"Ohn Gottes Gunst - all Bauen umsunst"

Ein klingender, heiterer Sommerabend an sonst stillem Ort. Posaunen und Trompeten erschallen, hell setzt sich eine markante Stimme durch. Zum Lobe Gottes darf frohlockt werden. Was passiert? Auf dem Friedhof I in Plauen wird ein Verwaltungsgebäude geweiht.

Von Lutz Behrens

Plauen Der festliche Anlass zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht. Gespeist von kaum angreifbarer Zuversicht, die aus dem Glauben kommt. Und mag der schlichte Anlass, zumindest für ein atheistisch kontaminiertes Gemüt, auch in einem gewissen Missverhältnis zur aufgebotenen freudigen Ekstase stehen - der Harmonie der Stunde, dem freudvollen Miteinander und dem Sich-finden in ritualisierten Handlungen kann selbst ein Außenstehender nur begeistert folgen.
Gekommen sind viele Gläubige der Lutherkirchgemeinde, dem Träger der Friedhöfe I und II in Plauen. Zudem steht der Friedhof I als kirchlicher Bestattungsort seit 1866 in der Nachfolge des Gottesackers an der Lutherkirche. Präsent auch das Landeskirchenamt, natürlich die Superintendentin.
Dabei der katholische Glaubensbruder sowie viele evangelische Pfarrer. Wie es sich gehört, lässt ein Posaunenchor sein jubelndes Blech erschallen. "Was Gott tut, das ist wohlgetan" singen die Anwesenden vom Blatt; professionelle Kirchenleute kennen den Text.
Wortmächtig und enthusiastisch hebt Pfarrer Andreas Gräßer an. Es ist eine Freude, ihm zu folgen. Letzte Begeisterung löst er aus, als ihm beim Stichwort Frohlocken, wie sollte es anders sein, "Der Münchner im Himmel" (nach Ludwig Thoma) einfällt, in knapper Nebenbemerkung. Uns ist der Grantler vor dem Herrn auch lieb und teuer. Dem Manna statt einer Moaß kredenzt wird und dessen zorniges Frohlocken alsdann lautet: "Halleluja! Luhja! Luhja, sog i! ‚zeefix Halleluja! Luhja!", was natürlich nicht zitiert wurde, aber still mitgedacht werden konnte.
Doch Pfarrer Gräßer weiß auch um die leisen Töne. Er verknüpft den Bau des neuen Verwaltungsgebäudes, auch etwas hochtrabend als Kompetenzzentrum firmierend, mit dessen Funktion: ein angemessener Ort zu sein des Trostes, der Trauer und der Pietät.
Im neuen Haus, das auf dem Areal des alten errichtet wurde, begrüßt den Eintretenden eine historische, hölzerne Madonna. Warum auch nicht.
Das spricht für ökumenische Größe. Zudem steht der Friedhof explizit "allen Menschen, Christen wie Nichtchristen" offen. Ansonsten bestimmt strenge und funktionale Zweckmäßigkeit den Bau. Mit Duschmöglichkeiten für die Mitarbeiter und modernen sanitären Anlagen. Historische Fotos erinnern an die Wunden, die der letzte große Krieg auch dem Gottesacker schlug.
Das von allen gesungene, vom Posaunenchor begleitete "Nun danket alle Gott" und das gemeinsame Vaterunser beschließen Weihe und Segnung des Hauses. Grußworte folgen. Von Holger Enke, Referent für Friedhöfe beim Landeskirchenamt, und von Jens Rudolph, dem Vertreter des Generalunternehmers, der Baufirma Rudolph. Von Pfarrer Stephan Tischendorf und dem als"Friedhofsmann" angekündigten Matthias Grüner.
Friedhofsverwalter Alexander Schwarz bekommt schließlich den obligatorischen Schlüssel ausgehändigt, und das letzte Wort hat Kirchenvorstand Guntram Prochnau.