Ovationen für Cellist Ramon Jaffe

Kein Zweifel - dieses 7. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie hat selbst dem anspruchsvollsten Konzertgast gefallen, mehr noch: Da gab es Begeisterung pur, und dies sowohl nach dem Auftritt von Ramon Jaffé als auch am Ende nach Schumanns "Frühlingssinfonie".

 

Tatsächlich war das ein höchst attraktives Programm, was im Reichenbacher Neuberinhaus geboten wurde: eingangs die "St. Paul?s Suite" von Gustav Holst, danach das Konzert für Violincello und Blasorchester von Friedrich Gulda und nach der Pause die 1. Sinfonie B-Dur op. 38 von Robert Schumann - ein Angebot, das Konzertfreunde aus dem weiten Umkreis angelockt hatte.

  Multikünstler begeistert    Im Zentrum der Reichenbacher Begeisterung stand zunächst der Gastsolist Ramon Jaffé, ein Multikünstler, nicht nur Cellist par excellence - in dieser Eigenschaft als Dozent an der Dresdener Hochschule für Musik Carl Maria von Weber tätig und mit einer regen Konzerttätigkeit unterwegs, sondern auch ausgestattet mit Affinität für die Kammermusik (er hat bereits 24 CDs bespielt) und einem besonderen Faible für Jazz und vor allem Flamenco. Hatte er schon im mit etwa 120 Interessierten überaus gut besuchten Einführungsgespräch Sympathien und Neugier geweckt, so überzeugte er erst recht in seinen Auftritten im Gulda-Konzert und den nachfolgend notwendig gewordenen Zugaben: Hier spielte ein Virtuose nicht nur seinen Solopart, hier ist einer geradezu vernarrt in sein Instrument und seine Musik, ausgestattet mit einer Ausstrahlung, die Publikum und Philharmoniker gleichermaßen mitriss.

Dabei ist nicht zu verhehlen, dass Friedrich Guldas Cellokonzert, es entstand 1981, ein wahres kabarettistisches Kabinettstück ist, dennoch von spieltechnischen Herausforderungen nur so strotzt.

Dass sich der antibürgerliche Querdenker Gulda sogleich jeglichem eingefahrenen Hochglanz-Konzertgefühl versagt, wird schon im Entree des fünfteiligen Werkes deutlich: Es geht los wie in einem Bigband-Schulorchester mit rockig-jazzigen Riffs und einer simplen Bluesformel, auf die der Cellist wilde Impros entlädt, unerwartet schwenkt die Stimmung jedoch in eine fast peinliche Heidi-Alpenland-Idylle des begleitenden Blasorchesters - ein Effekt, der nicht nur Schmunzeln, sondern Lachsalven im verständigen Publikum auslöste.

  Lehrstücke an Prägnanz   Das virtuose Moment kulminiert in einer völlig antikonservativ platzierten Kandenz als Solo-Mittelsatz, von Jaffé einfach entwaffnend vorgetragen. Im Schlusssatz sind die Kirmes-Orgien der Bläser genial mit virtuoser Kunst des Cellos verknüpft - kaum überbietbar der Kontrast!

Dieses musikalische Highlight der Musizierfreude, an der das Bläserkollegium der Philharmonie seinen guten Anteil hatte, honorierte das Publikum mit tosenden Beifallsbekundungen, die Jaffé mit zwei ausgezeichneten Zugaben erwiderte: einem Flamenco und einem Heine-Melodram mit seiner Frau als musikalischer Partnerin.  Hatte hier schon GMD Stefan Fraas das Ensemble hervorragend auf Werk und Solist eingestellt, so führte er, auswendig dirigierend, die Interpretation der Schumann?schen "Frühlingssinfonie" zweifellos zum zweiten Höhepunkt des Konzertabends.

Die Ecksätze waren Lehrstücke an Prägnanz des Ensemblemusizierens, die Tempi forsch und gut bewältigt, der Orchestersatz durchsichtig und gut konturiert. Im gesamten Werk kam die sichtliche Musizierfreude der Philharmoniker, die sich erstmalig in einer neuen Sitzordnung auf der Bühne präsentierten, aufs angenehmste rüber, sicher ein Grund, dass GMD Fraas Solisten und Gruppen des Orchesters zu Recht im anhaltenden Beifall des Publikums feiern ließ.

Auch die immer häufiger gespielte St.Pauls-Suite des englischen Komponisten Gustav Holst, sie erklang als Entree des Konzertabends, war gut gelungen - ein interessantes und durchaus nicht anspruchsloses viersätziges Werk für das Streicherensemble. veho