Noch 638 Lehrstellen im Vogtland unbesetzt

Plauen - Es ist noch gar nicht so lange her, da galt der gesicherte Lehrplatz für den Zögling als Grund für ein Familienfest. Mittlerweile dürften in einigen Unternehmen die Sektkorken knallen, wenn es gelang, einen Azubi zu finden.

Oder um es mit den Worten der Chefin der Arbeitsagentur, Helga Lutz, zu sagen: "Das Angebot an jungen Leuten wird immer geringer." Momentan meldet ihre Behörde noch 638 freie Lehrstellen, 322 Schulabgänger sind der Statistik zufolge noch auf der Suche nach dem Traumjob. "Es müsste also ein Klacks sein, diese Jugendlichen nicht unterzubringen", fügt sie während eines Pressegespräches zur Vorbereitung der Ausbildungsbörse am 18. Oktober in der Plauener Festhalle an.

Es ist die vierte ihrer Art und fast 90 der sich vorstellenden Unternehmen sind von Anfang an dabei. Diesmal haben bereits über 100 große und bekannte Unternehmen des Vogtlands aus nahezu allen Wirtschaftsbranchen ihre Teilnahme avisiert. Sogar "angebaut" musste werden, sagt Michael Barth, Geschäftsführer der IHK-Regionalkammer Plauen und dankt in diesem Zusammenhang ausdrücklich der Firma Golle, die für diesen Zweck ein komfortables Zelt samt Aufbauteam zur Vefügung gestellt habe.

Auch Betriebe des Handwerks werden auf der Börse vertreten sein, die Jugendlichen haben die Möglichkeit, sofort erste Kontakte zu knüpfen, aus denen sich eine Lehrstelle oder ein Praktika ergibt, listet Lutz die Vorteile der Ausbildungsbörse auf. Aus teilweise eigener Erfahrung weiß sie, dass viele Jugendliche zwar eine Vorstellung von ihrem künftigen Beruf haben, weniger aber, welches Unternehmen dafür ausbildet.

Die Tatsache, dass statistisch 1,4 Stellen für jeden Bewerber zur Verfügung stehen, hat allerdings auch ihre Schattenseite. "Die Anspruchshaltung der Unternehmen ist rückläufig", formuliert es die Agentur-Chefin diplomatisch. Im Klartext: Auch Absolventen mit der einen oder anderen Dreier-Note haben eine Chance.

"Zunehmend definieren die Firmen, was ihnen wichtig ist. Das sind für manche die Kopfnoten, für andere eine gute Mathe-Zensur", fügt Lutz an. Auf der anderen Seite haben die künftigen Azubis mehr Auswahl. Da entscheidet sich der eine nach finanziellen Gesichtspunkten, der andere nach dem Anfahrtsweg zur Ausbildungsstätte. "Der Markt gibt das her", so die Expertin lakonisch. Nicht wenige Mittelständler zahlen zum Tarif noch eine Leistungsvergütung, Tendenz steigend", weiß Siegmar Degenkolb von der IHK.

So gut wie derzeit die Lage ist, das war vor einigen Jahren unvorstellbar, fast Helga Lutz zusammen. Dass selbst für die Ausbildung zum einst heiß begehrten Kfz-Mechatroniker noch 16 Stellen frei sind, spreche Bände. tp