Pfarrer mit eigener Zeitung

Marcus Hofmann ist seit einem Jahr in Plauen und seit fast 100 Tagen Pfarrer der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde. Sein Rück- und Vorausblick fällt positiv aus, es gibt viel zu tun. Und er fühlt sich in Plauen ausgesprochen wohl.

Von Frank Blenz

Plauen Marcus Hoffmann ist Pfarrer der neu gegründeten Römisch-katholischen Pfarrei Herz Jesu Plauen. Seit dem vergangenen Sommer arbeitet der gebürtige Thüringer in Plauen, zunächst in der Seelsorge, seit fast 100 Tagen als Pfarrer. Marcus Hoffmann löste den bisherigen Pfarrer Heinz-Claus Bahmann ab, der in den wohl verdienten Ruhestand ging. Dieser Personalwechsel ist auch einer der Gründe der Neugründung. Mit Unterstützung durch seinen Pfarrer-Kollegen Joachim Höffner meistert der Mittvierziger Hoffmann den Alltag der Kirchengemeinde mit zahlreichen Aufgaben und Terminen. Es gibt viel zu tun, gerade in Zeiten von Veränderungen, Neuorientierungen, Aufbruch.
16 Mal die
Wohnung gewechselt

Sein erstes Fazit nach fast 100 Tagen? "Ich fühle mich wohl in Plauen, im Vogtland. Hier passiert viel Schönes, die Leute sind sehr aktiv. Ich bin auch bisher vor meiner Zeit hier viel rumgekommen, habe 16 Mal die Wohnung gewechselt. Und was die Arbeit betrifft: Jeder Tag ist anders, es bedarf eines intensiven Kalendermanagements", sagt der jünger wirkende Mann, von dem eine überaus, freundliche, optimistische Ausstrahlung ausgeht.
Einerseits wirkt Marcus Hoffmann, der in Erfurt und Regensburg Theologie studierte und dort die Priesterausbildung absolvierte, erfrischend temperamentvoll, schnell und tatendurstig. Andererseits redet er ruhig und wohl formulierend. Stets scheint es, als stünde der Pfarrer wie ein , selbstbewusster Kapitän auf dem Deck seines Schiffes, das er für seine wachsende Seelengemeinde lenkt. Denn zu seiner Pfarrei Plauen mit den bisherigen Gemeinden Oelsnitz, Weischlitz und Mühltroff kamen Adorf, Bad Elster und Markneukirchen hinzu. Die Zahl der von ihm betreuten Katholiken ist damit von 2400 auf etwa 3000 gewachsen. Die Besucherzahlen bei den Gottesdiensten sind stabil, so Hoffmann, der beobachtet, dass gerade bei festlichen Terminen auch viele Gäste von außerhalb der Gemeinde teilnehmen.
Thüringer Klöße
und Berlinale

Neue Akzente setzt Hoffmann in der Zusammenarbeit mit Familien. Das religiöse Leben wird aus der Kirchgemeinde heraus inspiriert, doch die Eltern sind zunehmend aufgerufen, ihre Kinder in der religiösen Bildung deutlicher zu begleiten. Dabei will Hoffmann sie unterstützen.. "Ich nenne es nicht Religionsunterricht, diese Arbeit liegt im Bereich der Katechese", sagt der Theologe. Katechese ist "übersetzt" die praktische Einführung in den christlichen Glauben.
Marcus Hoffmann bringt sich vielfältig in das Gemeindeleben ein, auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Ein Beispiel ist das Informationsblatt "Kirchturmgezwitscher", eine Art Zeitschrift, die von ihm und einem Redaktionsteam produziert wird und den Alltag, Wissenswertes, den Austausch von Informationen und Gedanken in der Gemeinde zum Inhalt hat. Fotos und ein frisches Layout ergeben eine ansprechende Publikation, die ab der nächsten Ausgabe sogar in der ganzen Region in den Briefkästen der Haushalte verteilt wird.
Sich für den Alltag des Pfarrers geistig und körperlich fit zu halten, bedarf einer ausgefüllten Freizeit. Gern kocht Marcus Hoffmann, als Altenburger, klar, auch Thüringer Klöße. "Ich bin auch begeisterter Cineast, seit einigen Jahren besuche ich das Filmfestival Berlinale." Und die körperliche Fitness stärkt der 45-Jährige mit Wandern, Radfahren, Schwimmen.
"Gemeindeleben nicht an
meiner Person festmachen"

Auf Reisen geht er, wenn es die Zeit erlaubt - Städte, auch ein paar Tage im Kloster, wie jüngst zwischen den Feiertagen, sind Ziele. Und Bücher sind seine Leidenschaft, was Wunder. "Ich bin ja Theologe", meint er lächelnd.
"Acht bis zwölf Jahre - das ist so ein Zeitraum, den man sich als Pfarrer für eine Arbeitsdauer an einem Ort vornimmt. Das hat etwas damit zu tun, dass in dieser Zeitspanne Dinge gut angegangen, angestoßen werden können, dass man diese Zeit gut ausfüllen kann, ohne in Routine zu geraten. Es soll ja auch so sein, dass das Gemeindeleben nicht an meiner Person festgemacht wird."