Pfarrer Sembdner in Markneukirchen ehren

Zur Veranstaltung in Markneukirchen mit den Aktivisten der ersten Wende-Demos, Vogtland-Anzeiger vom 12. Oktober, erreichten uns folgender Leserbrief:

"Wir, die mündigen Bürger von Markneukirchen, haben vor 20 Jahren mit Mut unseren Freiheitswillen bewiesen und unsere Bürgerrechte eingefordert.

Als einer der fünf Bürgersprecher der Großdemo möchte ich meinen persönlichen Respekt, Hochachtung und Dank nochmals Pfarrer Semdner gegenüber äußern: Seine Courage in diesen damals sehr, sehr gefährlichen Zeiten der Demos, ist bewundernswert!

Aus diesem Grund möchte ich meinen Vorschlag wiederholen: Zu Ehren Pfarrer Sembdners sollte der Stadtrat eine Umbenennung der Kirchstraße oder einer anderen Straße vornehmen. Hätten wir dieses nicht schon eher tun sollen, zu Lebzeiten des Pfarrers!? Wo wären denn die "mutigen Bürger" von Markneukirchen gelandet, wenn nicht dieser aufrichtiger Mensch seinen Mut bewiesen und die Kirchentore für das Volk geöffnet hätte?

 

Durch ihn, diesen hoch geschätzten Menschen, erhielten wir ein Gesicht, ein Sprachrohr - und den Schutz der Kirche. Damit konnte der Widerstand gegen das verbrecherische und verhasste Regime, beginnen! Die Öffnung der Kirchentore ermöglichte uns schon bei der ersten Demo, die damals revolutionäre Forderung zu stellen auf Verzicht des Führungsanspruches der SED. Die damaligen Regierenden, wurden dadurch sehr schnell über die Macht, die vom Volke ausgeht, belehrt.

Wir kämpften aber auch, um eine menschlichere und gerechtere Gesellschaft! Von unseren Forderungen sind wir aber noch meilenweit entfernt! Durch die herrschende Angst in allen Lebenslagen, durch Gier und Neid in der Gesellschaft ist der moralische Zerfall abzusehen!

Markneukirchen war an der prozentualen Beteiligung der Demonstranten, gemessen an der Einwohnerzahl, die aktivste Stadt in Sachsen! Zur Ehren der Bürger der Stadt und Umgebung, die an diesem historischen Ereignis teilgenommen haben, sollte die Stadt einen Fotowettbewerb ausschreiben. Die Fotos sollten im Rathaus ausgestellt, in der Markneukirchner Zeitung und auf der Homepage der Stadt veröffentlich werden."  Bernd Harbig