Nie vergessen

Dr. Albert Beutler gehört zu den wenigen jüdischen Mitbürgern aus Reichenbach, die den Holocaust überlebten. Vor 35 Jahren starb er in Chile.

Von Dr. Wolfgang Richter

 Reichenbach - Dr. Albert Beutler wurde nach der Progromnacht 1938 verhaftet, ins Gefängnis nach Plauen und anschließend ins KZ Buchenwald verschleppt. Er gehörte zu den 20.000 bis 30.000 vermögenden jüdischen Bürgern, die die Nazis nach Aufgabe ihrer Unternehmen zur Ausreise zwingen wollte.
Beutler stammte aus einer Reichenbacher Textilfabrikanten-Familie. Deshalb gehörte er zu den Vermögenden, weil er die Weberei seines Vaters übernommen hatte. Nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald floh er über Kuba nach Chile, wo er am 9. April 1986 verstarb.
Als Unternehmer in Reichenbach kannte er die soziale Lage der Weber in der vogtländischen Textilindustrie sehr genau. Da es kaum wissenschaftliche Untersuchungen bisher zu diesem Thema gab, entschloss er sich, eine Doktorarbeit zu verfassen. Eingereicht hat er seine Arbeit 1920 an der Universität Greifswald, da seine Doktorväter Prof. Biermann und Prof. Kähler bereits sozialwissenschafliche Studien zur Lage der Arbeiter vorgelegt hatten. Beutler spannt in seiner Arbeit den Bogen von den Hauswebern bis hin zu den Fabrikwebern ausgangs des 19. Jahrhunderts. Er ermittelt Arbeitszeiten, Einkommen, Fakten zur Kinder- und Frauenarbeit sowie Daten zu den häuslichen Verhältnissen. Seine Dissertation lautet: "Die Entwicklung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Weber im sächsischen Vogtland".
Für Beutler ist das Ganze eine Bestandsanalyse. Seine Arbeit ist eine wesentliche Bereicherung für die Erforschung der sozialen Lage, speziell der Weber, vor dem 1. Weltkrieg im Vogtland. Zu den Bestrebungen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse äußert er sich nicht. Die Dissertation ist heute digital verfügbar als Quelle für die Regionalgeschichtsforschung über die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig.