Omega-Sound in neuem Gewand

Plauen - Omega - für viele Anhänger guter Rockmusik ist das noch immer ein Zauberwort. Anfang der Woche besuchte Sänger János Kóbor Plauen und unterhielt sich mit uns über seine neue CD, aber auch über Interessantes aus alten Zeiten. Im nächsten Jahr steht das Jubiläum 50 Jahre Omega bevor. Wenn man an einem Tag in Dresden zu tun hat, am nächsten dann in Magdeburg, führt der Weg nicht zwangsläufig über Plauen. János Kóbor hat am Montag diesen Umweg in Kauf genommen. Der Sänger der ungarischen Band Omega stellt derzeit seine neue CD "Omega Rhapsody" vor, die seit gestern auch in Deutschland erhältlich ist. Mit einem Omega-Konzert in Plauen ist es bis heute nichts geworden. Anfang der 80er Jahre sollte ein solches im Vogtlandstadion stattfinden, wurde dann aber abgesagt. Warum, weiß auch Tibor Nagy nicht mehr, der Deutschland-Manager der Edelrocker aus Budapest. Auch er war am Montag mit in Plauen, ebenso András Trunkos, der sich in Ungarn um den Erfolg der Gruppe kümmert, zudem als Texter einiger Songs in Erscheinung trat und tritt. Am Nachmittag treffen wir uns auf dem Theaterplatz, die Begrüßung ist herzlich, man kennt sich bereits. Ein paar Fotos werden gemacht, dann geht es weiter in die Bar Backstage im Hotel Dormero. "Ist das hier Thüringen?", fragt Kóbor, der sich an in diesem Moment an einen lange zurückliegenden Auftritt in Gotha erinnert. Aber auch in Reichenbach hat Omega schon gespielt. 1972 war das, als hunderte überwiegend langhaarige Fans in die dortige Tonhalle pilgerten. Omega spielte damals übrigens bereits in der gleichen Besetzung wie heute. 2011 wird das Jubiläum "50 Jahre Omega" gefeiert. Das schon mal haben die Ungarn mit den Rolling Stones gemeinsam. Der für 2008 geplante Auftritt beim Art-Rock-Festival an der Göltzschtalbrücke fiel wegen einer Erkrankung des Schlagzeugers aus. Erfolg im Westen sorgt für Verstimmung Ihre größten Erfolge feierten die fünf Band-Mitglieder aber in der so genannten Space-Phase, als man sich Mitte der 70er Jahre mit drei aufeinander folgenden Alben eher den sphärischen Klängen von Pink Floyd näherte. Damit schaffte Omega etwas, was nur sehr wenigen Bands aus Osteuropa inklusive der DDR vor der Wende glückte, nämlich auch im Westen Erfolg zu haben. Dies wiederum stieß den Kultur-Oberen der DDR einigermaßen übel auf, weiß Kóbor zu berichten. Bis etwa 1983 fanden, aus eben diesem Grund, fast keine Auftritte der Ungarn im Osten Deutschlands mehr statt. Vielleicht ja ein Grund dafür, warum es damals kein Konzert in Plauen gab. Im Backstage gibt "Mecky" detailliert Auskunft über die neue CD "Omega Rhapsody". Und wenn Kóbor das tut, dann mit einer fast väterlichen Sorgfalt. Die Idee, Omega-Hits aus mehreren Jahrzehnten mit Hilfe von Orchester-Klängen aufzupolieren, existierte schon lange. Jetzt wurde sie verwirklicht. "Wir wollten aber nicht so wie Metallica oder die Scorpions einfach ein Orchester neben die Band stellen. Uns ging es darum, den sinfonischen Klang in unsere Musik einzubauen." Und das ist gelungen. Denn heraus kam eben kein weiteres Classic-Rock-Album, wie es schon so viele gibt und in denen erfolgreiche Titel mit Orchester-Bombast aufgeblasen werden. Oft bleibt das (70-köpfige) Orchester im Hintergrund, um dann - gerade auch in den ruhigen Passagen - eine nie übertriebene Vielfalt an Klängen zu schaffen. Das hat zur Folge, dass die Stücke für den Fan leicht wiederzuerkennen sind, aber in ihrer neuen Instrumentierung eben auch Neues bereithalten. Musik aus 40 Jahren in einem Sound Schwer fiel die Entscheidung, welche Stücke in die Rhapsody aufgenommen werden und welche nicht. "Wir hatten am Anfang etwa 30 Songs in die engere Auswahl genommen, dann wieder einen raus und einen neuen rein, und so weiter. Ziel war, die Musik aus 40 Jahren in einem Sound zu präsentieren." Entstanden ist alles andere als ein weiteres "Best-Of-Album", denn es kam auch darauf an, dass die Songs, die auf der CD zu einem etwa 70-minütigen Studio-Konzert zusammengefügt sind, für diese Art der Präsentation auch geeignet sind. Und so kam es dann, dass zum Beispiel von "Gammapolisz" aus dem Jahre 1979, dem zumindest in der DDR wohl erfolgreichsten Album, kein einziges Stück Einzug in die "Rhapsody" gefunden hat. "Diese Songs sind für die Rhapsody zu leicht, aber für den sinfonischen Teil sehr gut", sagt Kóbor, der damit schon das nächste Projekt verrät, denn im Frühjahr 2011 soll es ein reines Instrumentalalbum mit der Omega-Musik geben, das dann mit großem Orchester im Budapester Opernhaus auch live vorgestellt werden soll. Ein neues Omega-Album soll dann Ende 2011 fertig sein. Und auch Live-Konzerte wird es geben. 18 Stücke sind in der Rhapsody enthalten. Einige davon in englischer, die meisten in ungarischer Sprache. "Wir haben die Titel, bei denen wir der Meinung waren, dass wir in Ungarisch mehr Gefühl in die Musik legen können, in Ungarisch eingespielt. Und die, bei denen wir dachten, hier ist es egal, in Englisch." Vor dem ungarischen Gesang braucht übrigens niemand Angst zu haben. Die Sprache hat, auch wenn man die Bedeutung der Worte nicht versteht, einen unglaublich schönen Klang. Ins Schwärmen gerät Kóbor, als wir uns über Pink Floyd unterhalten. Das legendäre Album "The Dark Side Of The Moon", erschienen 1973, hat ihn seinerzeit regelrecht "umgehauen". Ich selbst hatte einmal festgestellt, dass die allererste Omega-Platte den ganz frühen Alben von Pink Floyd sehr ähnelt - beides sehr bunt und experimentell. "Ja, das stimmt: Die konnten keine Musik machen und wir auch nicht", lacht Kóbor. Gegen Ende des Gesprächs fällt mir noch ein, dass "Mecky" ja auch an einer Biografie schreibt, die eigentlich zusammen mit der CD erscheinen sollte. "Wie sieht es denn mit dem Buch aus?", frage ich. "Jetzt hast du einen wunden Punkt erwischt", ruft Tibor Nagy. Und János Kóbor lächelt und verdreht kurz die Augen. "Ich habe etwa 80 Seiten geschrieben, im Frühjahr wird es fertig sein." Ich hake sofort nach. "Sicher?" "Nein." Und es ist wieder zu erkennen, was ohnehin klar war, da sitzt ein Rockstar, und als solchen muss man jemanden bezeichnen, der einer Gruppe vorsteht, die über 50 Millionen Tonträger verkauft hat, der aber auf dem Boden geblieben ist und auch über sich selbst lachen kann. Das Buch wird auch in deutscher Sprache erscheinen. János Kóbor hat viel zu erzählen und hat das auch am Montag in Plauen getan. Beim Abschied ist klar: Man wird voneinander hören, sich wiedersehen. Ich eile zurück in die Redaktion, meine Gäste fahren weiter nach Markneukirchen, wo sie übernachten, um am nächsten Morgen zeitig nach Magdeburg aufzubrechen.