Pflasterstein gegen schlafende Familie

Es geht um Feigheit und gefährliche Körperverletzung: In Tannenbergsthal flog ein lebensgefährliches Wurfgeschoss durch ein Wohnzimmerfenster.

Muldenhammer/OT Tannenbergsthal - In der Nacht zum Sonntag splitterte eine Fensterscheibe in der Hammerbrücker Straße: In der Wohnung im Erdgeschoss schlief eine irakische Familie mit ihren fünf und neun Jahre alten Kindern. Wie die Polizei mitteilt, hatte eine Personengruppe zunächst Feuerwerkskörper geworfen und anschließend flog ein Pflasterstein durch das Wohnzimmerfenster.

Personen kamen wie durch ein Wunder nicht zu Schaden. "Die Kinderbetten stehen genau unter dem Fenster", sagt Bürgermeister Jürgen Mann. "Ein Kind war erkrankt - die Kinder schliefen ausnahmsweise im anderen Zimmer bei ihren Eltern. Und so ist glücklicherweise nichts passiert." Der Bürgermeister ist fassungslos: "Was sind das für Feiglinge, die so etwas machen?", fragt er. "Es ist das Letzte, wenn man keine Achtung mehr hat vor einer Familie. Mit Blick auf solch eine Ungeheuerlichkeit ist man geneigt, sich zu entschuldigen, ein Deutscher zu sein."

Nach Manns Angaben leben in dem Haus drei irakische Familien mit ihren acht Kindern. "Von vier angekündigten Familien sind die drei am Donnerstagabend angekommen." Die Stimmung in Bezug auf Flüchtlinge hätte der Bürgermeister eigentlich als gut eingeschätzt. "Bei uns hat sich ein Helferkreis von Kirchenmitgliedern und anderen Einwohnern gebildet, der sich ab heute um die Familien kümmert. Zum Beispiel wollen wir versuchen, die Kinder im Kindergarten zu integrieren."

Die Verständigung mit den Flüchtlingsfamilien sei natürlich dabei ein Problem. "Aber ich habe einen Mann bei Bergen gefunden, der ins Vogtland geheiratet hat und der perfekt Arabisch spricht. Er dolmetscht. Was die Familien durchgemacht haben, erfährt man erst im persönlichen Gespräch."

Der Anschlag passierte in der Nacht zu Sonntag, kurz vor 2 Uhr. Schon ein paar Minuten später war laut Bürgermeister die Polizei vor Ort. "Ein zweiter Streifenwagen und auch ich trafen kurze Zeit später ein. Der Einsatz eines Fährtenhundes hat leider kein Ergebnis gebracht." Jetzt ermittelt die Kripo wegen gefährlicher Körperverletzung und bittet Zeugen, sich zu melden. Laut Polizei gibt es Hinweise, dass bereits eine Nacht zuvor ein Feuerwerkskörper in der Nähe des Hauses gezündet wurde.

Und was macht die Gemeinde Muldenhammer? Bürgermeister Mann: "Ich habe bereits mit dem Ortschaftsrat und den Feuerwehrleuten gesprochen. Alle wollen die Augen offen halten und für extra Sicherheit sorgen. Wenn wir jetzt einknicken, dann haben die Gangster erreicht, was sie wollen." ufa