Pflänzchen mit Zukunft

Dem Bauernstand muss nicht bange sein - mit Blick auf Berufsnachwuchs wie Maria Zöphel. Die 22-Jährige bekommt das Zeugnis als Staatlich geprüfter Wirtschafter für Landwirtschaft - als Klassenbeste.

Mühlental/Unterwürschnitz - Die junge Frau vom Hofgut Eichigt hatte bereits in der Lehre zur Leistungsspitze gezählt. "Jetzt wollte ich mir beweisen, dass es noch ein bisschen besser geht." Lohn des Ehrgeizes ist ein Durchschnitt unter 1,5 - als einzige der 16 Schüler.
In der zweijährigen Ausbildung an der Fachschule für Landwirtschaft in Plauen wird alles gelehrt, was für Pflanzen- und Tierproduktion nötig ist. "In der Düngeberechnung zum Beispiel lernt man, die Vorfrucht zu beachten, die Feldgröße und welchen Einfluss Bodenqualität und Ackerzahl haben. Sollten Bodenproben genommen werden? Wie sieht es mit dem Gehalt an Kalk und Schwefel aus?", erklärt die junge Frau. "Klar, dass viel nicht immer viel hilft."
Noch ein Beispiel? Beim Tierfutter müsse der Bauer Eiweiß- und Energiegehalt im Blick behalten. "Über- oder Unterversorgung wäre schlecht für die Kuh; es ist wie beim Menschen. Wir streben immer gleiche Rationen an. Häufige Umstellungen in Menge und Zusammensetzung könnten Krankheiten (!) hervorrufen. Solche Tierarztkosten müssten nicht sein."
Frau Zöphel lobt den Vollzeitunterricht vom 1. November bis 30. März an der Landwirtschaftsschule in Plauen - auch wenn es Corona-Einschränkungen gab. "Wir hatten teilweise Homeoffice und Exkursionen sind weggefallen, die den Horizont weiten: in andere Betriebe, in Land- und Bundestag."
Die junge Frau ist auf dem familieneigenen Bauernhof in Unterwürschnitz groß geworden - mit 200 Rindern, davon 110 Milchkühen. Täglich geht sie den Eltern zur Hand. Ihre beiden größeren Schwestern sind als Krankenschwester und Altenpflegerin tätig. "Mir hat es auf dem Bauernhof immer schon Spaß gemacht: Ein Haufen Arbeit an 365 Tagen im Jahr - und viel Verantwortung. Aber jeder Tag ist anders, manchmal ändern sich alles von einer Minute auf die andere und ich muss das Beste draus machen."
Bereits in der dualen (Berufs)Ausbildung habe ihr die Abwechslung gefallen, nie eintönig, immer herausfordernd. Und das Geld? "Besser als bei meiner Freundin: Sie ist Erzieherin - und musste für die Ausbildung bezahlen."
Frau Zöphel arbeitet seit 2015 im Hofgut Eichigt, dem größten Bio-Betrieb Sachsens mit 1400 Milchkühen. Die Verantwortlichen dort wissen nach ihren Worten, dass sie auch ihren Landwirtschaftsmeister machen will - bald.
Könnte gut sein, dass sie in Zukunft den elterlichen Betrieb übernimmt. In der Familie werde oft diskutiert, wie es weitergeht. "In der Landwirtschaft wird das Geld knapp: Die Einkaufspreise für Material und Futter steigen, aber der Großhandel zahlt nicht mehr Geld für die Milch. Man muss sich Gedanken machen", sagt Frau Zöphel im Gespräch.
Möglichkeiten wäre ein Erlebnisbauernhof oder die Umstellung auf Bio. "Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich im Hofgut Eichigt sammeln konnte: Der Betrieb ist mittlerweile der größte Bio-Betrieb Sachsens", erklärt die die Blondine abschließend. ufa