Oelsnitzer Fußgängerzone auf Prüfstand

Oelsnitz - Die menschenleere Innenstadt und mehrere Geschäftsaufgaben lassen in Oelsnitz die Alarmglocken anschlagen. Die DSU-Fraktion hatte Ende Januar dem Stadtrat ein Thesenpapier vorgelegt zur Verkehrssituation, das Mittwoch dem Bauausschuss zur Diskussion vorlag.

Das Thema stößt auf Interesse in der Stadt. Das zeigte "die ganze Anzahl Bürger" (OB Mario Horn), die sich eingefunden hatte. Die Fußgängerzone vor dem Rathaus wieder für den Pkw-Verkehr zu öffnen, war der Kerngedanke im Vortrag von DSU-Stadtrat Dr. Jürgen Schlick. Mit der direkten, geradlinigen Anbindung des Marktplatzes an die B 92 und S 312 würden sieben stark befahrene Straßen innerorts entlastet, darunter die Härtefälle Schmidtstraße und August-Bebel-Straße.

Damit stellte die DSU-Fraktion das Verkehrskonzept auf den Prüfstand, das nach dem Bau der Umgehungsstraße eingeführt wurde. Für Schlick ist an mehreren Punkten der Stadt "der Lärmsanierungsauslesepegel" überschritten, sprich, es ist zu laut. Nach dem Bau des Rewe-Marktes drohe der Verkehrsstau am Heppeplatz, der bereits jetzt ein Unfallschwerpunkt sei. Doch sind Verkehrssituation, Lärm und Feinstaub auch schuld am Einwohnerschwund, wie Schlick meinte? In den vergangenen zehn Jahren habe Oelsnitz um 2000 Einwohner abgenommen und zähle derzeit 10 800 Köpfe. Bei dieser Entwicklung sei man in vier bis fünf Jahren keine Große Kreisstadt mehr.

OB Mario Horn sieht in der Öffnung der Fußgängerzone nur einen Mosaikstein. Ein Gesamtpaket von Maßnahmen müsse her, in das sich auch die Gewerbetreibenden einbringen - mit Blumenschmuck, Beleuchtung und einheitlichen Ladenöffnungszeiten. Er freue sich über das Umdenken beim Gewerbeverband, die in studentischen Auftrag gegebene Entwicklungskonzeption nun auch in der Öffentlichkeit zu diskutieren, äußerte Horn. In der Beratung erhielt Uhrmachermeister Karl-Heinz Tietz Rederecht, ein Anwohner der Schmidtstraße. Der Verkehr dort habe sich seit Ausweisung der Fußgängerzone vervielfacht, beklagte Tietz.

Eine Fußgängerzone mit zwei Geschäften und einer Gaststätte bringe nichts. Sie sei gemacht worden, damit die Mitarbeiter im Rathaus eine ruhige Kugel schieben können, zitierte der Uhrmacher den Volksmund. Helmut Morgner (CDU) schlug vor, für ein halbes Jahr eine verkehrsberuhigte Zone mit Tempo 30 vor dem Rathaus auszuprobieren, sowie am Heppeplatz einen Kreisverkehr einzurichten. Klaus Schumann (Die Linke) findet zwar, dass mit der Umgehungsstraße "die total falsche Variante gebaut" wurde, am Einwohnerschwund sei die Verkehrssituation aber nicht schuld. Hier wirkten andere Ursachen wie das allgemeine Umfeld, der Drang in die Zentren und das niedrige Lohnniveau. Das Arbeitspapier der DSU finde er toll. An der Diskussion sollten noch mehr Bürger beteiligt werden.

An den Schulen könnten Projektarbeiten vergeben werden für die Stadtgestaltung, regte er an. Vor dem "Schnellschuss", die Fußgängerzone für den Verkehr zu öffnen, warnte Schumann. Wo solle man dann mit den Bushaltestellen hin? In das gleiche Horn stieß Ortschaftsratsvorsitzender Bernd Blau. Die Fußgängerzone sei geschaffen worden, damit Leute - darunter viele Ältere - ungefährdet vom Bus in die Amtstuben des Rathauses kommen. R.W.

Information

Zum Thema innerstädtischer Verkehr, Handel und Gewerbe in Oelsnitz diskutiert am Dienstag, 8. April, der Gewerbeverband in seiner Versammlung im Paradise Island, Schillerstraße 8.