Oberbürgermeister Oberdorfer verzichtet auf erneute Kandidatur

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer will kommendes Jahr nicht noch einmal zur Wahl antreten - gestern blickte er auf seine 20-jährige Amtszeit zurück.

Von Mario Wild

Ich möchte bis zum Tag der Amtsübergabe noch vieles erreichen", so Oberdorfer. Das dürfte nach jetzigem Stand der Dinge der 31. August 2021 sein. Denn Oberdorfer tritt im kommenden Jahr nicht noch einmal bei der OB-Wahl an. Das gab der 60-Jährige (nach anfänglichem Zögern) bei einem Pressetermin in der Studienakademie bekannt. "Wir haben die Räumlichkeiten mit Bedacht gewählt", so Stadtsprecherin Silvia Weck. Die Bildungseinrichtung hat Oberdorfer fast seine gesamte Amtszeit begleitet. Diese begann fast auf den Tag genau vor 20 Jahren - seit dem 1. September 2000 führt er die Geschicke der Stadt Plauen. In dieser Zeit leitete er 227,5 Stadtratssitzungen und arbeitete mit vier Baubürgermeistern und zwei Sozialbürgermeistern zusammen.


Amtsmüde sei er nicht. "Ich fühle mich fit wie ein Turnschuh", so Oberdorfer. Auch Pläne wie es nach seiner OB-Zeit weiter geht, habe er noch nicht. "Ich will etwas tun, was mich fordert und erfüllt und nicht nur das Leben genießen", betont er. "Oberbürgermeister war immer mein Traumberuf", stellt Oberdorfer klar - auch in schwierigen Situationen. Beispiel am "Tiefpunkt" seiner Amtszeit. "Das war 2008 die Verlust der Kreisfreiheit mit allen heute spürbaren Konsequenzen", so der Stadtchef. "Das war ein historischer Fehler", so Oberdorfer. Zumindest in der jetzigen Legislaturperiode der Landesregierung (bis 2024) sei dieser unumkehrbar. Und danach? "Man soll nie nie sagen, die großen Parteien müssten sich dafür einsetzen.


Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt er die Neuordnung der Bäderlandschaft mit der Wiedereröffnung des Freibades Haselbrunn (2002) und der Eröffnung des Stadtbades (2007). Als Schwerpunkte bezeichnet er neben der Sportstättenentwicklung die Bereiche Wirtschaft und Bildung. Nicht zuletzt deshalb sei die Staatliche Studienakademie so wichtig für Plauen. Deren Direktor Professor Lutz Neumann lobte die "extrem gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Wir haben derzeit mehr Praxispartner als Studenten", hob er die Bedeutung der Einrichtung hervor. Eine Stadt von der Größe Plauens brauche aber nicht 400, sondern 4000 Studenten. Nicht nur deshalb strebe man die Anerkennung als Duale Hochschule an. Das würde auch den Bekanntheitsgrad steigern. "Noch sind rund 100 Studienplätze zu vergeben", so Neumann, der betont, dass es trotz Corona keine Studien-Verzögerung gegeben hätte. Nicht zuletzt deshalb, weil man auch nach dem Umzug auf dem Campus noch die Räume in der Melanchthonstraße nutzen konnte. Diese hatte die Stadt der Einrichtung mietfrei zur Verfügung gestellt - bereits im Jahre 2006. Am heutigen Samstag von 10 bis 14 Uhr findet ein Tag des offenen Campus statt, bei dem Last-Minute-Einschreibungen möglich sind.


Plauen darf als Modellstadt in den kommenden sieben Jahren voraussichtlich 50 Millionen Euro investieren. Jeweils 25 Millionen vom Bund und vom Land, wobei die Stadt einen Eigenanteil von zehn Prozent leisten soll. Vor einigen Tagen hat Ministerpräsident Michael Kretzschmar schriftlich die "Zahlungsmodalitäten" der Landesregierung bekannt gegeben. "Ein Meilenstein", sagt Oberdorfer.


Langweilig werden die kommenden Monate mit Sicherheit nicht - auch weil es einige "heiße Eisen" anzupacken gilt. "Wenn wir weiter kommen wollen, muss auch eine Industrieflächen-Erweiterung an der Autobahn sein. Lediglich die Revitalisierung von Industriebrachen in der Innenstadt kann das nicht ersetzen", so Oberdorfer - wohl auch im Hinblick auf das Gewerbegebiet Oberlosa.


Künftig gelte es aber auch mehr denn je, auf regenerative Energien zu setzen. Es könne nicht funktionieren, dass die Menschheit in 200 Jahren die Vorräte an Erdöl und Kohle aufbraucht. Global denken - lokal handeln. Das gilt auch für seinen Nachfolge. Oder gibt es etwa doch ein Hintertürchen? "Ich gebe das Amt gern in gute Hände ab, wenn es geeignete Bewerber gibt", so der Stadtchef.