Oelsnitzer Schloss reicht Medizin die Hand

Die medizinische Wissenschaft hat Schloss Voigtsberg entdeckt. Zum 2. Orthopädisch-Unfallchirugischen Erzgebirgstreffen kamen am Samstag 135 Ärzte der beiden Fachdisziplinen in das historische Gemäuer.

Während die Mediziner in der Weberstube den Vorträgen lauschten, hatten Pharmaindustrie und Medizintechnik im Rittersaal ihre Stände aufgeschlagen. Dass mit dem Tagungsort die traditionellen Grenzen des Erzgebirges überschritten wurden, sieht man locker.

"Nach kurzer Besichtigungen im vergangenen Jahr war es klar: Die Räumlichkeiten sind ein Traum für kleinere Tagungen", meinte Dr. Ehrhardt Weiß vom Helios Klinikum Aue. Er hatte mit Dr. Christine Seyfert (Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Zeisigwaldkliniken Chemnitz) die wissenschaftliche Leitung der Tagung inne, die von der Veranstaltungsagentur "Twinsmania" organisiert wurde.

"Orthopädie und Unfallchirurgie waren vor einigen Jahren in der Ausbildung noch völlig verschiedene Fachgebiete, die heute sinnvollerweise zusammengelegt werden", erklärte der Mediziner aus Aue vom Zentrum für integrative Traumatologie und Orthopädie (ZiTO). "Ältere Kollegen haben die gemeinsame Tätigkeit nicht erlebt, hatten kaum Kontakt.

Wir wollen die Potenzen beider Fachgebiete heben und die Zusammenarbeit fördern", sagt Weiß. Mit den Erzgebirgstreffen soll dafür eine regionale Basis geschaffen werden - "Zusammenhalt stärken, Netzwerke bilden" sei der Leitgedanke.

Während sich die erste Tagung im Horch-Museum in Zwickau der Wirbelsäule widmete, stand das Treffen auf Schloss Voigtsberg unter dem Motto: "Hand in Hand für die Hand". Behandlungsmethoden bei Morbus Sudeck - Entzündungen, die bei der Heilung von Knochenbrüchen auftreten - nannte Weiß als eines der herausragenden Themen. Diskutiert wurden sowohl Methoden, die sich als sinnvoll erwiesen haben als auch jene, deren Effektivität nicht nachgewiesen werden konnte.

Als namhaften Referenten begrüßte der Tagungsleiter den Privatdozenten Dr. Michael Steen aus Leipzig, eine der führenden Kapazitäten auf dem Gebiet der Plastischen und Handchirurgie sowie der Schwerbrandverletzten-Versorgung, zum Thema "Funktionelle Behandlung von Fingerfrakturen". Besonders freute sich Weiß über die "tolle Resonanz vieler Kollegen aus Krankenhäusern und Niederlassungen".

Es war der erste Ärztekongress auf Schloss Voigtsberg, das sich am Rande mit seinen musealen Einrichtungen präsentierte. Oberbürgermeister Mario Horn nutzte die Begrüßung für einen kurzen historischen Exkurs. Drei weitere Tagungen verschiedener Träger sind dieses Jahr geplant.