Nicht nur Rosen fühlen sich in Rodersdorf wohl

Unzählige grüne und blühende Gewächse sind am äußersten Ortsrand von Rodersdorf zu finden.Erich Seifert vielen als Schnitzer bekannt, hat nicht nur für dicke Holzstämme, sondern auch für filigrane Pflanzen ein Händchen.

Schon von außen fällt das Grundstück ins Auge. Einige von ihm geschaffene Werke säumen den schmalen Grünstreifen vorm Zaun. Schritt für Schritt vom Tor ins Innere des Gartens fallen von ihm geschaffene Werke und schöne Pflanzen ins Auge. Mehrere junge Eichenbäume wachsen in Form eines Bonsais. Von ihm regelmäßig geschnitten zeigen sie sich in einer für diese Art ungewöhnlichen Kugelform. Zwischen Bäumen und Sträuchern wachsen bunte Blumen wie eine groß gewachsene, weiße Malve. Eine große Ansammlung von bis zu 1,80 Mezer hohen Sonnenblumen leuchtet gelb, während die gegenüberliegende Seite in rosa und rot erstrahlt.

Etwa 100 Jahre alte Edelrosen verzieren Beete und bereiten dem 86-Jährigen nach wie vor viel Freude mit ihren Blüten. Mit den Kindern der Tagesstätte Rodersdorf hat er sogar einen Tee-Garten angelegt. Mehrere Sorten gedeihen dort die schmackhaften Tee liefern. Aber auch Kräuter und Heilpflanzen sind zu finden, die neben dem Verzehr zusätzlich als alte Hausmittel dienen. Auf Wespenstiche zum Beispiel kommt Arnika aus dem eigenen Anbau.

Überhaupt erfreut er sich an jeder Pflanze und hat die ganzen Jahre eine unglaubliche Arbeit in sein Anwesen gesteckt. Schon manchmal habe er auf Anraten seines Sohnes darüber nachgedacht nicht mehr täglich so viel zu leisten, aber das sei sein Leben. Das hält ihn fit und gibt ihm Aufgaben.

Täglich müsse er seine Hasen und Hühner versorgen. Die Futternäpfe stehen immer griffbereit. Es sei keine Belastung, im Gegenteil er kümmere sich gerne um die Tiere. Schließlich war er es auch, der vor vielen Jahren die Geflügelvereine in den angrenzenden Orten wie Kürbitz und Weischlitz gründete. Als Belohnung für das Leben in dem grünen Kleinod bekommt er täglich mindesten ein Ei von seinen Hennen.

Der alte Hühnerstall hingegen wurde zum Museum. Viele Erinnerungen, wichtige Dokumente, Fotos, Zeichnungen und Gemälde sind dort zu bestaunen. Fast eine kleine Zeitreise durchlebt der Besucher beim Durchgehen. Als Soldat versteckte er sich mit seiner Jugendliebe unter einem Kastanienbaum vor Bombenangriffen. Da die Bäume ihm quasi das Leben retteten widmete er sich von da an sehr intensiv der Arbeit mit Holz. Er verarbeitet Kriegseindrücke und Gefühle in seinen Bildern und Skulpturen.

Einer der Baumstämme im Vorgarten zieht den Blick ganz nah auf sich. Für einen Moment etwas irritiert, wird der Betrachter schnell neugierig auf die Hintergründe des Zustandekommen. Direkt aus dem Holz ragen dünne Metallstäbe, wie kleine Äste. Auf einer Grundstücksgrenze habe er gestanden und habe so den Zaun direkt umwachsen, erklärt der Rodersdorfer.

,,Wer dem Tod entronnen, dem gehört das Leben" steht auf dem zugehörigen Sockel geschrieben und erinnert damit an die Zeit um 1945. Über Besuch freue sich der rüstige Senior immer. Gerne empfängt er Kindergartenkinder bei sich im Garten, die immer besonders fasziniert vom den vielen Figuren aus Holz sind. Bei so einer Gelegenheit kann schon mal ein spontanes Picknick mit Gemüse aus dem eigenen Anbau entstehen. Möhren beispielsweise, frisch aus der Erde, natürlich gewaschen, schmecken Kinder immer und bringen in dieser Verbindung die Natur ein wesentliches Stück, vor allem bei Stadtkindern, näher. Und so ist eines sicher, nach einem Besuch bei Erich Seifert versteht wohl jeder sein Motto ,,Holz lebt".  sr