassen.
Essen, Beschäftigung, Sexualität: Diesen Bedürfnissen jüngerer pflegebedürftiger Menschen will der in Chemnitz und dem thüringischen Bürgel angesiedelte soziale Träger Aufmerksamkeit geben. Zielgruppe sind 18- bis etwa 60-Jährige. Jene befinden sich noch nicht am Lebensabend, sie möchten trotz Pflege am Leben teilhaben: In einem nur für sie eingerichteten Wohnkomplex gibt es auch Fitnessraum, Dachterrasse, Raucherpavillon und eine Videolounge, in der auch "genetflixt" werden kann. Zu dem rund 80köpfigen Personal gehören ebenso Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden und Fitness-Betreuer.
Im Herbst/Winter 2020 soll Einzug sein. Platz ist für 44 jüngere Bewohner - Aspida spricht von Gästen - und 66 über 60-Jährige. Pflege für Jung und Alt findet in zwei getrennten Bereichen auf vier Stockwerken statt. Zwölf Millionen Euro investiert die bauausführende Projektentwicklungsgesellschaft Leipzig; eine halbe schießt die Aspida für den Pflegecampus zu, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Thieswald. Wie viel ein Wohnheimplatz den Gast kostet, konnten die Chefs noch nicht sagen. Dafür verspricht Thieswald, der selbst Altenpfleger war, examinierten Altenpflegern ein Einstiegsgehalt von 2800 Euro brutto. Im Hause gilt eine eigene Arbeitsvertragsrichtlinie. Interessenten gebe es schon bei Gästen und Personal.