Ostbeauftragter im Wartburg

In einem orginalen elfenbeinfarbigen Wartburg aus Eisenach rollt derzeit für zwei Wochen der Ost-Beauftragte der Bundesregierung durch die neuen Länder. Am Dienstag machte er auf Einladung von Bundestagsmitglied Yvonne Magwas (CDU) Station im Vogtland und besuchte auch Plauen.

Von Ingo Eckardt

Plauen Auf seiner Tour "Erinnerung - Wandel - Zukunft" hat der Ost-Beauftragte Christian Hirte am Dienstag die Spitzenstadt besucht. Von den Zeitzeugen Frank Heidan (CDU), der die Botschaftszüge aus Prag thematisierte, Vertretern des Vereines "Vogtland 89", dem Künstler Peter Luban und dem Maler Manfred Feiler ließ sich Hirte im Beisein von Landrat Rolf Keil und Plauens Kulturbürgermeister Steffen Zenner ins Jahr 1989 entführen. "Plauen ist ja ein idealtypischer Standort für meine Rundreise. Ich habe am Wochenende bereits Station in Prag und beim Gedenken an das paneuropäische Frühstück im Sommer 1989 in Sopron gemacht", erklärte Hirte, dessen Wartburg ein WAK-Kennzeichen für seine Heimat, den Wartburgkreis, trägt.
Er erinnerte an die Grenzöffnung in Ungarn, die vielen DDR-Bürgern zur Flucht verholfen habe, ebenso wie die Botschaftsflüchtlinge und die mutigen Menschen am 7. Oktober in Plauen müsse man dies für den Umbruch als Zeitlinie betrachten. "Damals hat die Bevölkerung in Plauen ihren Unmut gezeigt und zwar in einer Zahl, die man so einfach nicht mehr wegsperren konnte. Die Plauener haben den Weg geebnet für die Wende und die Wiedervereinigung", so Hirte. Dass man das nicht im kulturellen Bewusstsein Deutschlands habe, sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass damals im beschaulichen Plauen keine bundesdeutschen TV-Kameras vor Ort gewesen seien. Er appellierte daran, dass man auch in Zeiten, in denen Debatten um die Zukunft des Landes geführt würden, daran denken müsse, wie es zu einem Deutschland in Europa gekommen sei. "Wir dürfen uns von den politischen Rändern nicht die positiven Errungenschaften der vergangenen dreißig Jahre in den Schmutz ziehen lassen", zeigte Hirte sich kämpferisch.
Peter Luban erklärte dem Gast die Symbolik des von ihm geschaffenen Plauener Wendedenkmals, das in Erinnerung an die friedliche Kraft der Kerzen steht. Auch Steffen Zenner erklärte dem Gast etwas - nämlich dass die Stadt Plauen unter anderem durch die renommierten Deutsch-deutschen Filmtage mit der Partnerstadt Hof das eigene Erbe der Friedlichen Revolution hoch halte. Er wünsche sich mehr bundesdeutsche Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Stadt Plauen Ausgangspunkt der Wende war. Dieses Jahr plane man zahlreiche Veranstaltungen rund um das Jubiläum des Wendeherbstes vor dreißig Jahren. Auch Landrat Rolf Keil erklärte, dass es eine gemeinsame Veranstaltung der Landkreise Hof, Vogtland und Saale-Orla in Mödlareuth geben werde, wo man am 9. November auf den Mauerfall vor 30 Jahren in einer Festveranstaltung anstoßen werde. Er regte im Gespräch mit Christian Hirte an, dass man der Aufarbeitung der Diktatur an sich künftig mehr Aufmerksamkeit widmen sollte. gemeinsamen Imbiss im "Café Forbriger" im Landratsamt brach Keil noch eine Lanze dafür, vor allem auch einmal die positiven Aspekte der "Nachwendezeit" zu betrachten. "Ich erinnere mich durchaus noch an den Geruch eines Trocken-Aborts, der beim Öffnen der Haustür in die Nase stieg. Ich denke an die dreckigen Flüsse und Seen oder auch die katastrophale Bausubstanz. Da hat die Wende uns allen ein großes Glück gebracht. Wir haben wirtschaftlich einen leistungsfähigen Mittelstand angesiedelt, eine deutlich sauberere Umwelt - schon allein dafür muss man dankbar sein, gerade auch den mutigen Menschen, die hier in Plauen den Auftakt für die friedliche Revolution bildeten", so der Landrat.