Oelsnitzer Hauptamtsleiter gibt Posten auf

Weißhuhn verlässt Oelsnitz und kehrt zu seiner Beziehung in Erfurt zurück. In der thüringischen Landeshauptstadt hatte er bis Ende 2011 als Jurist in einer Rechtsanwaltskanzlei gearbeitet.

Weißhuhn, der sich vergangene Woche krank gemeldet hatte, schrieb eine Erklärung, die Montag dem Ältestenrat vorlag. OB Mario Horn gab die Worte gestern im Pressegespräch öffentlich bekannt, "um Spekulationen und Gerüchte zu vermeiden".

Der ehemalige Amtsträger spricht von der schmerzlichen Erfahrung, dass sich im Verlauf der vergangenen Monate seine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit Lebensgefährtin und Tochter im Vogtland zerschlagen habe. Dieses mögliche Scheitern seiner Pläne habe er bei seiner Bewerbung nicht ausreichend bedacht. Weißhuhn: "Mein Privatleben litt und drohte zu zerbrechen. Ich habe mich gegen das Amt und für die Beziehung entschieden."

Dieser Schritt sei ihm nicht leicht gefallen. Er habe erst jetzt seine Entscheidung bekannt gegeben, um die Oberbürgermeister-Wahlen nicht zu beeinflussen. Deren organisatorische Vorbereitung war eine seiner Aufgaben. Die Stadträte, unter denen es neben den mehrheitlichen Befürwortern auch Gegner seiner Berufung gegeben hatte, bat er um Verständnis. Abschließend betont Weißhuhn, dass sein Weggang keine Entscheidung gegen seine Heimatstadt Oelsnitz sei, sondern Ausdruck seiner Fehleinschätzung der privaten Situation.

Erst zu Jahresbeginn hatte der 34-Jährige die Nachfolge von Sigrun Kögler im Rathaus angetreten - und damit eine fast halbjährige Vakanz des Hauptamts beendet. Anfang November 2011 hatte er es geschafft "mit jugendlicher Frische, Schlagfertigkeit und fundiertem Wissen" (O-Ton Horn) den Stadtrat in der letzten Runde von drei Bewerbern von sich zu überzeugen. Weißhuhn, so hieß es, habe den "intensiven Wunsch, ins Vogtland zurückzukehren".

Was empfindet der Oberbürgermeister nun? "Ich bin sehr traurig, muss aber Verständnis haben", so Horn. Schon die letzten drei Wochen habe ihn "so ein Bauchgefühl" beschlichen. Weißhuhn habe einen Superstart hingelegt und vier Monate sehr gute Arbeit geleistet. "Wir haben uns sehr vertraut, vieles besprochen und uns gegenseitig Rat gegeben. Wir hatten eine fast freundschaftliche Beziehung", schätzt Horn die Chemie untereinander ein.

Beworben hatten sich als Hauptamtsleiter auch zwei Leute aus dem Rathaus. Kommen diese jetzt zum Zug? Über die Neubesetzung werde der Stadtrat nicht öffentlich am Mittwoch, 9. Mai, beraten, informierte Horn. "Die Situation ist schwierig", meinte Sachgebietsleiterin Barbara Gerber, zuständig für Personalwesen, "die Personaldecke auf der Führungsebene ist dünn besetzt." Auch Stadtbaumeisterin Karin Schuberth fehlt, sie ist seit November krank. va