Pausenklingel hat Pause

Grundschüler im Vogtland lernen wieder im Klassenzimmer. Wie immer - fast. Es gibt versetzte Unterrichts- und Pausenzeiten und in mancher Toilette wird Maske getragen.

Von Cornelia Henze

Die meisten Schulleiter haben ihren Job mit dem eines Verkehrslogistikers oder Dispatchers getauscht. Sie lotsen, über welche Zugänge bestimmte Klassen wann und wie die Schule betreten und verlassen. Auf den Fluren weisen Klebestreifen die Laufrichtung. Der Plan: Kinder unterschiedlicher Klassen sollten sich nicht begegnen.
Von hohem logistischen Aufwand und vielen Eltern-Anrufen spricht Undine Schneider, Schulleiterin der Karl-Marx-Schule Plauen und mit 380 Kindern der größten Grundschule im Vogtland. "Wir haben 100 ausländische Kinder in 20 Nationalitäten - da ist es schwierig, einen vierseitigen Elternbrief zu verstehen", erklärt die Schulleiterin. Den vielen anrufenden Eltern ging es darum, die gestaffelten und verkürzten Unterrichtszeiten und Regeln auf dem Schulgelände zu verstehen. 15 Klassen gilt es zu lotsen - für je fünf beginnt der Schultag zur gleichen Zeit, die anderen folgen. Der späteste Schulbeginn wurde auf 8 Uhr gelegt. Die zwei Schulhöfe haben die Karl-Marx-Lehrer in sechs kleine geteilt, zum Essen geht es über zwei Eingänge. Wer auf die Toilette muss, setzt die Maske auf. Alle Pausen sind zeitversetzt. "Ich gehe davon aus, dass der Schulalltag länger so aussehen wird. Die Kinder werden sich daran gewöhnen, und wir müssen einiges noch nachjustieren", sagt die Schulleiterin. Im Flur hängt eine Tafel aus, an die Lehrer und Kinder schreiben können, was sie bewegt, was ok ist und was nicht.
Viele Kinder haben sich gefreut, endlich wieder in der Schule zu sein und neben dem Banknachbarn zu sitzen. Denn den gibt es wieder innerhalb der eigenen Klasse, sagt Ines Geyer, Schulleiterin der Neuber-Grundschule in Reichenbach. "Die Kinder waren sehr diszipliniert, die Eltern haben gut mitgespielt", freut sie sich. Ein großes Dankeschön geht von der Schulleiterin an die Kollegen und die Eltern, die während des Homeschoolings unkompliziert Lernstoff über soziale Netzwerke weiterleiteten. Der Unterricht jetzt beschränkt sich auf die Kernfächer Mathe, Deutsch, Sachunterricht. Der Schwimmunterricht entfällt. Sport gibt es nur in Form von Bewegung auf dem Schulhof. Singen sei verboten, denn dadurch könnten sich Kinder untereinander mit Viren schneller anstecken. Malen und basteln lockert die Kernfächer auf und kommen dem Fach "Kunst" sehr nah. Im Schulhaus tragen die Kinder Masken, im Unterricht nicht.
Gut durchgeplant mit zeitversetztem Unterricht und Pausen habe man den Tag für die 216 Schüler, sagt Annette Strobel, Direktorin der Sigmund-Jähn-Grundschule Klingenthal. In den Schulfluren geht es zu wie im Verkehrsgarten: Es gibt Einbahnstraßen und es gilt Rechtsverkehr. Da in Klingenthal alle Schularten quasi unter einem Dach vereint sind, ist es nicht ganz einfach, ein Zusammentreffen mit Oberschülern oder Gymnasiasten zu vermeiden. "Alles vorschriftsmäßig einzuhalten, ist eine große Herausforderung und unheimlich anstrengend", so Strobel. Gestaffelt nach Zeiten beginnt der Unterricht unterschiedlich: Für die Vierer erst 9 Uhr. Das Klingelzeichen zu Stunde und Pause ist ausgesetzt - wie übrigens auch an den anderen befragten Schulen. Manche kleineren Kinder seien irritiert wegen der Masken.
Drei Treppenhäuser, viele Klassenzimmer, ein großer Sportplatz: "Wir sind in der komfortablen Lage, für unsere 220 Schüler viel Platz zu haben", freut sich Annett Josiger, Schulleiterin der Auerbacher Diesterweg-Grundschule. Im Schulhaus tragen viele Kinder Masken; auch hier sind die Stunden-, Pausen- und Toilettenzeiten zeitversetzt und bedürfen logistischen Geschicks. In allen befragten Schulen waren fast alle Kinder am Start: Jeweils etwa ein Dutzend Kinder blieben auf Wunsch der Eltern zu Hause. Etliche haben dafür gute Gründe, etwa wegen eines gefährdeten Familienmitgliedes. Alle Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, wären gerne und freiwillig in die Schulen zurück gekehrt, hieß es an den Schulen.