"Palast der Gespenster"

Fünf Fragen an Heike Bittner, Co-Regisseurin eines Films über den 7. Oktober '89

Die da oben konnten nicht mehr - die da unten wollten nicht mehr: Vor 30 Jahren fand die friedliche Revolution in der DDR statt. Ein Dokumentarfilm zeigt am Beispiel von Berlin und Plauen, was los war zum Republikgeburtstag 1989. Der 90-minütige Streifen ist am 1. Oktober auf ARTE zu sehen und am 6. Oktober im MDR. "Die Interviews sind im Kasten, wir arbeiten am Schnitt", sagt "Ostfrau" Heike Bittner aus Dresden, die mit ihrem (West)Berliner Kollegen Dr. Torsten Körner Regie führt. Der Vogtland-Anzeiger sprach mit der 55-jährigen Dokumentarfilmerin und Autorin.

Frau Bittner, wie wird der Film heißen?

Es gibt bisher einen Arbeitstitel: "Palast der Gespenster"; es wird der dritte abendfüllende Dokumentarfilm nach "Zug in die Freiheit" und "Das Wunder von Leipzig" aus den vergangenen Jahren.

Was zeigt der Film?

Den 7. Oktober 1989 am Beispiel von Berlin und Plauen: In der DDR-Hauptstadt wird der 40. Republikgeburtstag mit großem Pomp gefeiert, in der Provinz in Plauen findet mit etwa 15 000 Teilnehmern die bis dahin größte Demonstration der DDR statt. In Berlin wird auch demonstriert - und mehr als 1000 Leute werden verhaftet, in Plauen - im Vergleich zur Einwohnerzahl - mit 61 Leuten etwa gleichviele festgesetzt. Die Demo in Plauen bekommt leider nicht den Stellenwert im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft, weil keine Bilder um die Welt gehen wie von der Demo in Leipzig ein paar Tage später. 

Mit wem haben Sie gesprochen für den Film?

Mein Kollege Dr. Torsten Körner hat die Interviews in Berlin geführt, zum Beispiel mit Leuten, die im Palast gearbeitet haben, als die Staatsführung gefeiert hat, mit Verhafteten, aber auch mit Vertretern der Staatsmacht wie Eberhard Aurich, dem Chef der Freien Deutschen Jugend. Ich habe mit den Plauenern gesprochen.

Wen haben Sie in Plauen befragt?

Demonstranten wie Siegmar Wolf (malte das erste Plakat seines Lebens), Martin Flach, Jens Bühring (der verhaftet wurde) und Jörg Schneider, Steffen Kollwitz, Theaterchef Peter Radestock, den Oelsnitzer Polizeichef Ralf Geigenmüller, Vize-Bürgermeister Janfried Döhler, das Ehepaar Braun. Nicht alle Gesprächspartner werden im Film zu sehen sein. Und nicht mit allen Wunschkandidaten kam ein Gespräch zustande: Der Gesundheitszustand des ehemaligen Superintendenten Thomas Küttler ließ das nicht zu und der Tod von Alt-Bürgermeister Norbert Martin verhinderte es.

Was hat Sie berührt?

Die zupackende Art der Plauener, der große Mut der Vogtländer: Ihnen war klar, es muss sich was ändern - und sie haben gehandelt. Auch der damalige Kulturbürgermeister Peter Seeburg hat mich beeindruckt, das Gespräch war voller Weisheit: Er verfolgte die Vision eines guten Sozialismus und hatte mit dafür gekämpft, die Festhalle Plauen zu bauen.    ufa