Opernfestival löst Schmalkost ab

Generalintendant Roland May griff in die Kiste mit den Superlativen. Für die nächsten Monate kündigte er für das Theater Plauen-Zwickau ein Opernfestival an.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Zunächst aber reagierte er auf die vornehmlich von Plauener Theaterfreunden zuweilen geäußerte Kritik, dass selbst große Opern in letzter Zeit auf die Kleine Bühne "verbannt" wurden. Oder um es mit den diplomatischen Worten des Generalintendanten zu sagen: "Die Vogtländer sind im Positiven wie im Negativen emotionaler mit ihrem Theater verwachsen als die Zwickauer." Eine der Hauptursachen, dass selbst "große" Opern wie "Opernball" oder "Orpheus" auf der Kleinen Bühne gespielt wurden bildet die Tatsache, dass das Zwickauer Gewandhaus noch immer - und damit deutlich länger als vorgesehen - saniert wird. Nunmehr ist die Fertigstellung für Herbst 2020 geplant. Bis dahin befindet sich das Repertoire des Hauses in der Muldestadt auf permanenter Wanderschaft. Pressesperecherin Carolin Eschenbrenner listet zehn verschiedene Spielstätten auf - angefangen vom auch nur 150 Zuschauer fassenden Malsaal, über die "Neue Welt" bis zur Aula der Pestalozzi-Schule, den Alten Gasometer und weitere Ausweichstandorte. 
Will heißen: Für die Große Bühne in Plauen konzipierte Opern, Operetten oder Musicals hätten in den Zwickauer Spielstätten schlichtweg keinen Platz. Man sei aber per Grundlagenvertrag quasi verpflichtet, möglichst ähnliche Angebote in beiden Städten vorzuhalten, sagt May. Das Ausweichen auf "komfortable" Spielstätten wie die ‚Neue Welt" sei aber nur ein bis zwei Mal jährlich möglich und letztendlich auch mit erheblichen Kosten verbunden, fügt er an. Im Falle des "Orpheus" hätte man das Stück zwar auf der Großen Bühne in Plauen präsentieren können, dann aber keine adäquate Spielstätte in Zwickau zur Verfügung gehabt. Überdies sei auch noch eine Umbesetzung des Hauptdarstellers nötig gewesen. Und als gäbe es der Probleme nicht schon genug, wurde nun auch eine weitere Zwickauer Spielstätte - das Theater in der Mühle TiM) - abgerissen, ohne das bisher eine Alternative gefunden werden konnte. 
"Wir stehen also vor einer komplexen Gemengelage, der wir uns durchaus bewusst sind", so der "General". Nun aber sollen die Plauener für die teils "schmale Kost" entschädigt werden, sagt May fast schon geheimnisvoll.
Und so beginnt bereits der Februar mit einem kulturellen Leckerbissen für Opernfreunde - den "Königskindern" von Engelbert Humperdinck, neben "Hänsel und Gretel" das zweite Märchensujet des Komponisten. Durch seine zeitlose Kritik an Standesdünkel und einer verrohten Gesellschaft, die sich nach Utopien sehnt, aber diese im Moment ihrer Verwirklichung nicht erkennt, ließen sich durchaus Bezüge zur Gegenwart herstellen, streift May die Handlung der Oper und verweist zudem auf die schwierige Biografie Humperdincks, der als Komponist die Nähe von Wagner suchte und auch maßgeblich von ihm beeinflusst wurde.
Als zweiten "Aufschlag" macht der Generalintendant Appetit auf eine Oper, die Anfang Mai Premiere haben wird und den Plauenern dank ihrer Opulenz in guter Erinnerung sein dürfte. Den damaligen Ausstattungspomp mit lebenden Elefanten können und wollen wir nicht wiederholen, erinnert May an das Open Air-Spektakel vor einigen Jahren im Parktheater. Apropos Freilichtbühne, die im Sommer Aufführungsort für die "Zauberflöte" sein wird. 
Doch einer geht noch... denn der Wunsch der Theaterfreunde auf eine weitere Oper möglichst im Herbst sei der Intendanz durchaus bewusst. Und so avisiert May für die langsam kürzer werdenden Tage eine weitere Oper. Genaueres mag er nicht verraten, nur so viel: Es wird sich um das Werk eines der drei Komponisten handeln, deren Opern in den Monaten vorher ihre Premiere in Plauen erleben. Und: Die Planungen seien schon recht weit fortgeschritten.
Letztlich begibt sich May auch noch mit der gebotenen Vorsicht aufs politische Parkett. Sollten die Verhandlungen zwischen den Oberbürgermeistern von Plauen und Zwickau sowie den Fraktionsvorsitzenden der in beiden Stadträten vertretenen Parteien zu einem Kompromiss geführt haben, der von beiden Stadträten noch beschlossen werden muss, dann könnten sich die Ensemblemitarbeiter nicht nur über Tariflohn freuen, dann entfiele auch der Freizeitausgleich, was sich wiederum "entspannend" auf den Spielplan auswirken würde.