OB ist kein Amt mit Stundenbudget

Im Falle von Oberbürgermeister Steffen Zenner kann man nicht behaupten, dass der Stuhl seines Vorgängers noch warm sei - denn der bisherige Kultur- und Sozialbürgermeister ist einfach auf seinem eigenen sitzen geblieben. Weshalb das so ist und was er in den nächsten sieben Jahren bewegen möchte, erfuhr Torsten Piontkowski im Gespräch mit dem 52-Jährigen.

Herr Zenner, zunächst die bereits angedeutete Frage. Sie haben Ihr bisheriges Büro nicht verlassen?
Genau. Ich werde mein altes Büro für maximal ein Jahr behalten, weil die Bauarbeiten im Rathaus ungebremst weiter laufen. Die Ausschilderung, wo ich wie bisher zu finden bin, ist gut und auch das Bürgerbüro im Erdgeschoss gibt gern Auskunft.

Was war Ihre erste Amtshandlung?
Das war in der Tat die Begrüßung unserer fünf neuen Auszubildenden, ein wichtiger und schöner Termin.

Welche Prioritäten werden Sie bezüglich der Teilnahme an Ereignissen bzw. Veranstaltungen setzen?
Ich werde maximal präsent sein. Die Bürger wollen nicht nur einen OB zum Anfassen, sie haben auch ein Recht darauf. Und ich möchte Probleme auf sprichwörtlich kurzem Wege klären.

Was schätzen Sie an Ihrem Vorgänger Ralf Oberdorfer, was werden Sie anders angehen?
Was er sehr gut beherrschte, war Konsens herzustellen. Ich werde mich bemühen, deutlich öfter im Rathaus zugegen zu sein und bestimmte Aufgaben auch nicht mehr wahrzunehmen, damit man sich nicht verzettelt. Der Platz des Plauener OB im Deutschen Städtetag wird beispielsweise leer bleiben, dafür konzentriere ich mich auf die Schnittstellen zum Freistaat, dem Landkreis und meine Aufgaben für die Kommune.

Ihre gute Vernetzung "nach Dresden" ist kein Geheimnis...
Einen unkomplizierten Zugang zu Ministerien im Freistaat zu haben, ist sicher nicht von Schaden. So lässt sich auch das ein oder andere Projekt für die Stadtentwicklung anschieben.

Dafür gibt es sicher Beispiele?
Wir stehen in Verhandlungen zur Sanierung der Neustadtbrücke und zu Fragen der Dualen Hochschule. Da gibt es ein gutes Miteinander mit den zuständigen Behörden in Dresden. Deshalb werde ich dort auch regelmäßig präsent sein.

Wie wollen Sie verhindern, ein "CDU-lastiger" Bürgermeister zu sein?
Ich setze auf Politik für die breite Masse der Bürgerschaft und werde definitiv die Stadträte in allen Entscheidungen mitnehmen, völlig egal, welcher Fraktion sie angehören. Vielleicht noch ein praktisches Beispiel: Mein Büroleiter Lars Krämer ist SPD-Mitglied. Doch darauf kommt es nicht an. Entscheidend ist, dass er nicht nur bei den jüngsten OB-Wahlen gemeinsam mit Nadja Friedländer-Schmidt gezeigt hat, dass er ein fleißiger, ruhiger und hoch qualifizierter Mann ist, der eine schnelle Auffassungsgabe besitzt, der von sich aus alles tut, sich weiterzubilden.

Sind zwei oder gar drei Amtsperioden für einen OB zu lange?
Ich bin ein absoluter Freund des Zwei-Amtsperioden-Systems, aber darüber entscheidet natürlich der Wähler. Wenn man 14 Jahre sieben Tage die Woche präsent ist, dann sollte man nach dieser Zeit frischen Wind zulassen, neue Impulse, neue Ideen. Es ist ja so: In der ersten Periode werden die Weichen gestellt, in der zweiten müssen Erfolge verstetigt werden und man sieht auch die Früchte der Anstrengungen. So lässt sich auch ein Politik-Beamtentum verhindern.

Wen, mit welchen Eigenschaften, wünschen Sie sich als Ihren Nachfolger im Amt des Kultur- und Sozialbürgermeisters?
Ich wünsche mir einen loyalen, fachlich versierten, streitbaren, aber konsensbemühten Bürgermeister der es versteht, am Ende des Tages Einigkeit herzustellen. Denn Streitpunkte gibt es immer. Er sollte verinnerlichen, dass Bürgermeister kein Job mit einem Stundenbudget ist. Es sind insgesamt zehn Bewerbungen eingegangen. Alle, die die fachlichen Grundvoraussetzungen erfüllen, stellen sich am 15. September im nichtöffentlichen Teil des Verwaltungsausschusses vor. Die Wahl des oder der neuen Bürgermeisterin für diesen Geschäftsbereich erfolgt am 28. September im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung.

Apropos Geschäftsbereiche. Wird es Umstrukturierungen geben?
Es wird weiterhin drei Geschäftsbereiche geben, innerhalb derer es zu Veränderungen kommt. Das Controlling schaut sich gerade die Arbeitsabläufe an. Wichtig ist, dass alle drei Bürgermeister bei Entscheidungen einen einheitlichen Wissensstand besitzen. Neu strukturiert wird beispielsweise die Wirtschaftsförderung. Wir müssen Vernetzung neu definieren, Abläufe reibungsloser gestalten.

