Pappeln in Notaktion gefällt

Lottengrün - Die markante Pappelreihe am Radwanderweg in Lottengrün zog Jahrzehnte die Blicke an - schon aus der Ferne. Doch nun sind die Bäume unvermittelt verschwunden. Nur die hohen Stümpfe sind geblieben.

 

"Mir fehlt der Anblick", sagt Uwe Dicker, der seinen Garafion, einen Hütehund von der Insel La Palma, abendlich ausführt.

Seit einigen Jahren war zu beobachten, wie die Kronen einiger Bäume kahl wurden. Die Gülle vom angrenzenden Feld war schuld, vermutet der Hundefreund. Auch Bürgermeister Reiner Körner zeigt sich überrascht. "Ich habe erst am Tag der Fällung davon erfahren", sagt er. Seiner Meinung nach liegt der Weg aber nicht auf dem Gebiet der Gemeinde Tirpersdorf.

"Der beschränkt öffentliche Weg zwischen Zaulsdorf und Lottengrün war bis 1997 Kreisstraße des Vogtlandkreises und befindet sich sehr wohl auf dem Gebiet der Gemeinde Tirpersdorf", hält Landkreis-Sprecherin Kerstin Büttner dagegen. Nach der Abstufung sei der Weg beschränkt gewidmet für Fußgänger- und Radverkehr. Er sei als Radwanderweg ausgewiesen. "Der Zustand der Baumreihe stellte eine Gefahr für die Nutzer des Weges dar", erklärt Büttner auf Anfrage Stein des Anstoßes sei die berechtigte Beschwerde der Anlieger gewesen. "Erste Bäume fielen auf das angrenzende Feld und behinderten die Bewirtschaftung der Flächen erheblich", so die Sprecherin.

Mit der Notfällung der Reihe von 47 Pyramidenpappeln - sie werden oft auch als Italienische Pappeln bezeichnet - habe der Landkreis als Eigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht Rechnung getragen. Zum Einsatz kam der Eigenbetrieb des Landkreises. Auch wenn der baumgesäumte Weg oft so bezeichnet wurde - es handele sich nicht um eine Allee. Abgestimmt worden sei die Maßnahme zwischen der Gemeindeverwaltung, der Unteren Naturschutzbehörde, der Verwaltungsverbandsverwaltung und der Landkreisverwaltung. Auch die Anlieger erhielten Kenntnis von der beabsichtigten Fällung, hält die Sprecherin fest."Über das Alter der eigentlich kurzlebigen Pappeln können wir keine genauen Angaben machen. Sie dürften in den 50er Jahren angepflanzt wurden sein", erklärt Frau Büttner. Weil die Verkehrsicherungsmaßnahme nicht in den Geltungsbereich der Baumschutzsatzung falle, sei eine Ersatzpflanzung nicht zwingend vorgeschrieben. Der Landkreis betrachte die Maßnahme jedoch als Eingriff in den Naturhaushalt und fühle sich dem Naturschutz verpflichtet. Deshalb soll eine Ausgleichsmaßnahme erfolgen. Dazu bedürfe es weiterer Abstimmungen mit der Naturschutzbehörde.

Das genaue Alter der Pappelreihe kennt auch der Lottengrüner Ortschronist Manfred Gerbeth nicht. Doch er weiß: "Die Pappeln standen so lange wie ich alt bin." Am kommenden Montag feiert Gerbeth seinen 73. Geburtstag. Die Pappeln - ein Weidengewächs - stellen mit 60 Jahren ihr Wachstum ein.

Bürgermeister Körner hat erfahren, dass nun Ahornbäume gepflanzt werden sollen. Die Pappelstümpfe seien deshalb in einem Meter Höhe stehen geblieben, damit niemand über den Wegrand fahren kann. Wenn der Ahorn eine gewisse Höhe erreicht hat, werde auch der Rest der Pappelstämme entfernt.  Renate Wöllner