Ohsers Liebe zu seiner Stadt Plauen

Genauso wie man gute Musik immer wieder hören und ein wichtiges Buch immer wieder lesen kann, genauso kann man immer wieder die geniale Kunst des Zeichners Erich Ohser ansehen. Und findet stets etwas Neues. Eine bislang nicht entdeckte Pointe, eine besonders gelungene künstlerische Lösung oder auch etwas, das bislang von den Ohsers-Verwahrern noch nicht aus dem reichhaltigen Erbe für die Öffentlichkeit bereitgestellt worden ist.

So begegnet dem Besucher der aktuellen Ausstellung im Ohser-Haus zum Beispiel das handliche Notizbuch Erich Ohsers, das meines Wissens dem Publikum noch nicht präsentiert wurde. Ausgestellt ist auch eine seltene Arbeit Ohsers: eine kolorierte Tuschzeichnung, die eine Dorfansicht zeigt, aus dem Jahre 1923. Immer wieder großartig zu sehen ist das Selbstporträt des knapp 20-jährigen Ohser, das so viel von kommender Meisterschaft als Zeichner verrät. Natürlich gibt es ein Wiedersehen mit Vater- und Sohn-Zeichnungen; aber auch Karikaturen aus dem sozialdemokratischen "Vorwärts" und eben auch aus der nazistischen Wochenzeitung "Das Reich" machen das widersprüchliche Leben dieses großartigen Künstlers deutlich.

Der rote Faden, der die Ausstellung strukturiert und ihr die thematische Idee gibt, das ist die Stadt. Porträts, flüchtige Skizzen, aber auch Tierzeichnungen (Ohser war ein begeisterter Besucher des Berliner Zoos) erfreuen. Über 100 Arbeiten sind ausgewählt worden. Daneben sind Texte platziert von Freunden, Weggefährten, oft also auch vom Freund Erich Kästner. Hier findet man in klugen Worten ausgedrückt, was zur Kunst Ohsers, aber auch zu seinem Äußeren, seinem Charakter und seiner Menschlichkeit zu sagen ist.

Dr. Elke Schulze, die zur Vernissage im Festsaal des Vogtlandmuseums zur neuen Ohser-Ausstellung passende Worte fand, hob Ohsers Liebe zu seiner vogtländischen Heimat und zu Plauen hervor. Sie würdigte aber auch den Einfluss, den die großen Städte wie Leipzig und Berlin auf Ohser hatten. "Die Metropolen inspirierten den Künstler Erich Ohser", so ihre Aussage.

Lesenswert ist auch ein im Faksimile vorgestellter Artikel, den Ohser 1943 für die "BZ am Abend" verfasste. Hier singt er eine Lobeshymne auf sein Atelier, das an der Budapester Straße im Westen Berlins nahe dem Zoo lag. Den Verlust der geliebten Arbeitsstätte durch einen Bombenangriff kommentierte Ohser mit bitterem Humor.

Museumsdirektorin Dr. Silke Kral, nach eigenem Bekunden "westlich sozialisiert" und auch "ein Fan Ohsers", hatte die Gäste begrüßt. Unter ihnen Ralf Oberdorfer, Plauens Oberbürgermeister, Kulturbürgermeister Uwe Täschner, CDU-Landtagsabgeordneter Frank Heidan und eine Reihe Plauener Stadträte. Gast war auch der Präsident der e.o.plauen-Gesellschaft, Dr. Karl Gerhard Schmidt, sowie viele Plauener. Nicht extra begrüßt wurde, aber unschwer auszumachen war Andreas Platthaus. Der FAZ-Redakteur hatte in der Vergangenheit bereits einige Male mit geschliffener Rede e.o.plauen-Preisträger gewürdigt.

Frau Kral stellte in Aussicht, dass nach einer Lösung für ein unkompliziertes Betreten des Ohser-Hauses gesucht werde. Bislang müssten sich die Besucher über das Vogtlandmuseum den Weg suchen und "irrten oftmals hilflos im Museum herum." Dies also wolle man ändern. Auch gebe es Pläne für eine weitere Kooperation zwischen Vogtlandmuseum und Ohser-Haus.