(Obere) Grabenkämpfe

"Ich bitte Sie herzlich, die Vorlage gründlich zu lesen", wandte sich OB Ralf Oberdorfer am Montag an die Mitglieder des Wirtschaftsförderungsausschusses. Es ging zum wiederholten Male um den Standort des Info- und Dokumentationszentrums (IDZ) zur Erinnerung an die Friedliche Revolution.

Plauen Bringen wir den derzeitigen Diskussions-Dauerbrenner in allen Ausschüssen auf den Punkt und die Brüder Grimm ins Spiel: "Meine Frau die Ilsebill, will nicht so wie ich wohl will". Als Fischer agieren der OB und Mitglieder des Vereins 89, als Ilsebill ein Großteil der Stadträte und - längst kein Geheimnis mehr - die beiden Stellvertreter des OB. Freilich schlugen sich die beiden Märchensammler nicht mit Vorlagen rum, zumindest nicht im neuzeitlichen Sinne. Eine solche präsentierte die Verwaltung am Montag und wird dies bis zur Entscheidung am 20. Oktober - so dann eine erfolgt - noch in weiteren diversen Ausschüssen tun. Im Wesentlichen geht es um drei Varianten: Den Standort Melanchthonstraße, wo das IDZ gemeinsam mit der Tourist-Info und einem öffentlichen WC unter dem Dach eines Neubaus sein Domizil finden soll. Kosten: 2,07 Millionen Euro. Variante 2 lässt die Sparfüche frohlocken: Die Sanierung des Erdgeschosses des einstigen Brandschutzamtes am Oberen Graben schlüge mit 638.000 Euro zu Buche, der Ausbau des gesamten Gebäudes zu einem IDZ mit 2,4 Millionen. Der Vergleich der Investitionskosten ist freilich nur bedingt hilfreich: Am Oberen Graben wären weder eine neue Tourist-Info noch stille Örtchen angesiedelt und auch die Folgekosten wären deutlich höher als für einen Neubau an der Melanchthonstraße. "Zu kurz gesprungen", werfen die Befürworter des Oberen Grabens vor allem dem OB vor, der wiederum den Verein 89 an seiner Seite weiß, der ein derartiges Zentrum überhaupt erst ins Gespräch brachte.
Vereinsvorsitzender Manfred Sörgel: "Ein gemeinsames Domizil mit der Tourist-Info bietet ideale Synergieeffekte. In unmittelbarer Nähe musste die Staatsmacht erstmals vor dem Volk zurückweichen. Wir möchten eine Lösung, die die Stadt auf Dauer stemmen kann."
Dirk Heinze, Tourismusverband Vogtland: Das geteilte Dorf Mödlareuth wird von jährlich 80.000 Menschen besucht, diese Synergieeffekte gilt es für Plauen zu nutzen."
CDU-Stadtrat Ingo Eckardt: "Eine Lösung an der Melanchthonstraße wird dem Anliegen nicht gerecht, aus dem Thema Friedliche Revolution ein echtes touristisches Standbein zu entwickeln.
AfD-Stadtrat Frank Schaufel: "Die Brandschutzwache ist der ideale Ort und lässt sich bestens mit dem Museum verbinden, hier könnte eine Art Museumsquartier entstehen."
Ebenfalls in die Diskussion warf Eckardt den Vorschlag, den Postplatz in Thomas-Küttler-Platz umzubennen, was aber an den Kosten scheitern dürfte, die den Anwohnern und Händlern in diesem Bereich aus einer Umbenennung erwachsen würden.
Ein weiteres Mal plädierte Eckardt für einen Bürgerentscheid zum Standort IDZ. Aus Sicht des OB sei das Thema allerdings zu komplex, um mit Ja oder Nein beantwortet werden zu können. Zudem warnte Oberdorfer davor, eine Entscheidung in den nächsten Doppel-Haushalt zu verschieben, weil völlig unklar sei, wie sich die Fördertöpfe entwickelten - übrigens könnten beide Standorte aus verschiedenen "Töpfen" gefördert werden. Und am Ende eine Bemerkung die aufhorchen ließ: "Die Meinung meiner beiden Bürgermeister zeigt mir, dass sie sich nicht richtig mit dem Thema auseinandergesetzt haben". Ein Bayer würde von Abwatschen reden. top