"Pflanze" aus dem Horrorladen

Lars Buchmann sammelt leidenschaftlich gern Postkarten und fotografiert selbst. Am liebsten seine Heimatstadt Plauen. Diese Hingabe teilt er seit einem Jahr auch im Internet, seine Gruppe umfasst weit über 7000 Freunde und Mitwirkende.

Plauen - "Ich finde Plauen ist eine wunderbare Stadt. Klar, gibt es auch Dreckecken und Kanten und es läuft manches nicht rund. Dennoch: meine Heimatstadt bietet sehr viel, es ist schön hier zu leben." Lars Buchmann, 33 Jahre, Erzieher, Plauener von Geburt an, schwärmt über die Vogtlandmetropole wie über eine berühmte Stadt und sammelt Belege in Bildform, die sein Lob, seinen Befund beweisen. Seit einem Jahr hat Buchmann dank Internet nun bei Facebook eine Seite am Laufen: "Wir sind Plauener - Stadt Plauen - Das Herz im Vogtland".

Der junge Mann mit Bärtchen und einem freundlichen Lächeln, erscheint zum Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger im Cafe Trömel mit einem Basecape und weitem, hellblauem Pullunder, das ihn als jung gebliebenen, lockeren Menschen charakterisiert. Als er den Hut hebt, erblickt die Umgebung eine hohe Stirn, macht nix, ein schönes Gesicht braucht viel Platz. Lars lacht. Das steckt an, schnell fängt er zu reden an, über sein Sammeln und Kaufen und Verkaufen und Tauschen von Postkarten, vornehmlich mit Plauener Motiven. Und dass er viel und vor allem in Plauen fotografiert.

"Ich habe durch die Plattform jetzt an die 6000 auf dem Portal, es zeigen sich vielfältige Seiten der Stadt, Momente, Historisches, Vergessenes, Neues, Ungewöhnliches. Ich mag besonders Fotos vom Vorher und Nachher. Da waren Schandflecken vor zehn, 20, 30 Jahren und jetzt ist da gebaut worden, hat sich was getan.

Daran merkt man als Bürger, wie sich Plauen verändert." Zu den Fotos gibt es auch viel Kommentare und Hinweise. Der Dialog lebt. Lars Buchmann aber sammelt eben nicht nur Bilder und erfreut sich an schicken Fassaden - das Dahinter ist ihm ebenso wichtig, das echte Leben eben. Jüngst hat sich zum ersten Mal ein Stammtisch getroffen. Fotos tauschen, Erinnerungen und Eindrücke wollen die Teilnehmer besprechen.

Jetzt steht für Buchmann ein fotografisch-kultureller Höhepunkt an. Diesen Samstag geht seine zweite 24- Stunden-Fotoaktion in und über Plauen in die zweite Auflage. "Von null Uhr bis 24 Uhr sind alle in unserer Gruppe aufgerufen zu fotografieren und den Tag in Momenten festzuhalten", sagt Buchmann, der die Idee von einer ähnlichen Aktion im Arte-TV hat.

Der Treff für das Gespräch, das Trömel, ist für ihn auch so ein Plauener Original, meint er. Mit Freude und Neugier sieht der Plauener die vielen Rahmen voller geschichtsträchtiger Schwarz-Weiß-Bilder. "Ich wäre gern einmal mit einer Zeitmaschine in den 1920ern unterwegs", gesteht er. Fantasie und Begeisterungsfähigkeit muss dieser Bursche haben, was Wunder, dass er von Beruf Erzieher ist und in der Rückert-Grundschule arbeitet.

"Ich sage Ihnen, es ist eine wundervolle Arbeit, die Schule, die Kinder, die Kollegen, ich fühl' mich sehr wohl da." Dass er da fest angestellt ist nach vielen Jahren der Unsicherheit, verleiht ihm die Ruhe und Sicherheit sich im Beruf einzubringen, in seiner Freizeit, im Freundeskreis, in der Familie.

"Neben dem Fotografieren gehe ich sehr gern und oft mit meinem Hund Mister Luki raus in die Natur. Das ist ein weiterer Punkt für Plauen. Ruck Zuck ist der Plauener draußen in Wald und Feld. Und Sie werden verstehen, dass ich nach einer intensiven schönen Arbeitswoche im Hort auch gern mal allein unterwegs bin und die Ruhe genieße." Lars Buchmann schlürft den Milchkaffee mit Genuss. Seine Blicke schweifen durch das Lokal, er nimmt für das Presse-Foto direkt vor einem großen Poster Platz.

Der Schnappschuss soll so wirken, als säße er 1921 etwa in dem großen Saal im Trömel gleich beim Tunnel. Zeitmaschine wahr gemacht, eben. Ja Fantasie hat der Bursche. "Ich bin ja auch ab und zu im Theater. Auf der Bühne", verrät er. "Ich habe schon öfters als Statist mitgewirkt, es ist faszinierend, das Zusammenarbeiten mit den Künstlern, die Aufregung vor dem Auftritt, das Drum und Dran, der Beifall."

Im Horrorladen hat Lars "die Pflanze" gegeben, in der Rocky Horror Picture Show war er mit dabei und für das neue Stück um Karl Marx will sich der Plauener auch wieder bewerben. Sagt's und macht sich auf den Weg. Daheim will er erstmal auf seiner Internetseite die neuen Nachrichten und Fotos seines geliebten Plauen durchsehen und sich auf 24 Stunden in Plauen vorbereiten. va