"Oskar Schindlers Liste"

Das Theaterstück "Oskar Schindlers Liste", präsentiert von der Konzertdirektion Hannover in Co-Produktion mit der Landesbühne Rheinland-Pfalz, verfolgten unlängst rund 200 Besucher mit großer Spannung im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster -  Ganz anders als in Steven Spielbergs bekannten Kinoklassiker "Schindlers Liste", gestalteten Florian Battermann und Regisseur Lajos Wenzel ihre Fiktion um Oskar Schindler, der im "Dritten Reich" zunächst ganz unbewusst zum Samariter wird, in einer eigenen Fassung. So wird in dem Theaterstück vor allem dargestellt, wie Schindler, der ganz offensichtlich von dem System der Nationalsozialisten profitiert, plötzlich gegen sie arbeitet. Zum Theaterstück inspiriert wurde der Autor durch einen Artikel im Spiegel, der von einem zufälligen Fund eines Koffers auf einem Dachboden in Hildesheim berichtet. So beginnt auch die erste Szene des Stücks mit einem Ehepaar, das auf dem Dachboden einen Koffer öffnet und aus den Briefen und Papieren das Leben des Oskar Schindler in Rückblenden darstellt. Großartig agieren dazu insgesamt zwölf Schauspieler, die immer wieder in mehrere Rollen schlüpfen. Allen voran stellte Stefan Bockelmann als Oskar Schindler dessen vielschichtigen Charakter dar. 
Sehr wohl versteht es Schindler, sich an den Machenschaften der Nationalsozialisten zu bereichern. Im November 1939 stellt der Abwehragent Josef Aue den Industriellen Itzhak Stern seinem Freund Oskar Schindler vor, der ebenfalls geschäftlich in Krakau Fuß fassen möchte. Von Stern pachtete Schindler ein heruntergewirtschaftetes Unternehmen. Schindler übernimmt Gebäude und Grundstück der Fabrik "Rekord", die er später auch kaufte. Sein Unternehmen nannte er "Deutsche Emaillewarenfabrik" und profitierte mit der Herstellung von Geschirr und Besteck für die Wehrmacht. Mit dem Erwerb und dem Profit aus der Fabrik kommt Schindler schnell zu Geld, um ein Leben in Saus und Braus zu führen. Zudem nutzt er die desolate Situation der jüdischen Arbeitskräfte aus. "Ich habe nichts gegen Juden so lange sie mir nützlich sind. Sie sind viel billiger als die deutschen Arbeiter", verkündet er in dem Theaterstück. 
Mit so genannten "Blauscheinen" - einer Arbeitserlaubnis, welche die Nazis für seine "kriegswichtigen" Mitarbeiter bescheinigen - stellt er weiter jüdische Arbeitskräfte ein. Anfangs ist Schindler das Schicksal seiner Mitarbeiter offensichtlich egal. Später tragen verschiedene Umstände und die politische Entwicklung dazu bei, dass er seine Einstellung ändert. Er beginnt sich für seine jüdischen Mitarbeiter einzusetzen. Sehr dienlich dabei ist der Kontakt zu dem korrupten österreichischen SS-Hauptsturmführer Amon Göth der von März 1943 bis September 1944 Kommandant des Konzentrationslagers Płaszów bei Krakau war. Schindler erwirbt mit diversen Geschenken vom Schwarzmarkt dessen Gunst. Schindler erreicht sogar, dass Göth ihm zusätzliche Häftlinge zur Verfügung stellt, um so angeblich die Wehrmachtsaufträge bewältigen zu können. Schindler konnte so eine Perspektive für seine Schützlinge aufrecht erhalten. Später setzte Schindler die stattlichen Gewinne immer häufiger vollständig für die Rettung seiner jüdischen Arbeiter ein. Indessen verschlechterten sich ab 1941 durch die Errichtung eines Ghettos die Lebensbedingungen der jüdischen Bevölkerung in Krakau noch weiter. Nachdem die SS das Ghetto im März 1943 liquidiert, werden verbliebene arbeitsfähige Juden in das Arbeitslager Płaszów eingewiesen oder nach Auschwitz deportiert. Schindler verlagert unter großen Schwierigkeiten zunächst rund 780 Arbeiter in das böhmische Brünnlitz. Emilie Schindler, die meist im Hintergrund agiert, besorgte die für die Ansiedlung notwendigen Papiere bei NSDAP-Kreisleiter Julius Hönig, ihrem früheren Schwimmlehrer. "Meine Juden werden kein Vernichtungslager von innen sehen" verkündet Schindler in dem Stück. Das Wirtschaftsverwaltungshauptamt der SS verlangt von Schindler ein Verzeichnis mit den Namen aller Juden, die von Krakau nach Brünnlitz verlegt werden sollen. Schindler lässt daraufhin im Herbst 1944 die Namen von fast 1000 Personen auf eine Liste setzen. Auf dem Häftlingsverzeichnis vom 18. April 1945 finden sich die Namen von 297 jüdischen Arbeiterinnen und 781 jüdischen Arbeitern auf "Schindlers Liste". Oskar und Emilie Schindler konnten so vermutlich das Überleben von 1200 Juden sichern. Als der Krieg 1945 beendet war, musste Oskar Schindler selbst auf die Flucht vor den anrückenden russischen Truppen gehen. In der Schlussszene überreichen die Überlebenden als Dank ihren "Engel" einen Ring mit dem Talmudspruch "Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt".