Orchester spielt mit Autobatterie

Bei seinem Anblick fällt einem sofort die Zeitmaschine aus einem alten Science-Fiction-Film ein oder das Fliewatüt von Robby und Tobby aus der Augsburger Puppenkiste. Das einmalige Ensemble hat Peter Till vor 15 Jahren auf einem Ape 50 von Piaggio aufgebaut, der aus den 80ern stammt aber eher wie die 50er aussieht - italienisches Design eben.

Mit einer solchen Karre fahren die Gemüsehändler ihre Waren zum Markt, doch hier wird das Fahrzeug durch seine Aufbauten regelrecht geadelt. Das "Atomklavier" aus edlem Messing, wie es der Orchesterchef nennt, beinhaltet neben einem E-Piano jede Menge geballte High-Tech, die Schlagzeug, Bassgitarre und Triola steuern. Das Geheimnis ist Midi-Technik, die eine Unzahl von Miniatur-Druckluftzylindern antreibt, die ihre Kraft aus einem flüsterleisen Kompressor beziehen.

Gemeinsam mit einer ebenfalls großen Anzahl elektrischer Hubmagnete wird das Orchester zum Klingen gebracht, wobei wie von Geisterhand die Pneumatikzylinder die Saiten zupfen und in die Stege der Bassgitarre greifen, am Schlagzeug einen Trommelwirbel erzeugen, ab und an den gelben Fransenschirm hochgehen lassen oder die Tasten der Triola betätigen, während Peter Till hineinbläst.

Showtime ist bei seinem Spiel angesagt, bei dem es ab und an auch einmal kräftig qualmt. Vorbild für sein Orchester, das es auch in anderen Konstellationen etwa mit Xylophon, Schalmei und Percussion gibt, seien die einstmaligen über Lochstreifen gesteuerten Orchestrions, die bis in die 1930er Jahre beispielsweise in Leipzig gebaut wurden. Und so, wie damals die Erstellung eines Lochstreifens recht aufwändig war, ist auch die Programmierung seines Orchesters mit viel Arbeit verbunden.

Davon allerdings merkt das Publikum nichts, es kann sich einfach am bunten Repertoire erfreuen, das von Abba bis Zappa reicht und selbst klassische Stücke, wie etwa den Hummelflug, beinhaltet. Und sollte beim Auftritt einmal der Strom ausfallen, ist selbst das kein Problem, denn das Orchester ist dank Autobatterie autark, berichtet der Orchesterchef den staunenden Zuhörern in einer kleinen Pause.

Doch dann macht er sich nach einem Griff zur Ölkanne wieder an's Atomklavier: "Weiter geht's mit dem Universal Druckluft Orchester und sechs Bar Druck auf dem Kessel!"