Pfarrer Roßbach feiert großen Abschied

Scheiden Pfarrer aus, nehmen daran mehr Menschen Anteil, als würde eine Verkäuferin plötzlich nicht mehr an der Kasse sitzen. Doch dass die Plätze in Kirche und Extra-Zelt nicht reichen - das ist die Ausnahme.

Vor und hinter der Zeltplane versammelten sich am Sonntag die Menschen, die gemeinsam mit Gerhard Roßbach und seiner Ehefrau Christel den Abschied in den Ruhestand begleiten wollten. Posaunen- und Kirchenchor, ein Mini-Orchester, die Christenlehre-Kinder und ein gemischter Chor von "Kirche unterwegs" unterhielten. Diakon Klaus Tietze überbrachte die Grüße der rund 550 Köpfe zählenden Moritzburger Diakonengemeinschaft. Dies jedoch nicht, ohne auf die Vorzüge von Moritzburg zu verweisen. "Leider haben wir hier mehr Teiche als Flüsse. Sonst würde es mit Sicherheit einen Roßbach geben", leitete er zu.

 

einer Veranstaltung über: "Während gerade die Hengstparade stattfindet, wird hier einer aus dem Rennen geworfen." Dass es sich mit Roßbach um das "beste Pferd im Stall" handelt, quittierten hunderte Gäste mit Beifall. "Doch ich glaube, der wird auch außer Konkurrenz noch mitlaufen", vermutete Tietze. Muss nicht sein. "Die räumliche Trennung wird es leichter machen, klare Grenzen zu ziehen und den Nachfolgern den nötigen Freiraum zu geben", sagte Superintendent Matthias Bartsch.

Das Paar bezieht das Elternhaus in Bad Elster. Angesichts gesundheitlicher Probleme sei es ohnehin schwer gewesen, diese Zielgerade zu erreichen. "Daher möge sich die Entlastung vom Dienst auch positiv auf die Gesundheit auswirken", sagte Bartsch. Gerhard Roßbach hat für seine Gemeinde mit den drei Schwestergemeinden gelebt und gelitten. Bürokratie nahm er hin - ohne sie zu lieben. Bartsch: "Ein Verwaltungsmensch waren Sie wohl eher nicht." Obwohl es in einer alten Akte heißt: "Bruder Roßbach könnte ein guter Mitarbeiter in der Verwaltung sein." "Das muss lange her sein", konterte Roßbach.

Toll fand er es, dass ausgerechnet sein Trauspruch "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat" zum Inhalt dieses Abschiedsgottesdienst erhoben wurde. Auch Christiane Seidel vom Jocketaer Kirchenvorstand würdigte den Diakon und bedauerte den Wegzug und sprach offensichtlich vielen aus dem Herzen.  mam