Was haben Sie in Ihrer Amtszeit als Kulturbürgermeister gelernt, auch im Umgang mit der Verwaltung?
Gelernt trifft es vielleicht nicht exakt. Ich habe schätzen gelernt, dass die Verwaltung über hoch motivierte Mitarbeiter verfügt, die auf klare Ansagen warten, eine saubere, klare Führung. Die jahrelangen Erfahrungen und das Wissen aus dem Geschäftsbereich I, sowie die Verantwortung für diesen Geschäftsbereich gehabt zu haben, sehe ich für die anstehende Arbeit als Oberbürgermeister als Segen.

Welche Entwicklungen darf Plauen in den nächsten sieben Jahren keinesfalls verschlafen?
Wir müssen den finanziellen Handlungsspielraum auf neue Füße stellen, mehr eigene Steueraufkommen generieren. Wichtig ist es, die Stadtgesellschaft mitzunehmen, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, weshalb die Verwaltung etwas so und nicht anders entscheidet. Dafür müssen die Menschen in Entscheidungen einbezogen werden, ihre Ideen einbringen können. Wir werden regelmäßige Onlineformate anbieten, in denen Projekte vorgestellt und Fragen auch sofort beantwortet werden. Und wir müssen bis 2026 das Projekt Modellkommune zum Abschuss bringen und hier wiederum Prioritäten setzen. Das Gewerbegebiet Oberlosa muss vorangebracht werden, wir brauchen dringend Flächen für Investoren, es gibt regelmäßig Anfragen.

Das Verhältnis zu den Oberlosaern ist aber ramponiert...
Ja, es ist tatsächlich beschädigt. Ich war vor Ort um aufzuzeigen, was wir vorhaben, weshalb wir Flächen brauchen. Und ich habe klar gemacht, dass sich keine Gewerbe mit hohen Emissionen wie Lärm oder Schmutz ansiedeln werden. Es muss ein gegenseitiges Geben und Nehmen wachsen und da kann man auch darüber nachdenken, den Oberlosaern mal "was Gutes" zu tun.

Was machen Sie künftig zur Chefsache?
Zum einen die Strukturen in der Verwaltung, zum anderen die Vorbereitungen zur 900-Jahr-Feier Plauens. Besonders wichtig ist mir die Bewerbung für das Zukunftszentrum für europäische Transformation und Deutsche Einheit, das unsere Pläne für ein Informations- und Dokumentationszentrum auf eine ganz andere Ebene stellen würde. Ministerpräsident Kretschmer hat für diese Bewerbung insgesamt 150.000 Euro für alle Bewerber aus dem Freistaat Sachsen in Aussicht gestellt. Ich denke, wenn wir gemeinsam mit Hof und Chemnitz eine Art Südwestsachsen-Bündnis kreieren, hätten wir gute Chancen.

Wie wollen Sie das Verhältnis zum Landkreis verbessern?
Ich war am Mittwoch zum Antrittsbesuch bei Landrat Rolf Keil und habe für eine bessere, freundschaftliche Zusammenarbeit geworben. Der Informationsaustausch muss enger, gegenseitiges Vertrauen weiter aufgebaut werden.

Wem galt Ihr erster Amtsbesuch?
Wir stehen in engem Kontakt zu Zwickaus OB Constance Arndt, ich habe einen Vorstellungstermin bei Staatsminister Oliver Schenk und möchte schnellstmöglich mit Ministerin Barbara Klepsch vereinbaren, wie wir beispielsweise die Theaterfinanzierung unseres Theaters Plauen-Zwickau gestalten können - über Mittel aus dem Kulturraum bzw. einem Sonderfinanzierungsprogramm.

Die Städtepartnerschaften scheinen etwas zum Erliegen gekommen zu sein?
Mit Siegen haben wir gute Kontakte und auch mit Hof sind wir uns einig, sie weiter zu intensivieren. Mit den anderen Partnerstädten ist eine bessere Vernetzung wichtig.

Ist Plauen eine "braune" Stadt?
Nein, aber es ist eine Stadt, in der sich der III. Weg offensichtlich sehr wohl fühlt. Wir müssen als Stadt und Landkreis alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um kein Zentrum für Rechts -oder auch Linksextremismus zu werden. Ich setze mich entschieden gegen jedwede Form von Extremismus ein und zeige klare Kante, wenn es um die Spaltung unserer Gesellschaft geht. Egal ob durch fehlenden gegenseitigen Respekt und Toleranz oder Verrohung der Sprache. Und ich werde auch bei künftigen Demos gegen Rechts präsent sein.

Wo steht Plauen in sieben Jahren?
Ich denke, wir werden 2028 von einer geschlosseneren Stadtgesellschaft sprechen können. Von einer Stadt der Kultur, des Sports und der Bildung, mit einer hoffentlich dualen Hochschule. Von einer Stadt mit diverser aufgestellter Industrie, einer höheren Wertschöpfung und digital orientierten Unternehmen. Von einer Zuzugsstadt für junge Familien. Manchmal schaffen wir es noch nicht, unsere Potentiale zu verstetigen. Dafür braucht es auch - und das sehe ich für 2028 ebenfalls - eine digitalisierte, dienstleistungsorientierte Verwaltung. top