Original und Kopie im Streit

Sänger Thomas Anders hat vor ein paar Tagen sein erstes Konzert im Vogtland gegeben. Nur wenige Kilometer weiter wohnt sein Double, André Brand. Kilometer waren es auch, die einen Rechtsstreit entfacht haben, der von außen betrachtet vielleicht nicht hätte sein müssen.

Von Stephanie Rössel

Plauen Mit Modern Talking reloaded - Die Tribute Show, sind die Plauener André Brand und Michael Beurich seit über 20 Jahren unterwegs. Den Erfolg des Originals nutzten die beiden um selbst Geld zu verdienen. Bis zu 80 Auftritte im Jahr hatten die Plauener nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, in Russland oder Argentinien.
Vor ein paar Jahren gab es einen Auftritt in Danzig. Am gleichen Abend spielte Thomas Anders etwa 50 km entfernt. "Keiner von uns wusste das damals. Das haben wir alles erst später erfahren. Nachdem das erste Schreiben von einem Anwalt kam", erzählt Beurich.

 


Es sei wohl so gewesen, dass auf dem Konzert von Thomas Anders weit weniger Menschen waren, als bei den Doubles. "Vermutlich hat das damals dem Veranstalter nicht besonders gut gefallen. Deswegen kam das alles ins Rollen. Aber uns gleich mit Berufsverbot zu drohen, fanden wir total übertrieben. Man hätte doch auch einfach mal das Gespräch suchen können. Außerdem würden wir schon aus Respekt nicht absichtlich in der Nähe der Originale eine Show geben. Aber sprechen wollte niemand mit uns", erinnert sich Michael Beurich.
In dem Brief des Rechtsanwaltes stand damals, dass man Auftritte untersage. Eine Unterlassungserklärung lag bei. Diese unterzeichneten die beiden natürlich nicht. Sie Suchten sich selbst anwaltliche Hilfe. Nach und nach gingen weitere Briefe mit gleichem Inhalt von verschiedenen Kanzleien ein. "Irgendwann wurde uns dann zum Vorwurf gemacht, dass wir in New Jersey gespielt haben und Thomas Anders ein halbes Jahr später in New York", erzählt das Bohlen-Double.
Es kam zum Rechtsstreit. Erst vor einigen Monaten entschied das Oberlandesgericht dann, dass das was Brand und Beurich machen, der künstlerischen Freiheit unterliegt, sie auf beispielsweise Autogrammkarten aber deutlich ihre eigenen Namen kenntlich machen müssen. "Wir hätten uns wirklich gewünscht das in einem Gespräch zu klären und nicht per Gericht. Wir haben unheimlichen Respekt vor dem was Dieter Bohlen und Thomas Anders geschaffen haben. Leider haben wir keinen von beiden je persönlich getroffen. Uns wurde das oft angeboten, von Fanclubs oder auch Fernsehsendern. Wir sollten zu Treffen kommen oder eine Zusammenkunft sollte fingiert werden. Das haben wir immer abgelehnt. Da waren wir uns irgendwie blöd vorgekommen", sagt Michael Beurich.
Thomas Anders, mit bürgerlichem Name Bernd Weidung, hat sich ebenfalls dazu geäußert. "Mir geht es gar nicht darum, dass die beiden nicht ihre Show machen sollen. Ich habe nur ein Problem damit, dass sie Geld mit meiner Stimme verdienen. Sie könnten die Songs ja gerne neu vertonen. Aber so läuft meine Originalstimme und es wird nur ein bisschen drüber gesungen. Es gibt ja viele Doubles und Tributeshow, aber die singen wenigstens selbst. Das ist für mich was völlig anderes", erklärt der Künstler aus Koblenz seine Sichtweise. Lediglich das störe ihn an der Sache. Er bestätigt aber auch, dass er nicht immer über jedes Detail in so einem Rechtsstreit informiert wird.
Michael Beurich bestätigt nochmal, dass sie keine richtigen Konzerte spielen, sondern lediglich eine Show machen. Vor Jahren sei das auch geregelt worden, dass sie die Lieder dafür nutzen dürfen. Dafür zahlen Brand und Beurich Geld an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA).
Da sich laut Beurich, Dieter Bohlen die Rechte an den Songs damals gesichert hat und Anders diese vertraglich abgetreten hat, verdiene nun sozusagen auch nur Bohlen daran.