Oase der Zuversicht

Das Jugendzentrum Oase im Chrieschwitzer Hang ist geschlossen. Doch drinnen werkeln die Mitarbeiter es beliebten Treffs für Kinder und Jugendliche gewissermaßen an der Zukunft - der Zeit nach Corona.

Von Frank Blenz

Plauen Aus dem Keller des bunten Flachbaus sind Arbeitsgeräusche zu vernehmen, unüberhörbar hämmert und bohrt jemand. Ein paar Stufen hinab und der Besucher sieht, was hier gegenwärtig vor sich geht. Türen und Schwellen werden renoviert und barrierefrei gemacht, der Keller selbst aufgeräumt.
"Ordnung schaffen, und sich überlegen, wie es nach der Wiedereröffnung weitergehen soll, damit beschäftigt sich derzeit unser Dreierteam erzählt Peggy Schöffler Gadsch. Sie, Lisa Menge und Gunnar Hase halten momentan die Stellung und machen sich nicht nur über die Zeit "nach Corona" Gedanken, sie möchten auch gegenwärtig mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt bleiben.
Immerhin kommen normalerweise an die 60 Kinder und Jugendliche montags bis samstags in den Treff. Die wolle man auch jetzt "bei der Stange halten", sagt die Oase-Chefin. "Wir basteln gerade an einem Online-Programm. Die Kids sind ja oft am Computer, wir werden Sendungen aus unserer Oase produzieren, live mit den zu Hause Sitzenden kommunizieren, Spiele anbieten, Backen, Diskutieren. Nächsten Montag geht es los, wenn alles klappt", so Peggy.
Sie dürfen noch arbeiten, erklärt die Jugendclub-Leiterin. Geschlossen ist aus Vorsicht und Rücksicht. Derweil bemüht sich das verbliebene Trio, Kontakte aufrecht zu erhalten, zu beraten, Langeweile zu begegnen. "Wir haben Telefonzeiten eingerichtet. So sind wir auch für die Senioren aus unseren generationsübergreifenden Projekten erreichbar, falls wir mit Einkauf, Apothekengängen usw. unterstützen können. Und ganz aktuell gab es eine Anfrage der Kreisverwaltung, ob wir gegebenenfalls im Gesundheitsamt aushelfen würden. Dazu wären wir natürlich bereit. Es ist ja in unser aller Interesse, das dieses Amt jetzt arbeitsfähig bleibt", berichtet Peggy Schöffler-Gadsch aus ihrem derzeit eher ungewöhnlichen Arbeitsalltag.
Natürlich würde man gern bald wieder öffnen. "Und wir planen auch behutsam, um unsere Oase wieder auf Touren zu bringen." Sie denke auch darüber nach, wie es generell mit der Kinder- und Jugendarbeit weitergeht, dass endlich begriffen werde, wie wichtig diese Arbeit für unseren Nachwuchs ist", sagt die Leiterin. "Dieses Gehangel von Jahr zu Jahr, diese Unsicherheit, dass uns Gelder bewilligt werden, dass wir ständig bangen müssen ob gespart wird, dass wir nicht wissen, ob am Ende dann doch mehr Mittel bereit gestellt werden. Ich weiß nicht, ob wir Systemrelevant sind - dieser Begriff ist gerade ja oft im Gespräch - aber die Kinder und Jugendlichen sind es bestimmt", sinniert die Sozialarbeiterin.
Drei Wochen hat die Oase jetzt geschlossen, letztmalig geöffnet war der Jugendtreff am Freitag den 13. März. "Da ahnten die Kids schon, dass gerade was passiert. Sie saßen an dem Abend nicht an den Konsolen in unserer Oase, wir saßen alle zusammen an der lodernden Feuer-Schale. Ich habe gemerkt, wie wichtig ihnen das Zusammensein, die Freunde und unsere kleine Oase sind."