Note 4,5: Plauen nicht fahrradfreundlich

Der aktuelle FahrradklimaTest des ADFC spricht eine deutliche Sprache: Plauen ist nach wie vor nicht das Eldorado für Radfahrer. 75 Prozent der Radfahrer fühlen sich gefährdet. Allerdings nahmen auch nur wenige Personen an der Befragung teil.

Plauen - Nicht nur das Sicherheitsgefühl bewerten die Plauener kritisch, 80 Prozent fühlen sich mit dem Rad auch an Baustellen unzureichend geschützt, geht aus dem jüngsten Test des Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor, der gestern veröffentlicht wurde. Und weitere vier Prozent - also 84 Prozent - vermissen einen guten Winterdienst auf den Radwegen der Stadt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (69 Prozent) sind mit der Breite ihrer Radwege unzufrieden und kritisieren die Oberflächenqualität der Wege (55 Prozent). Die Unzufriedenheit mit beiden Merkmalen stieg in den vergangenen Jahren deutlich an. 

Schulweg mit Rad
nicht erwünscht?

Nur jeder fünfte Plauener hat demnach ein gutes Gewissen, ihr Kind mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Sogar nur 14 Prozent haben das Gefühl, dass der Schulweg mit dem Rad in Plauen erwünscht ist und gefördert wird. Doch die Liste der Kritik ist noch länger. Nur elf Prozent empfinden die Ampelschaltungen für Radfahrer in der Stadt als fahrradfreundlich. Deutlich besser als der sächsische Durchschnitt bewerten die Plauener dagegen die Fahrradmitnahme im Öffentlichen Verkehr.
Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, sieht in dem schlechten Abschneiden der Stadt Plauen einen deutlichen Verbesserungsbedarf. "In Plauen können wir dank des Fahrradklima-Tests viele Probleme beim Radverkehr identifizieren. Der Fahrradklima-Test zeigt, dass die Plauener bei der Förderung des Radverkehrs endlich entschiedene Schritte der Kommunalpolitik erwarten." Seit 2014 wird die Förderung des Radverkehrs in Plauen kontinuierlich schlechter beurteilt. So bewerteten die Radfahrenden die Fahrradförderung in ihrer Stadt 2014 noch durchschnittlich mit der Schulnote 3,9, zwei Jahre später vergaben sie eine 4,2, und im Vorjahr nur noch eine 4,5. "Wir können aber auch sehen, dass die Teilnehmenden des Fahrradklima-Tests Verbesserungen anerkennen. 60 Prozent sind mit der Wegweisung für Radrouten zufrieden", sagt Krause. Auch verbesserte sich die Benotung der Abstellanlagen und der Führung an Baustellen zwischen 2016 und 2018. Der Fahrradklima-Test ist eine vom ADFC organisierte Befragung zum Radverkehr in deutschen Städten. 

Bundesweit im
hinteren Mittelfeld

Zwischen September und November 2018 konnten Radfahrer ihre Meinung zum Fahrradklima in ihrer Stadt kundtun. Nur 10 Prozent der Plauener Radfahrenden als gleichwertige Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 4,5 liegt Plauen bundesweit im hinteren Mittelfeld, deutlich abgeschlagen hinter vergleichbaren Städten wie Bocholt (2,39), Konstanz (3,1) oder Greifswald (3,45). Die vergleichbaren sächsischen Städte Görlitz und Zwickau erhielten die Durchschnittsnoten 3,86 und 4,55

"Fahrradklima" in 
Sachsen leicht verbessert

Der Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zum Fahrradklima weltweit. Er umfasst 27 Fragen und wird seit 2012 in jedem zweiten Jahr durchgeführt. Bei der aktuellen Befragung wurden außerdem fünf Zusatzfragen zur Familienfreundlichkeit der Städte erhoben. 2018 bewerteten in Plauen bei der Umfrage 67 Personen ihre Stadt nach Fahrradkriterien, deutschlandweit waren es rund 170 000. 74 Prozent der Befragten nutzen täglich das Rad, allerdings sind nur 15 Prozent von ihnen Mitglied im ADFC. Gleichzeitig fahren mehr als drei Viertel der Befragten regelmäßig sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad und kennen somit beide Perspektiven. Das Fahrradklima, also die Wahrnehmung der Radverkehrsbedingungen hat sich bundesweit insgesamt verschlechtert. 2014 wurde das Fahrradklima noch mit 3,7 bewertet, 2016 mit 3,8 - 2018 mit 3,9. In Sachsen verbesserte sich das Fahrradklima hingegen leicht von der Schulnote 4,03 auf 3,95. 

Von Platz 62 auf Rang 
67 "durchgereicht"

Peggy Barthel, die "Fahrradbeauftragte" der Stadtverwaltung hat den "Klimatest" des ADFC ebenfalls gerade "frisch" auf den Tisch bekommen. Und fast macht es den Eindruck, als hätte sie kaum eine bessere Einschätzung erwartet. Zwar nahmen ihres Wissens nicht nur 67, sondern immerhin 87 Plauener an der Befragung teil, was am Gesamtergebnis aber kaum was ändert. 2016 rangierte Plauen noch auf Platz 62 unter den damals 98 befragten Kommunen, im Vorjahr auf Platz 67 von 106 befragten. "Die Kritik ist freilich angebracht, nix ist super", schätzt Frau Barthel nüchtern ein. Was übrigens den gesamten Freistaat betreffe - auch dessen "Schulnote" 3,95 sei kein Ruhmesblatt. 

Bauvorschriften sind
ausgesprochen schwierig

Aus täglicher Erfahrung weiß die "Fahrradbeauftragte", dass es äußerst schwierig geworden sei, Neues zu schaffen. "Die Bauvorschriften sind ausgesprochen streng, es ist ein ewiger Vorlauf nötig. Planfeststellungsverfahren für Radwege - das gibt es wohl bundesweit nur in Sachsen," macht Frau Barthel die "Rahmenbedingungen" deutlich. Dennoch versuche man immer wieder, in Sachen Radwegen voranzukommen, "die Leute fahren natürlich nicht gern auf der Straße." Und fairerweise muss auch vermerkt werden, dass die Plauener Radfahrer nicht nur "am Meckern" sind. Positiv genannt wurde beispielsweise die Möglichkeit, seinen Drahtesel in öffentlichen Verkehrsmittel transportieren zu können. Und auch mit Fahrradständern im Stadtgebiet kann Plauen der Umfrage zufolge punkten.

Radler und Fußgänger
teilen sich Wege

Die Frage nach der Länge der zu nutzenden Radwege im Stadtgebiet, lässt sich offenbar nicht so einfach beantworten. "Reine Radwege - fast gar nix", fasst Frau Barthel die Misere zusammen. Die häufigste Variante: Radler und Fußgänger "teilen" sich einen Weg. Oft ist dieses mehr oder weniger friedliche Miteinander entsprechend beschildert, was rein rechtlich aber so seine Tücken hat. Frau Barthel verweist zudem auf einen an der Meßbacher Straße angelegten Radfahrstreifen, mit dem aber weder die Radfahrer selbst, noch die Autofahrer so richtig klar kämen. ‚Ähnlich die Situation in Möschwitz, auch hier habe es ziemliche Anfangsschwierigkeiten gegeben. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch die auf ein besseres "Klima" für Radfahrer in Plauen. Denn 4,5 ist zwar nicht versetzungsgefährdet, in der Schule würde man dem Schüler aber dringend Nachhilfestunden empfehlen