Odyssee findet glückliches Ende

Nele Wolfram ist wieder zurück in Plauen - und zwar schneller als gedacht. Vorige Woche berichteten wir, dass sie gerade noch abgeschottet im Senegal versuchte, einen Weg zurück in die Heimat zu finden. Das ist nun gelungen.

Von Ingo Eckardt

Plauen Nele Wolfram sitzt entspannt im Garten nahe dem Plauener Stadtpark. Eine Tasse Kaffee hat sie sich aufgebrüht und genießt die ein wenig winterliche Sonne, bei ziemlich kühlen Temperaturen. "Trotzdem ein ganz schöner Unterschied", konstatiert die junge Frau, die eben noch in Afrika bei 35 Grad plus schwitzte. In der Nacht zum Freitag ist die einstige Plauener Jungstadträtin heimgekehrt. "Ich hatte am letzten Mittwoch gerade mein Schicksal akzeptiert, halt im Senegal bleiben zu müssen. Alle Grenzen waren zu, Flüge nach Deutschland Fehlanzeige", erzählt Nele Wolfram. Sie sei dann als kleines Ritual abends zum Strand gegangen und hatte für sich festgestellt, dass es ja letztlich ganz schön sei, auch wenn sie tief in Afrika feststeckte. "Am Strand traf ich meinen WG-Mitbewohner Yannik, der mir erzählte, dass er eben einen Anruf von der Botschaft in Dakar erhalten habe. Wir sollten am nächsten Morgen um 11 Uhr am Flughafen sein. Dort starte ein Evakuierungsflug nach Brüssel, den die EU organisiert hätte. Wir sind dann zurück zur WG geeilt, haben unsere Sachen gepackt und uns von den Mitbewohnern aus dem Senegal und Frankreich verabschiedet", berichtet Nele.
Am nächsten Morgen sei man zum Flughafen gefahren und habe für die sonst extrem verstopfte Strecke statt zwei nur eine Stunde gebraucht. "Das war ein absoluter Geisterflughafen, wir waren die einzigen Leute dort, wurden von der belgischen Botschaft begrüßt. Wir mussten einen Zettel ausfüllen, dass man den Flug nachträglich bezahlt. Yannik stand auf der Liste, mein Name nicht. Ich wurde dann handschriftlich hinzugefügt.
Nach ein paar Stunden Wartezeit ging dann der Flug nach Brüssel. Wobei wir nicht wussten, wie wir von dort aus heimkommen würden. Die Grenzen sind ja dicht. Es war ein wirklich unangenehmes Gefühl", erinnert sich die junge Plauenerin. Abends gegen 22 Uhr sei man gelandet.
Es habe Flüge nach Berlin gegeben, die mit 500 Euro Kosten jedoch viel zu teuer gewesen seien. Gemeinsam mit ihrem WG-Kumpel habe sie noch einen Zug für 150 Euro nach Berlin erwischt - nach einer Nacht am Flughafen, wo sie mit einem eventuell mit Corona infizierten Ukrainer Kontakt hatten. Nele Wolfram: "Zudem sind wir mit einem Flugzeug, drei Zügen und drei Autos von Dakar nach Plauen gekommen. Da ist es logisch, dass wir jetzt freiwillig mal in Quarantäne gegangen sind. Wir wollen ja auch niemanden anstecken", sagt Nele Wolfram und spricht nicht umsonst in der Mehrzahl, denn ihren WG-Freund Yannik hat sie mit nach Plauen gebracht. "Gemeinsam macht Quarantäne dann doch mehr Spaß", lacht sie. Eine konkrete Info seitens der deutschen Behörden gab es nicht, die belgischen Behörden hatten bei der Einreise auf zwei Wochen Quarantäne hingewiesen.
"Ich bin glücklich, wieder bei meiner Familie zu sein und in einer Gesellschaft, für die ich ein Gefühl habe, wie sie mit einer Krisensituation umgeht. Und das sage ich, die ich überall auf der Welt als so genannter ‚Digital Nomad‘ arbeiten kann. Momentan weiß ich auch nicht, ob ich meinen Job bei einem Zwickauer Verein behalten kann. Irgendwie ist es schon schizophren, im Senegal gab es viel weniger Corona-Fälle und dennoch wollten wir lieber in die Heimat, die aus dortiger Sicht ja quasi ein Hochrisikogebiet darstellt. Ich habe mich dort trotzdem unsicher gefühlt. Vielleicht sind unsere Ansprüche an Gesundheitssystem und eine funktionierende Krisenbearbeitung da auch zu hoch. Letztlich habe ich da auch gemerkt, dass ich froh bin, Bürgerin eines Sozialstaates zu sein und so privilegiert heim gekommen zu sein", ist Nele Wolfram nachdenklich, wenn sie sich und die Welt einordnet.