Paukenschlag mit Taxi

Junge Talente von der Musikschule Rodewisch werden ab Montag vom Taxi abgeholt. Das "Musikschultaxi" ist ein gefördertes Modellprojekt und in Deutschland einmalig. Es befördert vor allem auf dem Dorf lebende Schüler.

Von Cornelia Henze

Rodewisch - Andy Hammig freut sich. "Wenn ich meine Tochter nicht mehr fahren muss, ist mehr Zeit für meine Arbeit", sagt der Mann aus Schönheide, der als Pfarrer einer Kirchgemeinde vor allem nachmittags und abends seelsorgerisch unterwegs ist. 
Der Schwerpunkt liegt dabei auf Dienstagabend. Wöchentlich von 19 bis 20.30 Uhr hat die 15-jährige Rahel Hammig Probe im Musikschulkammerorchester von Dr. Harald Gerhard. 
Seit über neun Jahren nimmt sie an der Musikschule Rodewisch Geigenunterricht. Mittwochs eine Einzelstunde, dienstags Orchester. Rahel, die am Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch lernt, wird ab nun ein Mal pro Woche vom Eltern- auf das für sie kostenlose Musikschultaxi umsteigen.
Das ist ein Ford Tourneo, ein Kleinbus mit sieben Plätzen. Den achten nimmt selbstverständlich der Fahrer ein: Ulrich Oelschlegel (59) wurde für 30 Wochenstunden angestellt. Seine Fahrtzeiten beginnen am zeitigen Nachmittag und enden nach 21 Uhr. "Mit dem kostenlosen Musikschultaxi können wir viele Eltern entlasten. Das war uns schon lange ein Anliegen", so Musikschulgeschäftsführer Peter Wappler. 
Schon vor zwei Jahren hat man an der Idee Musikschultaxi gefeilt und diese beim Ideenwettbewerb der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung eingereicht. Diese Behörde lobte ein Förderprogramm für Ideen aus, die der kulturellen Teilhabe von Menschen, die auf dem Lande leben, nützt. Und das ist bei dem Rodewischer Projekt der Fall. Manche Elternhäuser verzichten auf den Musikschulunterricht deshalb, weil sie auf dem Dorf leben und die regelmäßigen Fahrten ihrer Kinder in die Stadt zur Musikschule nicht leisten können. Dorfkinder sind also benachteiligt. 
Von 900 eingereichten Projektskizzen wurden nun 270 von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert - Rodewisch war darunter und erhielt sogar als eine der ersten die Zusage. Die Fördersumme beträgt 100 000 Euro. Gefördert wird drei Jahre lang. "Danach werden wir sehen, ob wir das Taxi aufrechterhalten können. Vielleicht über Spenden, Sponsoren oder eine Beteiligung durch die Eltern", schaut Peter Wappler in die Zukunft.
Am Montag ist erst Mal die Jungfernfahrt. Als Erste werden in Schönheide eine Cellistin und aus Rothenkirchen Kinder, die an der Musiktheorie teilnehmen, abgeholt. 25 von 800 Rodewischer Musikschülern kommen vorerst in den Genuss, vom Taxi geholt und gebracht zu werden. Ulrich Oelschlegel tourt zwischen Rodewisch und Steinberg, Schönheide, Crinitzberg, Bergen, Stangengrün bis Eibenstock und Johannstadt.