Patrick Addai aus Ghana zu Gast in Plauen

Im Urwald luden die Vögel die Schildkröte zu einem Fest auf einem großen Baum ein, obwohl sie wussten, dass es für eine Schildkröte unmöglich ist, auf einen hohen Baum zu klettern. Als die Schildkröte die Einladung erhielt, freute sie sich und bedankte sich bei den Vögeln.

 

In der Einladung stand, dass die Schildkröte innerhalb einer Woche mitteilen solle, ob sie komme oder nicht. Wie sie sich dabei verhielt war eine der Geschichten, die Patrick Addai den Kindern zum Sommerfest in der Kinderbibliothek am Donnerstag nicht nur erzählte, sondern vor allem vorspielte.

 

Etwas Besonderes sollte zum diesjährigen Fest in den großen Ferien geboten werden. Durch einen Bericht über die Kultur-Lesetage in Oberfranken wurden die Plauener auf den afrikanischen Autor aufmerksam.

 

Patrick K. Addai stammt aus dem Volk der Ashanti in Ghana. Wegen des Studium der Volkswirtschaft, der Soziologie und Politologie kam er 1990 nach Österreich. Einige Jahre war er Schauspieler am Theater des Kindes in Linz. Er ist Kulturbotschafter der Welthungerhilfe und erhielt 1999 den Interkulturpreis.

Im gleichen Jahr begann er Bücher zu schreiben. Sein erstes ,,Die Großmutter übernimmt das Fernsehen" ist bereits in der fünften Auflage erschienen. Er greift dabei auf alte Märchen seiner eigenen Großmutter zurück und beweist, dass Lesen noch spannender sein kann als Fernsehen. In Afrika gibt es wenig TV-Geräte, also kommen die Menschen abends zusammen, um den Geschichten zu lauschen, die von älteren Dorfbewohnern erzählt werden.

Mit seinen Büchern möchte er afrikanische Traditionen und Kulturen bekannter und verständlicher machen. Mehrere Charity-Projekte rief er bereits ins Leben. Der gesamte Erlös seiner Bücher, mittlerweile acht an der Zahl, fließt unter anderen direkt in die Welthungerhilfe. Um Freundschaften, das Leben und Weisheit geht es in seinen Geschichten. Doch trotz Lesereise wird nicht gelesen. Addai lebt die Bücher förmlich. Mit vollem Körpereinsatz und afrikanischen Trommelklängen zieht er die Kinder in seinen Bann und fasziniert auch Erwachsene.

Gespannt lauschen die Kids dem Mann aus Ghana weit über eine Stunde und sind voll dabei. Mit lustigen Gesichtsausdrücken und ungewöhnlichen Bewegungen bringt er die Meute immer wieder zum Lachen und animiert zum Mitmachen. Mit Fragen bezieht er sein Publikum ein, was dessen volle Aufmerksamkeit erfordert.

,,Kofi - Das afrikanische Kind" handelt von Kofi Annan, dem er selbst das Buch überreichte. Annan war begeistert von dem ihm gewidmeten Buch über einen Jungen aus Ghana, der unbedingt zu Schule gehen möchte, um für den Frieden in der Welt zu arbeiten. Auch Erwachsene hatten am Donnerstag die Möglichkeit, sich von seinem Temperament inspirieren zu lassen. Abends fand eine Märchenstunde in der Jugendherberge statt, bei der er Auszüge aus seinem einzigen Buch für große Leute ,,Worte sind schön, aber Hühner legen Eier" präsentierte.

Sinnsprüche aus seinem Heimatland übersetzt er nahezu perfekt ins Deutsche, was eigentlich fast unmöglich ist. Raus kommen dabei Sprüche wie "Der Hahn, der am Morgen kräht, gehört nur einer Familie. Doch seine Stimme ist das Eigentum der ganzen Nachbarschaft. " "Ich habe von Anfang an in deutsch geschrieben. Oft bin ich in Deutschland unterwegs und wohne in Österreich. Den Leuten hier will ich meine Kultur näher bringen. Sehr schwer war es, die Sprichwörter zu übersetzen aber es ist machbar und ich habe mich getraut.", sagt der Autor und Musiker.

Nach diesem spannenden und unterhaltsamen Geschichtenerlebnis konnten die Kinder dem Regen trotzen und im Hof das Bastelzelt entern. Dort werkelten bereits einige an afrikanisch anmutenden Rüttel-Schüttel-Instrumenten. Andere nahmen sich gleich neuen Lesestoff mit nach Hause. S. Rössel