Panzerkreuzer Potemkin ankert in Zwota

Der russische Panzerkreuzer Potemkin gehört zu Schiffen mit Geschichte. Seine begann am 27. Juni 1905 mit einer Meuterei, die 1925 vom russischen Regisseur Sergej Eisenstein verfilmt wurde. Am Samstag legte das auch durch den Film weltberühmt gewordene Schiff am Walfischteich in Zwota an.

Von Helmut Schlangstedt

Zwota - Der russische Panzerkreuzer Potemkin ging in Zwota vor Anker. Allerdings nicht im Original sondern als Modell im Maßstab 1:100, mit rund 107 cm Länge immer noch recht beachtlich. Sein "Kapitän" ist heute Karl Kastner aus Linz in Österreich, der schon seit 40 Jahren Schiffsmodelle baut. Er war zum 22. Schiffsmodellbauertreffen der Interessengemeinschaft der "Vogtlandkapitäne" nach Zwota gereist, das hier mit tatkräftiger Unterstützung des Gasthofs "Zum Walfisch" bereits zum fünften Mal stattfand. Ein geradezu idealer Ort für den Cheforganisator des Treffens Gunter Schröpfer aus Plauen, mit dem den Österreicher mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet. 
Die Potemkin sei sein neuestes Modell berichtet er, bei dem er jedes, aber auch wirklich jedes Einzelteil, selbst angefertigt hat. So besteht das Holzdeck aus gut 1500 miteinander verleimten Stäbchen, die er aus Furnier ausgeschnitten hat. Man kann also beim Betrachten der Details nur mehr als erstaunt mit dem Kopf schütteln. Egal, ob es piepselige Gitterroste, kleine Bordkanonen oder die konischen Masten mit Ausguck sind. Geschätzte 5000 Teile sind hier in rund anderthalb Jahren Bauzeit zusammengewachsen. Im glasfaserverstärkten Rumpf sorgen zwei spezielle langsam laufende Elektromotoren für den Antrieb der Schiffsschrauben über ein Kardangelenk, und für eine besonders präzise Rudersteuerung über einen Zahnriemen kommt ein Servomotor zum Einsatz. Er hätte aber auch schon Modelle mit Dampfmaschine gebaut. Einige Teile hätte er sich allerdings doch anfertigen lassen, nämlich die Wappen an Bug und Heck aus vergoldetem Silber, schmunzelt Karl Kastner. Sein größtes Modell sei übrigens die Titanic vor 20 Jahren als echtes Funktionsmodell mit 2,70 m Länge gewesen, das er einige Jahre später verkauft hätte.
Nicht minder interessant das neueste Modell vom "Chef" der Vogtlandkapitäne Gunter Schröpfer selbst, das nach einer bewegten Geschichte noch heute im Original als ältester, fahrtüchtiger, und kohlebefeuerter Dampfschlepper Deutschlands mit 22 m Länge existiert. Benannt nach dem Hamburger Strombaumeister Reinhard Woltman wurde er 1904 wurde von der Werft der Gebrüder Sachsenberg in Roßlau im Auftrag der Schiffahrts- und Hafen-Deputation Hamburg als Ersatz für einen anderen Schlepper gleichen Namens gebaut. Er diente als Arbeitsschiff zum Schleppen von sog. Baggerschuten, das sind antriebslose Baggerschiffe. 
Bis 1976 war es ohne nennenswerte Reparaturen im Einsatz, danach wurde es in die Niederlande verkauft, wo es vor sich hingammelte. 1984 kaufte es der Museumshafen Kappeln zurück, wo es von Rentnern, ehemaligen Fachleuten, in zehnjähriger Arbeit und danach für weitere vier Jahre durch den Verein "Jugend in Arbeit" in Hamburg renoviert wurde.
 Seit 2004 liegt es im Museumshafen Hamburg-Övelgönne zusammen mit anderen Schiffen und steht seit 2018 auf der Hamburger Denkmalliste. Sogar Besucherfahrten werden durchgeführt. Aber auch das Modell hat es in sich.
 Besonders der Antrieb mit einer Zweizylinder-Dampfmaschine, wie das Original, mit je einem Kubikzentimeter Hubraum mit Propangasbefeuerung des Dampfkessels mit 1,5 - 2 bar Dampfdruck ist eine Schau für sich. Rund 25 Minuten könne er damit fahren, meint Gunter Schröpfer.
Sowohl die "Potemkin" als auch die "Woltman" hatten noch nie Wasser unterm Kiel, weshalb beide Schiffe im Beisein zahlreicher Besucher und der rund 60 Schiffsmodellbauer aus fast ganz Deutschland, Österreich und Tschechien getauft wurden, bevor sie ihre Jungfernfahrt antraten. Aber auch viele andere der rund 120 Modelle, etwa ein großes Trockendock mit Schiff, zogen bewundernde Blicke auf sich. Modellbaufreunde kamen in Zwota an einem sonnenverwöhnten Tag wieder einmal voll auf ihr Kosten.