Oper der ganz großen Gefühle

Giuseppe Verdis Vorliebe für große literarische Vorlagen zieht sich durch sein gesamtes Oeuvre. Seine Libretti bedienen sich unter anderem der Werke von Schiller, Hugo, Voltaire, Lord Byron, Shakespeare, Dumas d.j. oder Scribe.

 

Von den 26 Opern, die er schrieb, ist sein "Rigoletto" im Jahr 1851 die bereits 16. Oper, die zusammen mit den beiden folgenden "Il Tovatore" und La Traviata", beide 1853, das Trio bildet, das seinen Welterfolg begründet.

Ein kühner, ungewöhnlicher Stoff kam Verdi mit Victor Hugos Sujet "Le Roi s ?amuse" in die Finger und Francesco Maria Piave, sein kongenialer Partner, schrieb das adäquate Libretto. Dessen Titelheld - ausgestattet mit janusköpfigem Charakter - war die besondere Herausforderung für den Komponisten, er konnte sich musikalisch austoben in komödiantischer Raffinesse, in Dämonie, Schmerz und Pathos.

 

Dazu das Pendant, die Arien der zarten, lieblichen Gilda und deren Einsamkeit, Sehnsucht und Liebe, die schließlich im Opfertod gipfelt. Ein Meisterwerk gelang dem wohl berühmtesten Italiener mit dieser Oper.

  Teuflische Dramatik   Die teuflische Dramatik der Oper äußert sich im kurzen, prägnanten Orchestervorspiel. Bereits hier ist das Element enthalten, das dem Werk eigentlich seinen Namen geben sollte: Der Fluch! Der Fluch des alten Grafen Monterone, dessen Leid Rigoletto mit beißender Ironie übergoss. In der unheimlichen Begegnung mit dem Berufsmörder Sparafucile im I. Akt kommt ihm dieser Fluch zum Bewusstsein und er sieht plötzlich die Parallele zwischen sich und dem Mörder: "Ich bin wie er, nur meine Waffe ist die Zunge!"

 

Der Fluch zieht sich wie der berühmte rote Faden durch die Musik und steigert sich bis zum kurzen, expressivem Finale: Der verzweifelte Schrei des betrogenen Vaters, dessen Wertvollstes und Reinstes, das er besaß, sein Kind, tot in seinen Armen liegt: "La maledizione!" Wolfgang Doschs Inszenierung - Premiere am vergangenen Samstag im Großen Haus des Theaters Plauen - spielt im Frachthafen von Neapel, inmitten gestapelter Container (klare, eindeutige Ausstattung, Annabel von Berlichingen).

 

Die handelnden Personen siedelt er an im skrupellosen, hässlichen Mafiamilieu - eine Regie mit leider zahlreichen störenden Inkonsequenzen und unstimmigen Gestaltungsanweisungen, die aufzuzählen diesen Rahmen sprengen würde, die das Publikum gleichwohl mit ungewohntem "Buh" quittierte. Gilda nach ihrem Opfertod zusätzlich zur Plastikverpackung in die Mülltonne zu stecken, ist nicht originell, sondern geschmacklos.

 

Elmar Andree spielte und sang den überaus facettenreichen "Buckligen" eindimensional und lautstark, die subtilen Feinheiten dieser diffizilen Figur blieben im leichten Sand verborgen. Inga-Britt Andersson verkörpert des Alten Tochter Gilda mit so viel Wahrhaftigkeit, Seele und Stimme, dass sie zu Tränen rührt. Svetislav Stojanovic schmettert den Duca mit tragfähigem Tenor.

  Wie es sich Verdi vorstellte   Silke Richter als Maddalena steigert ihr Spiel und ihren wunder- und wandelbaren Mezzosopran von zunächst scheu, über raffiniert lasziv, bis hin zu verliebt und leidenschaftlich. Den Mörder Sparafucile formt Hagen Erkrath mit überlegener, furchterregender Dämonie und Gelassenheit, so, wie es sich Verdi gedacht haben mag. Rigoletto, mit Verve dirigiert von GMD Georg Christoph Sandmann und zuverlässigem Chor - große italienische Oper zum miterleben. Ingrid Schenke