Pflege als Pflegefall

Protest in Auerbach: Die Diakonie machte am "Tag der Pflege" auf Missstände im Pflegebereich aufmerksam - und fordert ein Rettungspaket.

Auerbach - Die Situation in der Altenpflege ist kritisch: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt, doch es gibt zu wenig Pflegepersonal und die Bezahlung ist schlecht. Angehörige fühlen sich nicht ausreichend unterstützt und überhaupt: Die Finanzierung der Pflege langt nicht. Probleme und Ursachen sind bekannt und doch hat die Politik in den letzten Jahren wenig zur Lösung beigetragen.

Nun schlägt die Diakonie Alarm. Über 100 Mitarbeiter des Diakonischen Werkes im Kirchenbezirk Auerbach gingen am Montag in ihrer Mittagspause auf die Straße und forderten mit Pflegebedürftigen und Angehörigen zum Internationalen Tag der Pflege ein Rettungspaket. Die Auerbacher Diakonie pflegt rund 200 Bewohner in drei Pflegeheimen und einer Tagesstätte.

"Jeder Mensch möchte in Würde gepflegt werden. Es darf nicht vom Geldbeutel abhängen, ob man sich das leisten kann. Pflegekräfte brauchen faire Bezahlung und bessere gesellschaftliche Anerkennung", forderte Diakonie-Vorstand Alexander Flachsbart auf dem Auerbacher Neumarkt. Derweil äußerten sich am Montag überregional sächsische Politiker zum Problem. Landtagsmitglied Kerstin Lauterbach von der Linkspartei sieht die Pflege selbst als Pflegefall und wünscht einen Mindestlohn von 12,50 Euro für die Beschäftigten. Die SPD forderte - zum Tag der Pflege - ein eigenes Pflegegesetz für den Freistaat.

"Pflege in Sachsen muss endlich fit gemacht werden für die Herausforderungen der Zukunft", erklärten Fraktionschef Martin Dulig und SPD-Sozialpolitikerin Dagmar Neukirch. Sachsens Regierung möchte die Wertschätzung für Pflegeberufe erhöhen und bündelt Schritte dazu in einem Positionspapier. Morgen will Sozialministerin Christine Clauß (CDU) das Papier mit Vertretern der Pflegekassen, der Pflegedienste und des kommunalen Sozialverbandes unterzeichnen, wie ihr Ministerium mitteilt. Darin wird eine tarifgerechte Bezahlung der Auszubildenden gefordert. Angehörige und ehrenamtliche Pfleger sollen kostenlose Kurse bekommen, um die Aufgabe besser meistern zu können. mm