Pfiffe der Müllwerker

"Es ist 5 vor 12" lautete das Motto - und 5 (Minuten) vor 12 (Uhr) begann gestern ein Warnstreik, mitten in Plauen: Die Leute der Kreisentsorgungs GmbH (KEV) fordern Lohngerechtigkeit und faire Bezahlung.

Plauen - Die Hauptforderung: Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Mit Pfeifen, Rasseln und Klappern (eine Handsirene war auch dabei) machten die gut 30 Männer auf ihre Ziele aufmerksam - vor dem Landratsamt am Plauener Postplatz: Der Vogtlandkreis ist Gesellschafter des Unternehmens, in dem rund 90 Leute arbeiten; Dezernent Lars Beck ist der Vorsitzende des Aufsichtsrates.
"Seit 13 Monaten versuchen wir einen Tarifvertrag zu bekommen", sagt Jens Toth, Mitglied der KEV-Tarifkommission. "Wir fordern den Tarifvertrag ,Öffentlicher Dienst‘, weil wir eine 100-prozentige Tochter des Landkreises sind. Doch das stößt auf taube Ohren. Angeblich hat das Landratsamt kein Geld für mehr Lohn."
Wie Toth (42) erklärt, ist das Unternehmen dennoch plötzlich dem privatwirtschaftlichen Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft beigetreten. "Die dort vereinbarten Löhne sind von 2016 - und zum Teil sind dort fixierte Dinge schlechter als das, was wir jetzt haben. Bei uns hat jeder den Lohn, den er individuell vereinbart hat. Wir wollen eine einheitliche Linie. Jeder soll wissen, wann er mit einer Lohnsteigerung dran ist", erklärt Toth.
Doch davon sei man weit entfernt, sagt ein Anderer aus der KEV-Tarifkommission. "Es gibt Kollegen, die sind Jahre dabei und haben weniger als neu eingestellte Leute. Andere bekommen ewig keinen Arbeitsvertrag, es gibt Fälle, wo dieser Zustand länger als ein Jahr währt."
Angaben der Tarifkommission zufolge hat Landrat Keil bisher kein Verhandlungsangebot auf den Tisch gelegt - "sonst stünden wir nicht hier. Wie wir gehört haben, soll im Aufsichtsrat über 4 Prozent Erhöhung rückwirkend für 2019 gesprochen worden sein und über weitere 3 Prozent für dieses Jahr. Offiziell ist jedoch nichts."
Stattdessen seien Einsparmaßnahmen im Gespräch. "Auf Deutsch: Mehr Arbeit für weniger Geld. Da machen wir nicht mit", sind sich die Kollegen einig. "Zudem hat Landrat Keil ausrichten lassen, dass er jegliche Verhandlungen ablehnt."
Das lässt Keil dementieren: "Am 2. Dezember fand ein Gespräch mit der Tarifkommission und Gewerkschaftern statt. Dort wurden Lohnerhöhungen für die Jahre 2020/21 in Höhe von 7 Prozent angeboten. Das Angebot wurde nicht angenommen. Zusätzlich muss man wissen, dass es bereits 2017 eine Erhöhung von 3 Prozent gab und 2018 eine Erhöhung um 5 Prozent."
Dagegen berichten KEV-Mitarbeiter, es habe viel Unruhe in der Führungsetage des Unternehmen gegeben, vor allem in den letzten Monaten: Die Geschäftsführer Nr. 3 und 4 hätten gerade gekündigt, die Hauptbuchhalterin sei weg, auch die Disponentin sowie auch der Betriebsstättenleiter aus Oelsnitz und der Technische Leiter.
Doch auf einen der verflossenen Chefs lassen die KEV-Mitarbeiter nichts kommen: "Wenn Geschäftsführer Dr. Uwe Schink nicht mehr oder weniger gegangen worden wäre, sähe die Situation heute viel besser aus. Mit ihm konnte man immer reden."
Andreas Schubert von der Gewerkschaft Verdi in Chemnitz und für die Entsorgungsbranche zuständig, fasste die Forderungen der Müllwerker zusammen und machte ihnen Mut - mit eigenen Songs und Gitarrenmusik.
Nach seinen Worten rangieren die Verdienste für Müllwerker in Sachsen von 10,50 Euro bis 17.90 Euro. "Bei der KEV liegen sie dazwischen." ufa