Orgeln ohne Ende

Der Orgelmarathon auf dem Kulturweg der Vögte zwischen Weida und Eger begann Mittwochmittag mit einem Konzert in der Oelsnitzer Jakobikirche.

 

Von Renate Wöllner

Oelsnitz Die Jehmlich-Orgel - die größte Orgel des Vogtlands und vermutlich auch der Konzertreihe - ist für Frauenkirchenkantor Matthias Grünert Neuland. Er spielt sie zum ersten Mal.
Nachdem der Beifall verklungen ist, pures Glück beim Organisten. "Ein phantastisches Instrument", schwärmt Grünert. Das Wort 'Provinz` will er im Zusammenhang mit dem Vogtland nicht hören. "Eine reiche Orgellandschaft", sagt der ehemalige Greizer Stadt- und Kreiskantor.
Die Firma Jehmlich aus Dresden hatte 1929/30 mit der Oelsnitzer Orgel das Neueste vom Neuen in der Jakobikirche gebaut - und das in nur viereinhalb Monaten. Industrielle Fertigungsmethoden, welche damals von nahezu allen großen Orgelbaufirmen praktiziert wurden, ermöglichten die Rekordbauzeit. Entwurf, Planung und Bau einer so großen Orgel würden heute - nach der Rückbesinnung auf die handwerklichen Techniken - gut eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Durch die Orgelbauwerkstatt Jann aus Allkofen wurde das Instrument 2004/05 restauriert, überarbeitet und wieder auf den weichen, sinfonische Klang zurückgeführt, welcher den Werken der Romantik - deren Spätzeit bis ins 20. Jahrhundert reicht - in idealer Weise gerecht wird.
"Maßgeschneidert", so Grünert, hatte er diesem Charakter entsprechend nach dem Kennenlernen der Orgel das Programm des Eröffnungskonzerts. Das opulente "Festpräludium" von Camillo Schumann (1872 bis 1946), Marsch, Medition und Toccata in "Three Pieces" von Nicholas Choveaux (1904 bis 1966) und das Feuerwerk aufgewühlter Gefühle mit dem virtuosen Höhepunkt in der "Festival Toccata" steuerten das musikalischen Unterfangen zum furiosen Aufbruch. Die Kürze ist gewollt. Im nahezu fliegenden Wechsel geht es am Nachmittag weiter in die Kirchen von Marieney und Schöneck sowie bis in den Abend hinein nach Adorf und Bad Elster.
30 Orgeln wird Grünert beim Orgelmarathon bis 25. August, spielen. Kein Programmpunkt wird wiederholt. Den Schlusspunkt setzt der Frauenkirchenkantor am Sonntag, 17 Uhr, mit Johann Sebastian Bach in Sankt Johannis in Plauen wieder an einer Jehmlich-Orgel.