Oelsnitzer Verkehrslärm - keine Beruhigung in Sicht

Keine Verlängerung der Tempo-30-Zone und kein Nachtfahrverbot für große Lkw. Das hat das Straßenbauamt den Anwohnern von August-Bebel-Straße und Bachstraße in Oelsnitz beschieden. Nach Einweihung der Umgehungsstraße wurde die Trasse zur Staatsstraße umgewidmet - der Verkehr explodierte. Seit Herbst 2008 suchen die Leute Lösungen, organisierten eine Unterschriftensammlung, gründeten die "Bürgerinitiative Verkehrsberuhigung".

Doch auch die Versammlung am Dienstagabend mit Fraktionsvertretern aus dem Oelsnitzer Stadtrat brachte keinen Durchbruch. Die Gaststätte "Zur Pforte" - sie liegt mitten im Problemgebiet - war bis auf den letzten Platz gefüllt. Sprecher Matthias Frolik verwies auf die Verkehrszählung: Rund 10 000 Pkw und 200 große Lkw passieren August-Bebel- und Bachstraße in 24 Stunden. Damit seien fast wieder die Zahlen der ehemaligen B 92 im Stadtzentrum erreicht, auf der einst 12 bis 14 000 Fahrzeuge pro Tag gezählt wurden. "Leben und arbeiten im Wohngebiet sind unerträglich geworden", erklärte Sprecherin Dr. Steffi Kijowski. "Wir sitzen hier nicht als Gegner", wandte sich Charlotte Thomä an die Kommunalpolitiker. "Was nutzen alle Errungenschaften der Stadt, wenn sich die Bürger nicht wohlfühlen? Uns ziehen die Enkel weg", gab die Ur-Oelsnitzerin unter Beifall zu bedenken.   Ratlosigkeit bei Stadträten   Bei einigen Stadträten äußerte sich Ratlosigkeit. Stadtrat Christoph Apitz (CDU) sieht im zunehmenden Individualverkehr und dem Ruhebedürfnis "diametral entgegengesetzte Aspekte". Er forderte die Bürger auf, Vorschläge zu machen, wo der Verkehr hin soll. Damit solle wohl der Schwarze Peter zu den Bürgern geschoben werden, vermutete Stadtrat Dr. Jürgen Schlick (DSU). Fachleute müssen ran, meinte der Mediziner. Er erneuerte seinen Vorschlag, den Verkehr - wie bereits 1996 geplant - über die neu gebaute Staatsstraße von Kottengrün nach Lottengrün, über Juchhöh, die Theumaer und Untermarxgrüner Straße zu leiten und damit das Oelsnitzer Stadtzentrum zu entlasten. "Da treten uns die Juchhöher Bürger auf die Füße", erklärte stellvertretender Bürgermeister Mario Horn (CDU) das Dilemma. Stadtbaumeisterin Karin Schuberth ist sich zudem "nicht sicher, ob die Verkehrsverlagerung eine Erleichterung bringt".   Einbahnstraßen öffnen   Pforten-Wirt Udo Kosselek erinnerte an die mit viel Geld sanierten Gründerzeitfassaden. Der schöne Stuck "dreckt jetzt wieder zu". Stadtrat Jens Persing (LuB) findet die Stadt in einer Zwangssituation - ob Staatsstraße oder nicht - der Verkehr suche sich den kürzesten Weg. Die Einbahnstraßen könnten in beide Richtungen geöffnet werden - Nachteil sei der Verlust von Parkplätzen. Ein weiterer Ansatzpunkt sei die in beiden Richtungen durchgängige Öffnung der Adolf-Damaschke-Straße ins Neubaugebiet, was Verkehr von der August-Bebel-Straße abziehen würde.

Die Diskussion zeigte, dass weitere Wohngebiete unter der Verkehrsbelastung leiden. Kritik geübt wurde an der Situation in der Dr.-Friedrich-Straße, in der durch beidseitiges Parken fast kein Durchkommen mehr sei. Die Volksmeinung gipfelte in der Forderung "mehr Polizei". "Wir bewegen uns im Kreis", stellte Dr. Steffi Kijowski fest. "Es muss gebaut werden", forderte Matthias Frolik. Das würde - nach der Westumgehung - auf die neue Ostumgehung hinauslaufen, schlussfolgerte Persing - unwahrscheinlich sei, dass es dafür Geld vom Land gibt. Über die Probleme soll mit dem Straßenbauamt Plauen geredet werden. Ein Termin wird noch bekannt gegeben. "Richtig, macht Druck, bleibt dran!", ermutigte Stadtrat Helmut Morgner (CDU) die Bürger. R.W.