Ökobetrieb in XXL im Vogtland

In Eichigt übernimmt Dennree-Gründer Thomas Greim eine Agrar-Genossenschaft. In gerade einmal drei Jahren will er im Vogtland ökologische Landwirtschaft etablieren.

Eichigt - Riesige Ställe, meterlange Hallen: Noch ist das Agrarunternehmen im vogtländischen Eichigt das komplette Gegenteil von dem, was man sich unter einem Biobauern vorstellt. "Aber in einem Jahr werden Sie das hier nicht wiedererkennen", sagt Christian Pfeffer. Er koordiniert die bislang größte Umstellung eines sächsischen Landwirtschaftsbetriebs auf Bio-Richtlinien.

"Nach erfolgreicher Umstellung werden wir einer der größten Biobetriebe Deutschlands sein", schildert Pfeffer. Die Idee, eine von der Existenz bedrohte Agrargenossenschaft mit rund 100 Mitarbeitern zu übernehmen, geht auf Thomas Greim zurück. Er ist Gründer des Biogroßhändlers Dennree, der neben einer eigenen Biomarke inzwischen auch mehr als 200 Bio-Supermärkte in Deutschland und Österreich betreibt.

Da der Hauptsitz seines Unternehmens im nordbayerischen Töpen im Landkreis Hof nur etwa 30 Kilometer von Eichigt entfernt sei, habe er die Chance ergriffen. "Mein Herz schlägt schon ein Leben lang für die Landwirtschaft", begründet der Oberfranke seine Entscheidung. Auch für Sachsens Landwirtschaftsminister Schmidt ist Bio zumindest ein Teil der Antwort auf die kriselnde Landwirtschaft.

Die Entwicklung im Freistaat sei positiv, auch wenn man das einst von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 20 Prozent Ökolandbau nur in moderaten Schritten erreichen könne. Bislang war nach Angaben des sächsischen Landwirtschaftsministers Thomas Schmidt, CDU, ein Betrieb mit 1.000 Hektar der größte Umsteller im Freistaat.

Zwei Jahre lang habe Agrofarm 2000 nun Zeit, um sich auf einer Fläche von insgesamt 4.000 Hektar von konventionellen Methoden zu verabschieden, berichtet Pfeffer. In dieser Zeit müsse man ökologisch produzieren, dürfe die Ernte aber nur als konventionelle Erzeugnisse zu entsprechenden Preisen verkaufen. Bis spätestens April 2018 müsse die Haltung der derzeit rund 3.000 Rinder artgerecht sein - grüne Weideflächen statt trister Ställe. Komplettumbau inklusive.

Auch Getreide, Mais, Erbsen oder Lupinen müssten dann den Anforderungen des Anbauverbands Bioland entsprechen, erläutert Pfeffer weiter. Bioland ist mit mehr als 6.200 Betrieben Deutschlands Platzhirsch in Sachen Ökolandbau, gefolgt von Naturland mit rund 2.900 und Demeter mit knapp 1.500 Höfen.

Nach Angaben des Dachverbands BÖLW gibt es bundesweit knapp 25.000 Biobauern, die rund 1,09 Millionen Hektar Fläche bewirtschaften. Derzeit bewirtschaften in Sachsen 556 Betriebe 37.500 Hektar Ökofläche. Das entspricht einem Anteil von nur 4,1 Prozent an der gesamten Anbaufläche. Damit liegt das Bundesland deutschlandweit an drittletzter Stelle.

"Aber die Tendenz ist steigend und in einzelnen Bereichen wie dem Obstanbau liegen wir bereits weit vorn", sagt Minister Schmidt. Sachsen wolle beim Thema Bio auf jeden Fall weiter am Ball bleiben. So soll 2017 die Umstellungsprämie angehoben werden, erklärt Schmidt. Für Acker- und Grünland soll sie sich beispielsweise von derzeit 230 Euro auf 330 Euro je Hektar erhöhen.

"Bei dem ganzen Biotrend müssen wir aber darauf achten, dass die Prämie nicht zum alleinigen Umstellungs- Anreiz wird", betont er. Der Wechsel sei ein langwieriger und schwieriger Prozess, für den die Landwirte die richtige Motivation mitbringen müssten. Das dürfte den Vogtländern trotz ihrer Größe nicht schwer fallen.

Thomas Greim ist seit 1974 in der Biobranche aktiv und hat sich in dieser Zeit vom Ein-Mann-Betrieb und Bio-Pionier zum Mittelständler mit mehr als 4.600 Mitarbeitern gemausert.

Vom Bio-Pionier zum Bio-Handelshaus

Dennree wurde 1974 von Thomas Greim als Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Der Bio-Pionier startete sein Handelsunternehmen mit vier Milchprodukten, wie in der Unternehmensgeschichte zu lesen ist. Die Milch bezog er demnach von Bauern aus dem Chiemgau, die bereits seit Anfang der 1970er Jahre biologischdynamisch wirtschafteten. Inzwischen beliefert das Unternehmen nach eigenen Angaben 1.300 Naturkostfachgeschäfte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Italien.

Das Sortiment umfasst demnach rund 12.000 Artikeln. Zudem hat Dennree eine eigene Biomarke aufgebaut und betreibt in Deutschland und Österreich mehr als 200 eigene Supermärkte unter der Marke "Denn?s Biomarkt". Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Töpen im Landkreis Hof beschäftigt mehr als 4.600 Mitarbeiter und erzielte 2015 einen konsolidierten Netto- Umsatz von 820 Millionen Euro.